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24.04.2017 - 12:14
Das Aus der Patscherkofel-Pendelbahn ist fix - ob neue Pläne umgesetzt werden, ist nicht sicher.
Foto: Christian Forcher

Vergleich Kofel- Projekt mit Nordkette nicht seriös

05.03.2017, 17:09

Die Diskussionen um die Megainvestitionen am Patscherkofel bei Innsbruck, die zuletzt von 41 auf zumindest 55 Mill. Euro explodiert sind, reißen nicht ab. Sogar eine Unterschriftenaktion und eine Demonstration sind geplant. Wirkliche Seilbahnexperten schütteln den Kopf über die Summe, die dort investiert werden soll. Sie sprechen gar von einer Wettbewerbsverzerrung.

Die "Krone" konfrontierte bekannte Seilbahnexperten bzw. -unternehmer mit den fast 60 Millionen (eigentlich sind es 70, wenn man die Ablöse an Peter Schröcksnadel berücksichtigt) und dem damit verbundenen Output (letztlich sollen Gäste am Innsbrucker Hausberg von genau einer 10er- Einseilumlaufbahn bedient werden). Als Antwort gab es zunächst Kopfschütteln. Danach folgte die nahezu immer gleich lautende Aussage: "Dieses Projekt ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Unternehmers, der selbst erwirtschaftetes Geld in neue Anlagen und in Infrastruktur investiert. Hier wird Steuergeld ver(sch)wendet. Das ist auch wettbewerbsverzerrend."

Ganz abgesehen von der gewaltigen Summe, die der Gemeinderat bis auf wenige Ausnahmen brav "Händchen in die Höhe haltend" absegnete, stört derzeit viele der immer wieder gemachte Vergleich des Projekts mit der Nordkettenbahn, die zunächst auch heftig umstritten war und heute zweifelsohne als ein Erfolgsprojekt dasteht. Eine Analyse der beiden "Seiten" ergibt aber ein völlig anderes Bild.

Innsbrucker Politik übernimmt Finanzrisiko

Zur Finanzierung: Die Errichtung bzw. Finanzierung der Nordkettenbahn erfolgte im Rahmen eines so genannten PPP- Modells (Public Private Partnership) namens "Innsbrucker Nordkettenbahnen neu". Projektpartner sind da die Stadt Innsbruck, der Baukonzern STRABAG von Hans Peter Haselsteiner und das Seilbahnunternehmen Leitner AG mit Hauptsitz in Südtirol. Die privaten Betreiber halten dort das geschäftliche Risiko, lukrieren aber im Gegenzug über den vertraglich vereinbarten Zeitraum die Einnahmen.

Wie sieht das am Patscherkofel aus? Derzeit ist dort weit und breit kein privater Investor in Sicht. Im Gegenteil: "Dieses Projekt würde ich nicht einmal geschenkt nehmen", so die Aussage eines Seilbahnunternehmers. Die Stadt Innsbruck trägt alle finanziellen Risken was mit Hilfe von Steuergeld wohl nicht wirklich zur erdrückenden Last wird.

Patscherkofel ist derzeit ein klassischer Skihang

Zur geografischen Ausrichtung: Der nächste hinkende Vergleich mit der Nordkette und deren Bahn ist wenn man geografisch etwas veranlagt ist , dass die Nordkette südlich ausgerichtet ist. Dort wird das Gros der Umsätze im Sommer gemacht. Die Nutzung des Patscherkofels findet hauptsächlich an seiner nördlichen Seite statt. Er ist derzeit noch klar als Skiberg definiert. Wenn die nun geplante Einseilumlaufbahn alle anderen Anlagen ersetzen soll, ist das Aus für den Skiberg Patscherkofel vorprogrammiert. Was freilich zu akzeptieren wäre, würde es die Politik ganz ungeschminkt sagen.

Die neue Bahn ist eine reine Zubringerbahn

Zur neuen Bahn: Die Politik spricht bei der neuen 10er- Bahn auf den Patscherkofel vom "Leitprodukt der Firma Doppelmayr", die an die 2500 Personen pro Stunde auf den Berg befördern kann. Das wird sicher stimmen. Aber dann? Was machen diese 2500 Skisportler am Berg, wenn es keine einzige andere Anlage als Alternative mehr geben soll? Diese Bahn würde in bekannten Skidestinationen wie Sölden, Ischgl, Scheffau oder im Zillertal etc. als klassischer Zubringer fungieren. Das bedeutet übersetzt, sie soll die Skisportler rasch hinauf in ein Skigebiet bringen, wo sich alles verteilt. Wer soll sich am Patscherkofel künftig noch wo verteilen, wenn alle bestehenden Anlagen abgebaut sind. Ins neue Bergrestaurant, dessen Bau rechtlich noch nicht einmal über die Bühne ist?

Von der Politik verordnete Monotonie am Berg

Fazit: Mit dem jetzigen Projekt "Patscherkofel neu", das fast 60 Mill. Euro verschlingen und letztlich nur eine Anlage haben wird, wird von der Politik für Skifahrer Monotonie am Innsbrucker Hausberg verordnet. Die Frage, wie lange Skisportler in Zeiten, in denen es nahe Innsbruck (Axams, Kühtai) viel attraktivere Angebote gibt, auf Monotonie Lust haben, ist eher leicht zu beantworten.

Claus Meinert, Kronen Zeitung

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