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04.12.2016 - 22:04
Foto: thinkstockphotos.de, krone.at-Grafik / Video: YouTube.com

"Orca- Haltung in Gefangenschaft nicht vertretbar"

03.05.2014, 23:59
Der Film "Blackfish" zeigt das Leben von "Tilikum", einem Orca, der in Freizeitparks sein Dasein fristet und immer wieder am Tod von Menschen beteiligt ist. "Krone"-Tierexpertin Maggie Entenfellner traf Tierschützer Nicolas Entrup von der Agentur "Shifting Values" zum Interview und sprach mit ihm über die grausamen Haltungsbedingungen von Meeressäugern in Delfinarien und Vergnügungsparks. Und: Die "Krone" verlost 10x2 Tickets für die exklusive Filmvorführung von "Blackfish"!
Maggie Entenfellner: Der Film "Blackfish" handelt von dem Orca Tilikum, der in Gefangenschaft lebt und am Tod von drei Menschen beteiligt ist. Wieso wurde dieser Orca zur Killermaschine?
Nicolas Entrup: Die Haltungsbedingungen in diesen kleinen, kahlen, monotonen Betonbecken sind für die extrem sozialen, intelligenten und komplexen Meeressäuger eine reine Qual. Gesteigertes aggressives Verhalten ist in Gefangenschaft keine Seltenheit, da bedarf es oft nur kleiner – vielfach unklarer – Auslöser und der Mensch hat gegen einen Orca keine Chance. In freier Wildbahn liegt übrigens kein einziger Fall vor, bei dem ein Orca einen Menschen getötet hat.

Nicolas Entrup hat sich dem Schutz von Meeressäugern verschrieben.
Foto: Shifting Values

Entenfellner: Was macht "Blackfish" so spannend?
Entrup: Im Wesentlichen gewähren ehemalige SeaWorld- Trainer einen Blick hinter die Kulissen. Aus dem Vergnügungspark "Gigant SeaWorld" wird rasch eine PR- Maschine, die manipuliert, vertuscht und skrupellos agiert. Unfälle sind vorprogrammiert.

Entenfellner: Was sind Ihre größten Kritikpunkte an der Haltung von Orcas in Gefangenschaft?
Entrup: Langeweile, Einschränkung der Bewegungsmöglichkeit, Reizarmut und soziale Verkümmerung. Das größte Orcabecken der Welt umfasst weniger als ein Tausendstel Prozent des kleinsten Reviers wildlebender Orcas. Nur zwei Becken bei SeaWorld in Florida sind tiefer, als Orca Tilikum lang ist. Das verdeutlicht die extreme Einschränkung der Mobilität dieser Tiere.

Entenfellner: Wie leben Orcas in freier Wildbahn?
Entrup: Man spricht von unterschiedlichen Orca- Kulturen. Manche ernähren sich ausschließlich von Fisch, manche jagen auch andere Meeressäuger. Ortstreue Orcas leben in engen Familienverbänden. Die Jungtiere bleiben ein Leben lang bei ihrer Mutter, es handelt sich um ein richtiges Matriachat. Die Gruppen haben unterschiedliche Dialekte. Spannend sind Zusammentreffen einzelner Gruppen, die zu einer Gemeinschaft gehören, da gibt es extrem viel und spannende Interaktion.

Entenfellner: Für den Zuschauer sieht es oft nach einem Spiel aus, was Delfine und andere Meeressäuger in Vergnügungsparks absolvieren - ist wirklich alle Qual?
Entrup: Es ist reine Show. Urlaubslaune, Popmusik und dressierte Meeresriesen erwecken den Eindruck es mache den Tieren Spaß. Es mag durchaus auch eine der wenigen Abwechslungen in dem tristen Leben gefangener Tiere sein. Vertretbar ist die Haltung solch komplexer Lebewesen unter solchen Bedingungen aber im 21. Jahrhundert nicht mehr.

Entenfellner: Woher stammen die Tiere?
Entrup: Orcas werden seit knapp 50 Jahren in Gefangenschaft gehalten. Zunächst wurden mehr als 50 Orcas in nordamerikanischen Gewässern gefangen, von denen sind jedoch nur noch zwei am Leben. Danach verlegte die Vergnügungsparkindustrie die Fangaktionen vor Argentinien, dann Island, dann Japan. Zuletzt wurden Orcas in russischen Gewässern gefangen. Betreiber der Fänge war ein Unternehmen, das unter anderem ein Delfinarium in Sotschi, Russland, betreibt. Aktuell leben 54 Orcas in Gefangenschaft, davon sind auch einige Nachzuchten. Doch will man Orcas weiterhin in Gefangenschaft halten, dann werden auch weitere Tiere gefangen, und das ist inakzeptabel.

Entenfellner: Protest gegen Orcas in Gefangenschaft bzw. Delfinarien gibt es bereits seit Jahren. Wenn es wirklich so schlimm ist, warum reagiert die Politik nicht?
Entrup: In vielen Regionen ist der Fang von Orcas verboten worden. Es sind auch nach EU- Recht streng geschützte Tiere. In den USA hat "Blackfish" dazu geführt, dass einige Bundesstaaten über ein Halteverbot diskutieren. Dem gegenüber steht eine Vergnügungsparkindustrie, die gestützt von Millionen von Touristen Millionen Dollar einspielt. Vernunft versus Gier, das ist hier die Frage!

Entenfellner: In Österreich gibt es bereits seit Jahren keine Delfinarien mehr. Was kann der Einzelne hier vor Ort tun?
Entrup: Fast jeder Bürger ist auch gleichzeitig Tourist. Das Meiden von Vergnügungsparks, die Meeressäugershows anbieten, ist die einfachste und gleichzeitig effizienteste Aktion. Auch kann sich jeder bei Meeresschutzorganisationen engagieren, wie zum Beispiel bei "OceanCare" , die vergangenes Jahr die Schließung des letzten Delfinariums in der Schweiz erwirkt haben.

Entenfellner: Warum war es Ihnen wichtig, den Film nach Österreich zu holen?
Entrup: "Blackfish" ist eine wichtige Dokumentation, die aber kein Kassenmagnet ist und somit kaum Aussicht auf kommerziellen Erfolg in den Kinos verspricht. Gleichzeitig hat "Blackfish" bereits unheimlich viel bewegt und öffnet die Augen. Die Augen, um die Problematik aus der Sicht des Orcas zu betrachten. Der Film hat aber darüber hinaus noch eine andere, für mich persönlich extrem wichtige Botschaft: Wir müssen das Individuum in das Zentrum unsere Schutzbemühungen stellen, und das gilt eben auch für Tiere. Man spricht von gefährdeten Tierarten, aber das Leid empfindet das einzelne Tier, nicht eine Art. Wenn man Tilikum sieht und seine Geschichte hört, das Leben zu dem er gezwungen wird, dann wird es für viele Menschen auf einmal viel besser verständlich, warum es so wichtig ist, sich für den Schutz dieser Tiere einzusetzen.

Entenfellner: Wie sind Sie ganz persönlich zum Meeresschutz gekommen?
Entrup: Im Jahr 1992, ich arbeitete damals bei den "Vier Pfoten", wurden fünf ehemalige Militärdelfine illegal nach Budapest gebracht und dort in einem öffentlichen Schwimmbad zur Schau gestellt. Ich erfuhr davon, setzte mich in den Zug und als ich ankam, waren zwei der Tiere bereits verstorben. Innerhalb von zwei Wochen erreichten wir die Beschlagnahme der Tiere. Für mich war es jedoch Beginn einer Mission. Mit dem Erreichen eines Handelsverbots für Delfine aus dem Schwarzen Meer und die Schließung zahlreicher Delfinarien kann ich in diesem Bereich auch auf einige wichtige Erfolge zurückblicken.

Mit der "Krone" Tickets gewinnen

Die "Krone" verlost 10x2 Karten zur exklusiven Filmvorführung von "Blackfish" am 14. Mai 2014 im Cine Center, Fleischmarkt 6, 1010 Wien. Senden Sie eine E- Mail mit dem Kennwort "Blackfish" und Ihrem Namen an gewinnspiel@kronenzeitung.at . Einsendeschluss ist am 7. Mai 2014 um 24 Uhr. Moderation des Abends: Maggie Entenfellner und Gerold Rudle.

03.05.2014, 23:59
Kronen Zeitung/red
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