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27.04.2017 - 22:04
Foto: EPA, dpa/Felix Hörhager

US- Künstlerin gibt Einblicke in E- Mails der Stars

01.09.2013, 09:00
Kirsten Dunst träumte einst von einem Hotel, einer Schulabschlussfeier und einer Schlägerei zwischen zwei Jungs - alles wild durcheinander. Lena Dunham (Bild rechts) quälte im Schlaf nach einer durchgearbeiteten Nacht ein Alptraum, in dem sie ihre eigene Mutter umbrachte. In Zeiten von heiß diskutierten Überwachungs- und Bespitzelungsaffären macht nun eine US-Künstlerin mit einem besonderen Projekt aufmerksam. Sie veröffentlicht – natürlich mit vorheriger Zustimmung – private Mails von Prominenten.
E- Mails sind Kunst, sagt Miranda July (Bild Mitte). Die 39- Jährige ist Schauspielerin, Regisseurin, Schriftstellerin und Künstlerin. Bekannt wurde die Frau mit den Kulleraugen und den braunen Locken vor allem durch Filme wie "Die Zukunft" und "Ich und du und alle, die wir kennen" sowie den Kurzgeschichtenband "Zehn Wahrheiten".

Und jetzt also fremde E- Mails. "Ich habe schon immer versucht, meine Freunde zu überreden, dass sie mir E- Mails weiterleiten, die sie anderen Menschen geschickt haben - ihrer Mutter, ihrem Freund, ihrem Agenten, je alltäglicher, desto besser", sagt July. "Wie sie sich darin verhalten, ist so intim, fast schon obszön - ein Einblick in diese Menschen aus ihrer eigenen Perspektive."

Zehn Prominente veröffentlichten Mails

Zehn Prominente haben schließlich eingewilligt, Julys Neugier zu befriedigen und bei dem Projekt "We Think Alone" (Wir denken allein) mitzumachen. Neben Kirsten Dunst, die an einem Mittwoch im Juni 2010 um 4.52 Uhr einer gewissen "s" von ihren verwirrenden Träumen berichtete, und Lena Dunham sind dies der frühere US- Profi- Basketballer Kareem Abdul- Jabbar und die kanadische Schriftstellerin Sheila Heti.

Außerdem sind der israelische Filmemacher Etgar Keret, die Designerinnen des Labels Rodarte, Kate and Laura Mulleavy, die US- Fotografin Catherine Opie, der Physiker Lee Smolin und der dänisch- vietnamesische Künstler Danh Vo vertreten.

Sie alle haben July Auszüge aus E- Mails weitergeleitet, die sie in den vergangenen Jahren geschrieben haben. July hatte ihnen zuvor Themen vorgegeben - etwa Kunst, US- Präsident Barack Obama, Ratschläge, Träume oder Mütter. Lena Dunham erzählte einem Bekannten namens Mike per E- Mail von dem Traum, in dem sie ihre Mutter umbrachte. "Ich vermisse dich schrecklich", schrieb Dunham und beendete die E- Mail mit den Worten "Hab' dich lieb".

Künstlerin verschickt Auszüge

Unterstützt wird das Projekt von der Stockholmer Ausstellungshalle "Magasin 3", aber zu lesen gibt es die E- Mails dort nicht. July hat nichts ausgedruckt, sondern verschickt immer montags insgesamt 20 Wochen lang nach Themen geordnete Zusammenstellungen der E- Mail- Auszüge an andere Neugierige, die sich auf der Webseite  des Projekts angemeldet haben. Rund 100.000 Empfänger gebe es schon, sagt Projektsprecher Tyler Mahowald. Das Projekt geht noch bis Mitte November.

Die E- Mail- Empfänger konnten bisher unter anderem erfahren, dass die Rodarte- Designerinnen einem gewissen "V" empfahlen, Whiskey Sour zu trinken, und dass Lena Dunham einer gewissen "K" einen Mann ausredete. "Er ist nicht nett. Er sagt nicht nette Dinge mit einer netten Stimme, sodass sie nett klingen, aber sie sind es nicht", schreibt die Entwicklerin der Erfolgsserie "Girls". "Er ist nichts für dich, weil er auch nichts für irgendjemanden anderen ist, verstehst du mich? Gut."

Kirsten Dunst gibt keine Ratschläge

Meist schreiben die Promis unterhaltsame Belanglosigkeiten und manchmal können sie zu einem Thema auch gar nichts beitragen. "Kirsten Dunst konnte keine E- Mail finden, in der sie Ratschläge erteilt", heißt es dann etwa. Aber Künstlerin July sieht im Lesen der fremden E- Mails trotzdem einen tieferen Sinn. Die Dokumente gäben Aufschluss darüber, wie sich Privatsphäre und auch die Benutzung von E- Mails veränderten, sagt die im Nordosten der USA geborene Künstlerin. Außerdem seien es Selbstporträts. "Zum Guten oder zum Schlechten haben sie die Art und Weise verändert, wie ich diese Menschen wahrnehme. Ich glaube, ich kenne sie jetzt wirklich."

01.09.2013, 09:00
AG/red
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