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24.02.2017 - 01:28
Die Lienzer Ärztinnen Birgit Sitte und Barbara Lassnig-Kofler sind mit ihrer Praxis Vorreiterinnen.
Foto: Claudia Thurner

Arztpraxis der Zukunft: Gemeinsam statt einsam

14.01.2017, 07:30

In Lienz wird am Montag die erste Arztpraxis des Bezirks eröffnet, bei der sich zwei Medizinerinnen einen Kassenvertrag teilen. In Kaltenbach hat am Freitag eine neue Gemeinschaftsordination mit Allgemein- und Fachärzten eröffnet. Die beiden Beispiele machen deutlich, dass die Gesundheitsversorgung am Land durch neue Formen der Zusammenarbeit gesichert werden könnte.

Halbe- Halbe lautet das Motto der Lienzer Ärztinnen Birgit Sitte und Barbara Lassnig- Kofler. "Mit drei Kindern kann ich keine volle Kassenstelle übernehmen. Aber 50 Prozent ist ideal, weil ich ja unbedingt in meinem Beruf arbeiten will", beschreibt Lassnig- Kofler, warum es neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit braucht. Die Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) und die Ärztekammer haben im Sommer neue Modelle präsentiert. Diese wurden seither von 22 Medizinern angenommen. Eine Teilpraxis wie im Fall der Lienzer Ärztinnen gibt es aber erst an vier Standorten (Wörgl, Angerberg, Lienz, Wildschönau). Die Osttiroler Ärztinnen sind überzeugt, dass es bald viel mehr Teilpraxen in ganz Tirol geben wird. Sitte: "Gerade für Frauen ist das ein wichtiges Angebot. Mehr als die Hälfte der Medizin- Studenten ist weiblich. Da ist es nur folgerichtig, dass die Arbeitswelt darauf reagiert. Mütter können nicht immer uneingeschränkt für den Beruf da sein. Fallen sie aber ganz weg, geht viel wertvolles Wissen verloren."

Primärversorgungszentrum auf Zillertalerisch

Eine andere Form der Zusammenarbeit haben Mediziner im Zillertal gefunden. In Kaltenbach bildet der Allgemeinmediziner Christian Wimmer mit sechs Fachärzten eine Ordinationsgemeinschaft. "Wir ersparen Patienten viele Wege zwischen den Ärzten. Und wir entlasten die Spitäler. Außerdem können wir längere Öffnungszeiten anbieten", zählt der Arzt ein paar Vorteile auf. Dass nur er als Hausarzt in der Ordinationsgemeinschaft einen Kassenvertrag hat, erklärt Wimmer mit dem mühevollen Weg zu neuen Zusammenarbeitsformen: "Wir streben den Status Ambulatorium an. Dann kann ich auch Ärzte anstellen. Das Genehmigungsverfahren dauert aber zwei Jahre." Das Zillertaler Modell greift die Grundidee der Primärversorgungszentren auf, die der Bund als erste Anlaufstelle etablieren will. "Nur dass wir nicht eine Gemeinschaft von Hausärzten sind, sondern Fach- und Allgemeinmediziner zusammenkommen", erklärt Wimmer. Der Praktiker ist wie seine Kolleginnen in Lienz überzeugt, dass die Zukunft der Gesundheitsversorgung nur funktioniert, wenn Ärzte noch mehr Möglichkeiten der Zusammenarbeit nutzen.

Claudia Thurner

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