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09.12.2016 - 00:30
Foto: Richard Marx

Anpfiff zum großen Tierschutz- Projekt in der Ukraine

08.06.2012, 09:16
Abseits der EURO kämpfen fünf Teams der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" gegen das Leid der Straßenhunde in der Ukraine – mit einem groß angelegten Kastrationsprojekt. Maggie Entenfellner hat sie für die "Krone" und den ORF dabei begleitet.

Es ist ein unfairer Kampf Mensch gegen Tier: Zuckend liegt ein Hund auf der Straße, er hat Schaum vor dem Mund – der vergiftete Köder zeigt Wirkung. Der Tod kommt langsam und qualvoll. Die Bilder von sterbenden Hunden auf den Straßen der Ukraine führten zu internationalen Protesten. Tausende Vierbeiner wurden vergiftet und erschlagen. Bereits im Dezember des Vorjahres war ich in der Ukraine, um Tierfutter und Zubehör in das Tierheim "SOS" zu bringen.

Möglich war dies dank der großzügigen Unterstützung von Fressnapf, Nestlé Purina, aber auch ohne das Außenministerium, die Österreich- Ukrainische Freundschaftsgruppe und die Botschaft hätte diese Hilfsaktion nicht geklappt. "Ohne diese Spende hätten unsere 1.700 Hunde den Winter nicht überlebt", so Tierheimleiterin Tamara Tarnawska.

Die Rückkehr in die Ukraine

Fünf Monate später bin ich wieder vor Ort – diesmal mit der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten", der das Unmögliche gelang: Ein Kastrationsprojekt konnte ins Leben gerufen werden, und das sogar auf Wunsch der ukrainischen Politiker! Ob es für diese Menschen tatsächlich eine Herzensangelegenheit war oder ob sie einfach nur auf den internationalen Druck reagieren mussten, sei dahingestellt.

Um vier Uhr morgens ziehen wir los. "Es ist der beste Zeitpunkt, um die Hunde einzufangen, denn je weniger Menschen auf den Straßen sind, desto eher wagen sich die Tiere aus ihren Verstecken", erzählt Tierarzt und Projektleiter Amir Khalil. Für einen kurzen Augenblick habe ich Bedenken: Was, wenn mich ein Hund beißt? Denn noch im Dezember ließen mich die ukrainischen Behörden wissen, dass die Hunde gefährlich seien und Tollwut hätten. Doch diese Angst erweist sich nach wenigen Minuten als völlig unbegründet.

Von Gefährlichkeit war nichts zu spüren

Dankbar sind die Hunde für die kleinen Leckerbissen, mit denen wir sie ködern. Manche so scheu und ängstlich, dass sie uns nur aus sicherer Entfernung beobachten – während aus ihrem Maul der Speichel tropft –, weil sie die Leckerlis im Gedanken schon zerkauen. Das Team der "Vier Pfoten" ist perfekt geschult, jeder Handgriff sitzt. Die Hunde werden einfach gepackt und in die bereitgestellten Boxen verladen. Beißen? Fehlanzeige!

Jene, die sich nicht an uns herantrauen, bekommen ein Schlafmittel über ein Blasrohr verabreicht. Immer wieder treffen wir auf Frauen, die die Straßenhunde füttern. An ihrer Kleidung erkennt man, dass sie selbst nicht viel haben. Doch das Wenige, das diese Menschen besitzen, teilen sie mit den streunenden Tieren. Plötzlich entsteht ein Tumult, eine heftige Diskussion zwischen Mitarbeitern der "Vier Pfoten" und einer Frau. Auf meine Bitte übersetzt die Dolmetscherin das Wortgefecht. Der Inhalt berührt mich unglaublich: Die ältere Dame will nicht, dass wir die Hunde einfangen und mitnehmen. Sie hat Angst, dass wir Hundefänger sind und die Tiere nur deshalb holen, um sie anschließend zu töten...

"Vier Pfoten" kastrierten bereits 2.000 Vierbeiner

An die 2.000 Hunde wurden mittlerweile von den "Vier Pfoten" kastriert. Die Tiere werden auch geimpft, gechippt, medizinisch versorgt und erhalten eine Ohrmarke. Sobald sie sich erholt haben, werden sie wieder dort ausgesetzt, wo sie gefangen wurden. "Das ist wichtig, um etwaige Revierkämpfe zu vermeiden", erklärt mir Amir Khalil. Die Ohrmarke dient dazu, bereits operierte Tiere sofort zu erkennen, und so zu vermeiden, sie ein zweites Mal einzufangen. Außerdem: Für jeden Hund, der eine solche Marke trägt und tot aufgefunden wird, zahlt die Regierung "Bußgeld".

Neben Kiew ist das "Vier Pfoten"- Team auch in einigen anderen Städten unterwegs, um Hunde zu kastrieren. Um möglichst effizient zu sein, werden auch ukrainische Tierärzte dafür eingeschult. Ein wirklich vorbildliches Projekt, das langfristig dafür sorgen wird, das Problem der streunenden Hunde in den Griff zu bekommen. In wenigen Wochen ist die EURO bereits Vergangenheit und die Tausenden Fans werden das Land wieder verlassen haben. Doch auch dann brauchen die Straßenhunde weiterhin Hilfe.

Sie bestialisch zu töten, kann und darf keine Lösung sein! Im Fußball können wir Österreicher in der Ukraine nicht punkten – aber im Tierschutz sind wir ganz vorne mit dabei!

Ein paar Fakten rund um das "Vier Pfoten"- Kastrationsprojekt

  • Neben den Kastrationen wurden unzählige medizinische Check- ups und Impfungen in den Tierheimen "SOS" und Gostomel durchgeführt.
  • Derzeit sind fünf "Vier Pfoten"- Teams aktiv: zwei in Kiew, eines in Lemberg sowie je ein Team in Donetsk und in Zaporozhye.
  • Die Verträge bestehen mit den Städten Kiew, Lemberg, Donetsk, Zaporozhye und Lutsk sowie mit dem Umweltministerium in Kiew und der Universität Kiew.
  • Eine Vereinbarung mit der Stadt Charkiw steht derzeit noch aus – dort werden auch nach wie vor Hunde getötet.

In der Infobox findest du Fotos vom Einsatz in der Ukraine. Das "Tierzuliebe Spezial" rund um die Hilfsaktion für die Streunerhunde kannst du dir am Sonntag, dem 10. Juni, um 15.45 Uhr auf ORF 2 ansehen. Weitere Informationen findest du auf der Webseite der "Vier Pfoten" . Spenden: PSK 60.000, 7544590

08.06.2012, 09:16
Maggie Entenfellner/red
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