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03.12.2016 - 01:46
Tierischer Besuch in der Volksschule Mattersburg.
Foto: APA/Harald Schneider

Wenn Hunde als "Lehrer" Wunder wirken

12.10.2016, 09:15

Mit ihrer Präsenz ändern Therapiehunde die Atmosphäre in einer Schulklasse. Die Vierbeiner balancieren das sensible soziale Gefüge durch ihre bloße Anwesenheit aus. Störenfriede oder Klassen- Clowns werden plötzlich ruhig, eher verschlossene Kinder blühen auf. Denn die Hunde agieren wertfrei, ohne Hintergedanken.

Man muss es selbst einmal erlebt haben: Ein Therapiehund bringt die Atmosphäre in einem Klassenzimmer förmlich zum Schwingen. "Hunde lenken durch ihre Präsenz nicht ab, sondern erhöhen im Gegenteil sogar die Aufmerksamkeit der Kinder", berichtet Brigitte Girard von "Therapiehunde OÖ" und meint weiter: "Der Hund agiert ganz wertfrei. Wenn ihm ein Kind einen Ball zuwirft, dann bringt er ihn zurück. Der Hund denkt nicht in Defiziten, wie wir Menschen das gewohnt sind. Er gibt den Kindern das Gefühl, dass es genügt, so wie sie sind" - mehr dazu in unserem "Krone"- Interview.

Enorm positive Erfahrungen

Monika Vorauer, Direktorin der ASO 2 in Steyr, bestätigt diese enorm positiven Erfahrungen mit Therapiehunden und erklärt zunächst den Ablauf: "Wir haben schon drei Durchgänge zu je zehn Stunden mit Therapiehunden bei uns gehabt. Die Hunde kommen immer in der Nachmittagsbetreuung in den Freistunden, die Begegnungen finden dann entweder im Freien im Schulhof statt oder drinnen."

Hunde können pädagogische Wunder bewirken

Die vierbeinigen "Lehrkräfte" können pädagogische Wunder wirken, ist auch die Direktorin überzeugt: "Am hervorstechendsten ist sicherlich, dass Kinder mit wenig Selbstbewusstsein und vielen Ängsten wirklich schnell aufblühen, wachsen und total viel von ihrer Zurückhaltung ablegen. Andererseits werden hyperaktive Schüler konzentrierter. Der Hund, das Tier, stellt eigentlich die Regeln auf - und das funktioniert teilweise besser, als wenn es ein Erwachsener tut."

Kurt Kotrschal: "Hunde sind soziale Schmiermittel"

Der bekannte österreichische Verhaltensforscher und Buchautor Kurt Kotrschal ist ein klarer Befürworter von Hunden als Erziehungshelfer, er bezeichnet die Vierbeiner in seinem Buch "Hund und Mensch - Das Geheimnis unserer Seelenverwandtschaft" als "soziale Schmiermittel" für Beziehungen von Mensch zu Mensch. Schwierige Kinder kommunizieren in ihrer Gegenwart viel ruhiger und netter miteinander, ältere Leute sind viel besser vernetzt und gesünder, wenn sie mit einem Hund leben, und die Kommunikation innerhalb einer Familie mit Hund ist intensiver und besser als in hundelosen Familien.

Wichtig ist dabei immer, dass die Beziehungsqualität zum Hund stimmt. Sie ist ein Schlüssel für die soziale und gesundheitliche Wirksamkeit von einem Hund.

"Tiere gegen Stress im Klassenzimmer"

Katharina Hirschenhauser (47), Biologin an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich, hat sich in Lehre und Forschung auf Stress und den Einsatz von Tieren im Unterricht spezialisiert. Die "Krone" sprach mit der Expertin über die Wirkung von "tiergestützter Pädagogik" auf das Unterrichtsklima.

"Wir wissen, dass soziale Konflikte, Mobbing und Druck aus der Gruppe die größten Stressfaktoren sind. Um das wirkungsvoll zu dämpfen, kann man in der sozialen Umgebung etwas dagegensetzen. Ein Freund, der zu mir hält, ist das Beste - ein Tier bietet sich also an", so Katharina Hirschenhauser. Der Lehrgang "Tiergestützte Pädagogik" an der Hochschule bereitet Lehrpersonen darauf vor.

Tiere sollen Freude bringen, keine Last sein

Ein Tier im Klassenverband soll Freude bringen und keine Last sein. Man muss klären, wer die tägliche Tierpflege übernimmt und was nach dem Projekt geschieht. Hirschenhauser: "Man soll keine Wildtiere in die Klasse mitbringen, schon gar keine geschützten. Oder man lädt jemanden mit einem Tier ein. Ich empfehle die Angebote von 'Natur auf Tour' des Biologiezentrums Linz." Wichtig sei auch, alle Schulpartner über das Vorhaben zu informieren - vom Direktor bis zum Reinigungspersonal. Beim Elternabend muss man die Erfahrungen der Kinder mit Tieren abklären. Darauf soll man vorbereitet sein und dann entscheiden, welches Tier eingeladen wird.

Therapeutin Brigitte Girard
Foto: zVg

Seit 2015 gibt es eine von der Veterinär- Uni zertifizierte Ausbildung für Therapiehunde, erklärt Brigitte Girard von Therapiehunde OÖ.

"Krone": Die Therapiebegleithunde- Ausbildung ist seit 2015 staatlich zertifiziert.
Brigitte Girard: Ja, es gab einen ziemlichen Wildwuchs. Unsere Ausbildung ist in drei Modulen - das sind 84 Ausbildungseinheiten zu jeweils 45 Minuten - aufgebaut. Jedes unserer Module ist einzeln buchbar und kann jederzeit auch von aktiven Therapiebegleithundeteams wiederholt werden.

"Krone": Wie viel kostet die Therapiehund- Ausbildung?
Girard: Der Wesenstest, der am Beginn der Ausbildung steht, kostet 50 Euro. Für die Module 1 bis 3 muss man 1050 Euro zahlen.

"Krone": Wann ist ein Vierbeiner dafür nicht geeignet?
Girard: Wenn der Hund während der Ausbildung aggressives Verhalten in Richtung Mensch und Hund zeigt oder sich herausstellt, dass er beispielsweise keine Interaktionen mit fremden Menschen eingehen kann.

"Krone": Wie viele Hunde besitzen Sie eigentlich selbst?
Girard: Ich habe zwei Labrador- Retriever und eine sehr lebhafte Mischlingshündin aus Bosnien.

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Christoph Gantner, Kronen Zeitung/red
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