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09.12.2016 - 16:48
Foto: Manfred Weis

Wie ist der Weg zurück ins Leben, Frau Lierhaus?

26.11.2011, 17:21
Sie war zweimal klinisch tot. In Wien wurde die deutsche Sportmoderatorin Monica Lierhaus am Freitagabend für das "Comeback des Jahres" ausgezeichnet (Bild). "Krone"-Interview mit einer Heldin.

Ein ziegelroter Backsteinbau an einem der Kanäle, die zur Alster führen. Ab und zu zieht trotz Eiseskälte ein rotes Ruderboot vorbei. Monica Lierhaus wartet oben, im ersten Stock, am Ende einer langen Treppe. "Hallo", lächelt sie sehr tapfer und geht kerzengerade, mit kleinen, kontrollierten Schritten ins Wohnzimmer voraus. An ihrer Seite: Dalmatiner- Hündin "Lucy".

Die ehemalige Fernsehmoderatorin (ARD- Sportschau) ist nach einer Gehirnblutung vor zwei Jahren noch immer gezeichnet. Jeder Satz für unser Interview scheint ihr alle Kraft abzuverlangen. Das Gespräch wird immer langsamer, es fließen viele Tränen.

Vier Monate lag Monica Lierhaus im Koma, war am Rande des Todes. Dann ihre aufsehenerregende Rückkehr ins Leben: Bei der Verleihung der "Goldenen Kamera" Anfang Februar trat die deutsche Sportmoderatorin auf die Bühne und machte ihrem Lebensgefährten Rolf Hellgardt, Geschäftsführer einer Fernsehproduktionsfirma, vor laufenden Kameras einen Heiratsantrag. "Sie musste sich in den Blicken ihres Publikums spiegeln, um Spuren ihrer früheren Kraft zu fühlen", schrieb damals ein Magazin. Für ihre großen Fortschritte wurde Monica Lierhaus am Freitag in der Wiener Hofburg bei der "Life goes on"- Gala der Preis für das "Comeback des Jahres" verliehen.

"Krone": Frau Lierhaus, Sie sind so perfekt geschminkt, als wären Sie in der Maske gewesen. Machen Sie das selber?
Monica Lierhaus: Das mache ich selbst, ja. Frisieren ist immer noch schwierig. Zöpfe kann ich mir noch keine flechten. Am Anfang fiel mir alles schwer.

"Krone": Was besonders?
Lierhaus: Schleifen binden, Knöpfe zumachen. Das war echt furchtbar. Schlau wäre gewesen, Sachen ohne Knöpfe zu tragen. Aber ich habe es trotzdem versucht.

"Krone": Waren Sie eine sehr ehrgeizige Patientin?
Lierhaus: Ich habe eher das Gefühl, ich habe meinen Ehrgeiz verloren.

"Krone": Aber Sie können wieder gehen, Sie können wieder sehen und Sie können wieder sprechen.
Lierhaus: Aber nicht gut.

"Krone": Waren Sie früher ein ungeduldiger Mensch?
Lierhaus: War ich und bin ich immer noch. Ich mache täglich Logopädie und Physiotherapie. Das ist sehr anstrengend und auch sehr nervig, ich sage es Ihnen.

"Krone": Was ist nervig?
Lierhaus: Ich muss doch immer Dinge tun, die ich nicht kann. Das nervt halt. Weil es viel zu langsam geht. Viel zu langsam.

"Krone": Was macht diese Ungeduld mit Ihnen?
Lierhaus: Tja, was macht das mit mir? Es macht mich traurig. Ich war Perfektionistin, ich bin Perfektionistin. Und ich werde es immer sein.

"Krone": Können Sie auch mal gnädig zu sich selber sein?
Lierhaus: Nein, das geht nicht. Das ging aber noch nie. Ich glaube, diese Disziplin macht mich auch stärker. Ich kann eben nicht aus meiner Haut.

"Krone": Können Sie beschreiben, wie das ist, plötzlich die Macht über seinen Körper zu verlieren?
Lierhaus: Das ist ganz schwer. Komischerweise erinnere ich das gar nicht so richtig. Ich habe vier Operationen allein an den Augen hinter mir, vier Stück. Als ich aufgewacht bin, war ich blind wie ein Maulwurf. Ich hatte nur ein kleines Fenster offen, durch das ich ein bisschen sehen konnte.

"Krone": Ihnen musste ein Aneurysma im Gehirn entfernt werden, dabei kam es zu Komplikationen. Was ist Ihre erste Erinnerung, nachdem Sie aus dem Koma aufgewacht sind?
Lierhaus: Ein Bild von Lucy. Das hatte Rolf an der Wand aufgehängt. Ich konnte nicht mehr sprechen. Dann fragte der Arzt so nebenbei: Wie heißt denn Ihr Hund? Da sagte ich mein erstes Wort. Mein erstes Wort war Lucy.

"Krone": Hilft Lucy Ihnen beim Gesundwerden?
Lierhaus: Ich glaube, sie spürt, wie es mir geht. Es ist schön, sie zu streicheln. Das tut mir gut.

"Krone": Sprechen scheint Sie sehr anzustrengen. Das merkt man auch, wenn Sie jeden Sonntag abend die Fernsehlotterie moderieren.
Lierhaus: Das wird hier um die Ecke in einem Studio aufgezeichnet, immer sechs Stück auf einmal. Das ist anstrengend, aber es macht auch Spaß. Schwer ist es, die Betonungen wieder zu lernen.

"Krone": Ihr Auftritt bei der "Goldenen Kamera" hat Ihnen auch sehr viel Kritik eingebracht. Warum hatten Sie es eigentlich so eilig damit, wieder an die Öffentlichkeit zu gehen?
Lierhaus: Ich wollte mich nicht länger verstecken. Als ich auf der Bühne gestanden bin, hat mich das an mein früheres Leben erinnert. Es war fast wie eine Rückkehr.

"Krone": Ihr Lebensgefährte habe sie dazu gedrängt, hieß es damals, alles sei inszeniert gewesen. Hat der Vorwurf Sie verletzt?
Lierhaus: Ja, weil es nicht so war. Ich wollte das selber.

"Krone": Sie haben Rolf bei der "Goldenen Kamera" einen Heiratsantrag gemacht. War das nicht ein bisschen unfair?
Lierhaus: Es tat mir im Nachhinein auch ein bisschen leid. Er konnte ja schlecht "Nein" sagen.

"Krone": Wann wird Hochzeit gefeiert?
Lierhaus: Keine Ahnung. Ich möchte erst einmal gesund werden.

"Krone": War die ARD nicht sauer, dass Sie im ZDF aufgetreten sind?
Lierhaus: Also ganz glücklich, glaube ich, waren sie nicht darüber.

"Krone": Frau Lierhaus, wie ist rückblickend, auf einer Skala von eins bis zehn, dieser Weg zurück ins zweite Leben?
Lierhaus: Schwer. Neun. Manchmal denke ich in der Früh: Heute bleibe ich liegen. Aber dann stehe ich doch auf. Weil es ja weitergehen muss.

"Krone": Was hat Ihnen am meisten geholfen? Der Glaube?
Lierhaus: Ich glaube nicht an Gott. Am meisten hat mir meine Familie geholfen. Rolf, meine Schwester, meine Mutter, Lucy. Auch ehemalige Kollegen, die mich nicht vergessen haben. Joachim Löw zum Beispiel, Franz Beckenbauer, Günter Netzer. Die ganze Nationalmannschaft. Ich hab' auch einen Brief von den Skispringern bekommen, da haben auch zwei Österreicher unterschrieben - Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern.

Es geht um Sport. Monica Lierhaus spricht jetzt deutlich schneller. Ihre Augen leuchten.

"Krone": Würden Sie gern wieder im Sport arbeiten, vielleicht eine Fußballkolumne schreiben?
Lierhaus: Ich würde das gerne machen, und ich könnte es, mit ein bisschen Unterstützung, auch. 2014, bei der Fußball- WM, möchte ich jedenfalls wieder als Journalistin dabei sein.

"Krone": Was ist Ihr nächstes kleines Ziel?
Lierhaus: Kleine Ziele fallen mir nicht ein. Ich möchte gerne wieder Golf spielen. Bei Handicap 22 habe ich aufgehört. Da genau möchte ich weitermachen.

Während wir das Interview beenden, baut der Physiotherapeut nebenan schon die Geräte für ihr tägliches Training auf. Das Comeback des Jahres - es ist sehr hart erarbeitet.

26.11.2011, 17:21
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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