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07.12.2016 - 17:35

Tanzen Sie besser als der Kardinal, Herr Schönborn?

11.02.2012, 17:00
Sein Bruder, ein "Dancing Star". Und das in einer Show mit Ex-Porno-Queen Dolly Buster. Da hat Kardinal Christoph Schönborn wohl beide Augen zugedrückt. Im Interview mit Conny Bischofberger verrät Michael Schönborn (im Bild mit Tanzpartnerin Maria Jahn), was hinter den Kulissen gesprochen wurde.

Ins Café Drechsler am Wiener Naschmarkt kommt ein sportlich gekleideter 57- Jähriger mit freundlichen, suchenden Augen. Dunkler Pullover, schwarze Jeans, eine Abercrombie&Fitch- Jacke. Der Schauspieler Michael Schönborn - momentan spielt er im Musical "Sister Act" den Monsignore - hat gerade sein erstes "Dancing Stars"- Training mit Partnerin Maria hinter sich gebracht. "Das ist eine Mords- Herausforderung", erklärt er mit leicht verzweifeltem Unterton, "und erinnert mich an Zeiten, wo ich Feuerspucken gelernt habe."

Schönborn war in seinen jungen Jahren Clown, Fakir und Hippie. Mit seiner markanten Nase und dem schütteren, graumelierten Haar sieht er seinem Bruder, dem Kardinal, durchaus ähnlich. Im Gespräch, vier Wochen vor Start der ORF- Tanz- Show, erzählt er über eine außergewöhnliche Kindheit, sein Verhältnis zum zehn Jahre älteren Bruder Christoph Schönborn und warum er als Zirkuskind keine Angst mehr vor dem Absturz hat.

"Krone": Wie war das mit dem Feuerspucken, Herr Schönborn?
Michael Schönborn: Meine Feuerprobe habe ich eigentlich gar nicht mit echten Flammen bestanden. Sondern in einem Scherbenhaufen. Der Direktor des kleinen bayrischen Familienzirkus, der mich damals mitnehmen wollte, - ich war Anfang 20 und schon in Deutschland - sagte: "Jetzt bring ich dir bei, wie du aus vier Metern Höhe in einen Haufen Scherben springst!" Dabei bin ich abgestürzt und hab' mir beide Handgelenke gebrochen.

"Krone": Tut es Ihnen heute leid, dass nichts wurde aus der Zirkuskarriere?
Schönborn: Nein, es wäre ein schreckliches Leben gewesen. Gnadenlos hart. Vor allem, wenn man nur ein Fiesel ist.

"Krone": Fiesel?
Schönborn: Heißen all jene, die nicht zur Familie gehören. Stallburschen und so.

"Krone": Sie sollen damals ein Hippie gewesen sein. Korrekt?
Schönborn: Ich war einer der ersten Hippies überhaupt. Ich hatte so lange Haare, das würden Sie gar nicht glauben.

"Krone": Der Sohn aus der Adelsfamilie Schönborn ein Hippie, wie geht das?
Schönborn: Das geht, wenn der Sohn aus diesem Elternhaus mit ef Jahren nach Deutschland ins Internat geschickt wird. Wer etwas auf sich hielt, wurde Hippie.

"Krone": War es ein katholisches Internat?
Schönborn: Nein, wir sind ja nicht fundamentalistisch katholisch aufgewachsen. Mit 16 kam ich dann auf die Odenwaldschule, aber ohne schlimme Erlebnisse zu machen. Da war ich schon aus dem Beuteschema heraussen.

"Krone": Welche Erinnerungen haben Sie denn an Ihren heute prominenten Bruder?
Schönborn: Er ist ja zehn Jahre älter und als er ins Kloster ging, war ich erst acht. Christoph hat aufgepasst, dass ich die Hausaufgaben mache. Der Vater war ja nicht mehr da (Anm.: Eleonore Schönborn und ihr Mann, der Maler Hugo- Damian Schönborn, ließen sich in den 60er- Jahren scheiden). Die Schule in Schruns war damals die Hölle.

"Krone": So schlimm?
Schönborn: Die Lehrer haben uns so gedroschen. Einmal bin ich an der Tafel gestanden und musste ganz viele Dreier schreiben, weil ich das nicht konnte. Die Lehrerin ist von hinten gekommen, hat mich an den Ohrwascheln gerissen und so lange mit dem Kopf an die Tafel geschlagen, bis es dunkel wurde. Damals war das irgendwie normal.

"Krone": Ihre Familie wurde nach dem Krieg aus Tschechien vertrieben. Haben Sie das Schloss, in dem die Schönborns gelebt haben, einmal besucht?
Schönborn: Ich habe gemeinsam mit einem Freund einen Dokumentarfilm über unsere Mütter gemacht. Da sind wir hingefahren. Das Schloss ist völlig verfallen, es gibt überhaupt keine Spuren mehr, die zu unserer Familie führen. Aber sprechen wir doch über etwas Netteres (lacht).

"Krone": Sie sind jetzt "Dancing Star". Haben Sie Ihren Bruder um sein Okay gebeten?
Schönborn: Wir haben kurz darüber geredet, ja. Er hatte keine Einwände. Wenn dir das Spaß macht, dann mach' es halt, hat er gemeint.

"Krone": War die Teilnahme von Ex- Pornostar Dolly Buster ein Thema?
Schönborn: Das wussten wir ja damals noch nicht. Mich hat das nicht erschreckt, weil ich ein Gegner der Doppelmoral bin.

"Krone": Tanzen Sie eigentlich besser als der Kardinal?
Schönborn: Oh nein! Ich hab' zwei linke Beine. Mein Bruder hingegen hat den ersten Preis in der Tanzschule Bludenz gewonnen.

"Krone": Wird der Kardinal jetzt "Dancing Stars" schauen?
Schönborn: Er schaut nie fern. Ein Kardinal hat keine Zeit für solche Dinge. Er hat, glaube ich, nicht einmal einen Fernseher.

"Krone": Wie muss man sich Ihr Verhältnis vorstellen?
Schönborn: Geschwisterlich. Manchmal gehen wir am Abend essen, oder ich besuche ihn in seiner Wohnung und gehe dann mit ihm in die Andacht. Ich bin auf meine eigene Art religiös. Mein Bruder ist da ganz enspannt. Er sagt: Jeder muss seinen eigenen Weg finden.

"Krone": Lesen Sie sein Sonntagsevangelium in der Kronen Zeitung?
Schönborn: Ja, sogar sehr gerne. Ich bin ein großer Fan seiner Klugheit.

"Krone": Würden Sie gerne einmal mit ihm tauschen?
Schönborn: Nein, dazu bin ich viel zu blöd. Der Gedanke, eine Predigt halten zu müssen: ein Albtraum! Da bin ich lieber Schauspieler, der seinen Text lernt und sich dann hinter seiner Rolle verstecken kann.

Die Schönborns

Michael Schönborn, geboren am 2. November 1954 in Schruns als jüngstes von vier Kindern (Christoph ist Kardinal, Philipp Fotograf, Barbara lebt in Frankreich). Die Schönborns lebten bis zum Krieg in einem Schloss in Böhmen. 1945 floh Mutter Eleonore als Kurier getarnt nach Österreich. In Vorarlberg fand sie nach jahrelanger Suche eine neue Heimat. Michael Schönborn ist Schauspieler ("Winzerkönig", "Komm, süßer Tod") und lebt in der Nähe von Berlin. Derzeit spielt er im Musical "Sister Act" am Wiener Raimundtheater.

11.02.2012, 17:00
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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