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09.12.2016 - 19:21
Foto: Christoph Birbaumer

Gerissene Rehe: Innsbruck will Leinenzwang im Wald

25.06.2015, 08:51
Die Stadt Innsbruck plant in den südlichen Wäldern des Gemeindegebietes (Vill, Igls, Amras), einen Leinenzwang für Hunde einzuführen. Der Grund: Noch nie habe es so viele gerissene Rehe gegeben wie heuer. Diese Wälder sind bis dato der einzige Bereich ohne Verbot, entsprechend groß ist der Zustrom an Hundefreunden.

Mit einem dramatischen Appell, Hunde anzuleinen, wandten sich im Mai des Jahres Jäger aus Aldrans und Sistrans an die Öffentlichkeit. Anlass war das vermehrte Auftreten wildernder Hunde. Ein schockierendes Beweisfoto wurde ebenfalls mitgeliefert: Es zeigte eine gerissene Rehgeiß, Bauch aufgeschlitzt, darin sichtbar zwei Kitzlein, ebenfalls tot. Kein Einzelfall im Mittelgebirge.

"Noch nie so viele Rehe gerissen"

Der Innsbrucker Landwirt GR Franz Abenthum brachte vor kurzem im Innsbrucker Gemeinderat einen Antrag betreffend die Einführung eines Leinenzwangs in den südlichen Wäldern auf Innsbrucker Gemeindegebiet ein. "Das Thema kam bei einer Jagdbeiratssitzung zur Sprache", erläutert Abenthum. "Weil alle Gemeinden ringsum bereits Leinenzwang haben, kommen viele Hundehalter zu uns und lassen ihre Tiere im Wald frei laufen. Es wurden laut Jägern noch nie so viele Rehe gerissen wie bei uns."

Verbot kann nur schwer überwacht werden

Auf der Innsbrucker Nordkette wurde eine entsprechende Verordnung bereits 2010 erlassen. "Nutzungskonflikte waren damals ausschlaggebend", sagt VP- StR Franz Gruber, der damals als Vize- BM federführend dabei war. "Es gibt eben auch sehr viele, die vor Hunden Angst haben."
Die Überwachung des Verbots sei freilich schwierig: "Wir können ja nicht an jedem Baum einen Bergwächter postieren." Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass das Verständnis der Hundebesitzer da ist. Als nächsten Schritt soll die Präsidialabteilung eine Verordnung ausarbeiten.

Hundetrainerin Brigitte Kann
Foto: Brigitte Kann

Hundetrainerin Brigitte Kann im Interview


"Krone": Spürt ein Hund, wenn sich Menschen vor ihm fürchten?
Brigitte Kann: Ja. Sie verhalten sich nämlich anders. Meist werden die Augen größer und sie fixieren den Hund mit einem starren Blick. Das sind Bewegungen, die für manche Hunde aus der Norm fallen.

"Krone": Wie reagieren Hunde in diesen Situationen?
Kann: Das ist unterschiedlich. Es gibt Hunde, die selbst Angst bekommen und weglaufen. Es gibt aber auch welche, die sich dieser Situation stellen. Als Raubtier ist ein Hund dazu geneigt, nach vorne zu gehen. Er will nachsehen, was mit seinem Gegenüber ist. Da kann der eine oder andere schon auch mal bellen. Jedes bewegende Objekt – ob ein Kind auf einem Fahrrad oder ein Jogger – könnte den Hetztrieb des Hundes auslösen.

"Krone": Ist dieser Hetz- und Jagdtrieb angeboren?
Kann: Ja. Er ist zwar je nach Rasse und Erziehung verschieden stark ausgeprägt. Aber kein Besitzer kann zu 100 Prozent die Hand für seinen Hund ins Feuer legen. Der häufig geäußerte Satz 'Mein Hund tut eh nichts' trifft somit nicht wirklich zu.

"Krone": Welche Rolle spielt der Besitzer in Bezug auf das Verhalten seines Hundes?
Kann: Es kommt darauf an, was der Hund kennt und was nicht. Fakt ist, dass er von seinem Herrchen stets kontrollierbar sein muss. Wenn ich mir nicht sicher bin, ob sich mein Hund an mir orientiert, gehört er an die Leine. Es ist nicht negativ, wenn er an der Seite seines Besitzers marschiert. Es muss ihm nur so beigebracht werden.

Interview: Jasmin Steiner

Landesjägermeister A. Larcher
Foto: Tiroler Jägerverband

Landesjägermeister Anton Larcher im Interview


"Krone": Was halten sie vom Leinenzwang in Wäldern?
Anton Larcher: Prinzipiell begrüßen wir derartige Verordnungen, die ja die Gemeinden erlassen können – bei allem Verständnis, dass Hunde auch Auslauf brauchen. Es geht darum, dass Hundehalter ihr Tier unter Kontrolle haben, wenn ein Reh aufspringt und losrennt.

"Krone": Rehe können davonlaufen, Rehkitze nicht?
Larcher: Rehkitze sind jetzt wenige Wochen alt. Jungtiere werden von der Rehgeiß nicht mitgeführt, sondern abgelegt in Wiese und Waldrand, wo sie warten, bis sie wieder abgeholt werden. Das kleine Rehkitz hat noch keinen Fluchtinstinkt. Es ist einem angreifenden Hund schutzlos ausgeliefert.

"Krone": In Sistrans wurde eine trächtige Rehgeiß gerissen.
Larcher: Auch das kommt immer wieder vor. Wenn Geißen hochtragend sind und zwei Kitze im Bauch tragen, sind sie verständlicherweise nicht so schnell beim Laufen. Die Problematik ist vor allem jetzt aktuell.

"Krone": Welchen Rat würden Sie Hundehaltern geben?
Larcher: Den Hund anleinen wäre wichtig. Die Gemeinden haben auch die Möglichkeit, gewisse Bereiche von einem generellen Leinenzwang auszunehmen.

Interview: Philipp Neuner

25.06.2015, 08:51
Philipp Neuner, Kronen Zeitung/red
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