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20.09.2017 - 19:14
Foto: AP

Wie unglücklich ist die neue First Lady?

26.01.2017, 12:43

Als First Lady wolle sie sich gegen Mobbing im Internet einsetzen, kündigte Melania Trump vor einiger Zeit an. Mit der Inauguration ihres Mannes im Amt angekommen, muss sie jetzt am eigenen Leib erfahren, wie Anfeindungen, Spott und Hohn via Twitter und Konsorten verbreitet werden. Eine #FreeMelania- Bewegung meint, man müsse Melania aus der Ehe retten. Andere schimpfen sie "dumme Barbie" oder machen sich über ihren slowenischen Akzent lustig.

Die große Bühne liebt Melania Trump nicht unbedingt, berichten Agenturen. Seit dem Wahlsieg ihres Mannes zeigte sich die 46- Jährige nur selten in der Öffentlichkeit und auch nach der offiziellen Amtseinführung von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA macht sich das Ex- Model rar.

Bei der Inauguration ihres Mannes hält Melania Trump sich im Hintergrund.
Foto: AFP
Melania und Donald Trump bei der Inauguration
Foto: AdMedia/face to face

Ist sie unglücklich mit ihrer Rolle? Vielleicht. Ausgesucht hat sie sich diese jedenfalls nicht. Auch muss sie gegen eine unglaublich starke Persönlichkeit als Vorgängerin antreten: die intellektuelle Powerfrau Michelle Obama, die immer gleichwertig an der Seite ihres Mannes Barack stand und mit viel Freude und Enthusiasmus an die Aufgabe ging.

Michelle Obama, Melania Trump, Barack Obama und Donald Trump vor dem Weißen Haus
Foto: AP

Fakt ist, Melania Trump muss ihr bisher vermutlich sehr gemütliches und privilegiertes New Yorker Milliardärs- Gattinnen- Leben aufgeben und die Aufgaben einer First Lady übernehmen: Charityprojekte betreuen, Reden halten und an der Seite ihres Mannes repräsentieren. Wohl fühlt sie sich dabei möglicherweise nicht. Oder sie hat sich ihr Leben eben anders vorgestellt.

Melania Trump und Donald Trump beim "Freedom Ball" nach der Inauguration
Foto: EPA
Foto: AFP

Ein im Internet vielfach geteilter Videoclip soll das deutlich machen. Er zeigt einen Moment während der Amtseinführung Trumps, in dem er sich zu seiner Frau umdreht und sie ihn anstrahlt. Als er sich wieder wegdreht, erstirbt ihr Lächeln. Mit traurig- versteinerter Miene steht sie danach hinter ihm.

Dass ihr Sohn Barron erste Priorität für sie hat, machte Melania Trump damit deutlich, dass sie sich ausbat, mit ihm in New York im Trump Tower wohnen bleiben zu dürfen, damit der Zehnjährige nicht aus dem Schulalltag und von seinen Freunden weggerissen wird. Erst danach will sie nach Washington übersiedeln. Eine Entscheidung, die sie als Mutter und als Frau getroffen hat. Vermutlich entgegen der Wünsche ihres Mannes und des Secret Service.

Barron Trump mit seiner Mutter Melania bei der Inauguration seines Vaters zum 45. US-Präsidenten
Foto: EPA

Trotzdem wird ihr von der angeblich feministischen Scherzbewegung #FreeMelania unterstellt, sie stünde unter dem Joch ihres Mannes und müsse daraus befreit werden. Als sie am Amtseinführungstag zum Tee ein Geschenk für Michelle Obama mitbrachte, wurde sofort auf Twitter gewitzelt, die blaue Tiffany- Schachtel enthalte einen Zettel, auf dem "Help" stünde oder die Bitte an ihrer Amtsvorgängerin: "Michelle Take Me With You!" ("Michelle, nimm mich mit!").

Auf dem Protestmarsch der Frauen, dem "Women’s March" am Wochenende, der eigentlich unter anderem gegen den Entzug von Geldern für die Organisation "Planned Parenthood", die Frauen gesundheitlich betreut und auch Abtreibungen durchführt, richten sollte, trugen einige Teilnehmerinnen auch Schilder mit der Aufschrift "Free Melania" oder "Melania, zwinkere zweimal, wenn du Hilfe brauchst".

Hohn, Spott und geheucheltes Mitleid sind aber nicht alles, was die neue First Lady ertragen muss. Für ihr Aussehen wird das Ex- Model als Barbie- Puppe beschimpft.

US- Komikerin Chelsea Handler erklärte in einem Interview mit "Vanity Fair", sie würde weder den Präsidenten noch die First Lady in ihre Netflix- Show einladen, weil sie für beide "keinen Respekt" hege. Mit Melania mache sie schon gar kein Interview. Diese spreche ja "kaum Englisch". Eine Beleidigung, die sich nicht nur gegen die First Lady richtet, sondern gegen jeden, der mit Akzent spricht.

Melania Trump
Foto: EPA

Melania Trump ist nicht Michelle Obama, stimmt, aber ihr das oder ihre Herkunft vorzuwerfen, geht zu weit. Der US- Präsident bekommt traditionell eine 100- Tage- Schonfrist und diese sollte man auch ihr gewähren.

Redakteurin
Pamela Fidler-Stolz
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