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25.02.2017 - 20:01
Foto: thinkstockphotos.de

Experten fordern Persönlichkeitsrechte für Tiere

30.09.2016, 10:14

Die soziale Komplexität und die Intelligenz bei Tieren wird immer mehr anerkannt. OceanCare, Animal Trust und der Verein Wildtierschutz Schweiz rufen anlässlich des Welttierschutztages ins Bewusstsein, dass Delfine, Elefanten, Wölfe und viele weitere Tiere als individuelle, nicht- menschliche Personen einzustufen sind, denen ein artgerechtes Leben und das Recht auf Freiheit und Wohlergehen zusteht.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Verhalten von Walen und Delfinen, Elefanten oder Wölfen nehmen stetig zu und zeigen, wie komplex deren Gemeinschaften und Kommunikationsweisen sind.Wale und Delfine leben in einer völlig anderen Umwelt als Menschen und repräsentieren einen eigenständigen Zweig der Evolution sozialen Lernens und kultureller Weitergabe.

Aber auch sie haben individuelle Persönlichkeiten, eine starke Selbstwahrnehmung, können in die Zukunft denken und haben die angeborene Fähigkeit, Sprache zu erlernen - sowohl ihre eigene, als auch eine rudimentäre symbolbasierte Sprache, die dazu dienen könnte, die Kluft in der Kommunikation zwischen Delfinen und Menschen ein Stück weit zu überbrücken.

Kultur und Sozialstruktur bei Meeressäugern

Die Meeressäuger zeigen eine Bandbreite faszinierender Verhaltensweisen. Jede Gemeinschaft hat ihre eigene Kultur und Sozialstruktur, die nur einem hochentwickelten Verständnis unter Artgenossen entstammen kann. Wissenschaftler dokumentierten, dass Delfine um den Verlust von Gruppenmitgliedern trauern, Empathie auch mit Individuen anderer Tierarten haben und diese sogar vor Raubfeinden retten. "Dies sind nur einige Fakten, die Wale und Delfine dafür qualifizieren, individuelle Rechte zugesprochen zubekommen", sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare.

Foto: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Die kognitiven Fähigkeiten der Wölfe sind leichter mit jenen der Menschen zu vergleichen, aber auch diese Tiere überraschen uns. Die kulturelle Weitergabe des sozialen Rangs bei Wölfen beruht auf komplizierten und hochentwickelten kooperativen Beziehungen und Fähigkeiten zur Konfliktlösung. Diese Fähigkeiten haben einen großen Einfluss auf die Gruppendynamik in Wolfsrudeln.

Wölfe verstehen Gedankenwelt von Artgenossen

"Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Wölfe einander ihre Intentionen mitteilen. Sie verstehen die Gedankenwelt der jeweils anderen. Das ist eine bemerkenswerte Fähigkeit, die von einem hohen Entwicklungsgrad zeugt", erklärt Marion Theus, Präsidentin des Vereins Wildtierschutz Schweiz.

Foto: thinkstockphotos.de

Auch unser Verständnis von Elefanten, ihren Gemeinschaftsformen und ihren Kommunikationsfähigkeiten hat sich verbessert. Elefanten zeigen Erinnerung, Moral, Emotionen, Empathie, Altruismus, hochentwickelte Kommunikation sowie die Fähigkeit zu lernen und zu lehren.

Elefanten haben ausgeprägten Familiensinn

"Dem Elefanten wird nicht nur Weisheit, sondern auch hohe Intelligenz zugestanden. Er ist stoisch, mutig, erfinderisch und hat einen ausgeprägten Familiensinn. Er hat ein großartiges Sozialverhalten, er kümmert sich nicht nur um die Aufzucht der Jungtiere, sondern auch um Verletzte und Alte. Die Fähigkeit zur Kommunikation ist bei den Elefanten hoch entwickelt, ebenso wie ihre Sinneswahrnehmung", sagt Katharina Büttiker, Präsidentin von Animal Trust.

"Tiere sollen Rechte nicht- menschlicher Personen bekommen"

Vor dem Hintergrund, dass diese Tiere nach wie vor gejagt und zur öffentlichen Zurschaustellung missbraucht werden, sind sich die drei Vertreterinnen der Organisationen einig: Tiere hätten es schon immer verdient, von uns Menschen respektiert zu werden. Jetzt, da wissenschaftliche Erkenntnisse untermauern, dass sie über Intelligenz und Kultur verfügen, hätten wir die moralische Pflicht anzuerkennen, dass den Tieren als nicht- menschliche Personen das Recht auf ein erfülltes, artgerechtes Leben in Freiheit zusteht.

Individuum statt Art schützen?

Konkret würde dies auch eine Reform der Artenschutzbestimmungen bedeuten. Gültige Artenschutzabkommen, wie beispielsweise das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES), fokussieren bislang auf den Erhalt einer Art, wodurch das Wohlbefinden, aber auch die Rolle eines Individuums innerhalb einer Gruppe weitgehend unberücksichtigt bleibt. Dieses Konzept erlaubt die Dezimierung von Wildtierarten und strikte Schutzmaßnahmen greifen erst, wenn es meist schon zu spät und Tiergruppen oder -populationen an den Rand der Ausrottung gebracht wurden. "Den Schutz des Individuums ins Zentrum von Schutzbestimmungen und internationaler Umweltverträge zu stellen, wäre ein bahnbrechender, aber notwendiger Schritt", sagt Lüber abschließend.

30.09.2016, 10:14
red
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