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08.12.2016 - 11:54
Foto: Peter Tomschi

Serafin nimmt den Hut: "Wehmut spüre ich kaum"

26.08.2012, 08:15
Adieu, Mörbisch! Am Samstag hat sich Harald Serafin mit der finalen "Fledermaus" von der Seebühne verabschiedet. Glücklich ist, wer vergisst. Auch die eine oder andere Kränkung.

Operettenseligkeit, eine watteverschneite Bühne, tanzende Mücken im Scheinwerferlicht. Am Samstagabend fiel für den Langzeit- Intendanten von Mörbisch der letzte Vorhang. Mehr als drei Millionen Besucher hat "Mister Wunderbar" in den letzten 20 Jahren an den Neusiedler See gelockt. Im "Krone"- Abschiedsinterview spricht Harald Serafin über sein Lebenswerk, das Theater um seine Nachfolge und seine Zukunft.

"Krone": Der Morgen nach der allerletzten Vorstellung. Ist die Wehmut sehr groß?
Harald Serafin: Wehmut spüre ich kaum. Eher Stolz und Genugtuung. Ich leg mich ja jetzt nicht ins Grab. Aber vielleicht kommt die Wehmut ja erst in ein paar Monaten. Oder im nächsten Sommer, wenn ich nicht mehr im schönen Seehotel in Rust wohne.

"Krone": 20 Jahre sind eine lange Zeit. Was kommt jetzt, Herr Serafin?
Serafin: Der Zeitpunkt ist ideal. Die "Fledermaus" – Königin aller Operetten – war allerhöchstes Niveau. Reinprecht, Lippert, Kushpler, Fally, Lohner! Mehr Staatsoper auf die Seebühne zu holen, geht nicht, ich hätte höchstens noch den Domingo und die Netrebko engagieren können. Ich mag auch glatte Nummern. 80 Jahre alt, 20 Jahre Intendant. Und noch 20 Jahre Zeit, was anderes zu machen. Beruflich hab ich meine Fühler in alle Richtungen ausgestreckt. Einen Typ wie mich braucht man vielerorts.

"Krone": Was fällt Ihnen spontan ein?
Serafin: Ich würde gerne in den Kongo fahren, etwas ganz Konträres zu meinem bisherigen Leben machen. Mein ganzes Leben lang war ich darauf erpicht, meinem Publikum dieses "Smile" zu geben. Vielleicht kann ich jetzt einmal helfen.

"Krone": Ihre Begrüßungen in Mörbisch waren legendär. Wie haben Sie 6.200 Besucher in Ihren Bann gezogen?
Serafin: Ich habe jedem das Gefühl gegeben, ich hätte ihn persönlich angesprochen. Manchmal kamen Damen zu mir und sagten: "Wir sind in der 17. Reihe rechts gesessen." Und ich rief: "Ja, genau! Ich hab sie gesehen!" (lacht)

"Krone": Sie haben auch bis zuletzt persönliche Einladungen verschickt.
Serafin: 1.200 jeden Sommer, mit Tinte und Füller und in persönlichen Worten geschrieben. Wer da nicht kommt, muss sich entschuldigen. Und wer entschuldigt sich schon gern, noch dazu beim Intendanten höchstpersönlich? (lacht) Das beweist, dass man das Publikum packen kann.

"Krone": Ist Mörbisch Ihr Lebenswerk?
Serafin: Unbedingt. Ich hatte 1990 meine Stimme verloren und war selbstmordreif. Na ja, zumindest an einem Tiefpunkt. Dann hat mir das Schicksal dieses Hölzchen geworfen. Mörbisch war damals ein Sandhaufen, mit Holzbänken bestuhlt und von Gelsen verseucht. Ich hab alles weggerissen und neu aufgebaut. Operette war damals noch so was Drittklassiges. Aber ich habe dieses Genre immer geliebt. Diese herrlichen Melodien! Ich wusste auch, wie viel wunderbares, tiefes Empfinden in der Operette steckt. Ich glaube, ich habe diese urösterreichische Kunstgattung durch 20 Jahre Überzeugungsarbeit wieder "smokingreif" gemacht.

"Krone": Woran erinnern Sie sich besonders gern?
Serafin: An die Premieren. Jede Premiere war ein Höhepunkt. Da spielen die Hormone verrückt, da steigt das Adrenalin, du fühlst dich wie in Trance, alles bekommt Flügel... Es ist echt orgastisch.

"Krone": Was werden Sie jetzt machen ohne diese Höhepunkte?
Serafin: Ich suche sie bei meiner Frau.

"Krone": Eine Frau wird nun in Mörbisch Ihre Nachfolgerin. Hat es nicht weh getan, gar nicht in diese Entscheidung eingebunden zu werden?
Serafin: Mich hat es schon geärgert. Weil da alle möglichen Leute mitgeredet haben, nur keine Künstler oder Intendanten. Es war eine Art Schmäh- Kommission. Aber wie für alles gilt auch hier die Unschuldsvermutung!

"Krone": Wen hätten Sie sich gewünscht?
Serafin: Auf alle Fälle eine österreichische Lösung.

"Krone": Warum ist es dann Frau Schellenberger aus Sachsen geworden?
Serafin: Das ist eine gute Frage! Manche müssen sie kolossal geliebt und andere wieder besonders geschätzt haben, und diese Leute müssen ihr dann offenbar auch in jeder Hinsicht kolossal behilflich gewesen sein. Vielleicht ist dieser "sächsische Merkelismus" in Mörbisch ja der kommende Charme- Trend und sogar von Erfolg gekrönt.

"Krone": Ärgern Sie sich, dass Sie sie einst für Mörbisch engagiert haben?
Serafin: Nein, gar nicht, sie war eine gute Sängerin.

"Krone": Im Flyer für 2013 kündigt sie "eine neue Ära" an, die "noch attraktiver, noch glanzvoller" werde. Wie klingt das für Sie?
Serafin: Zukunftsmusik! Nicht mehr meine Baustelle.

"Krone": Herr Serafin, wie lange werden Sie denn jetzt Ruhe geben können?
Serafin: (steckt sich kurz die Kuchengabel in den Mund und grinst) Ungefähr so lange.

"Krone": Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Serafin: Jetzt ist mein biologisches Alter 56. Mit 85 will ich auf keinen Fall älter sein. Ich werde mehr trainieren und besser auf meine Gesundheit achten. Ich will gesund sterben. Egal wo, nur nicht an Schläuchen.

"Krone": Haben Sie eine Vorstellung vom Tod?
Serafin: Jede Krankheit hat ihren eigenen Tod. Ich habe überhaupt keine Angst vor ihm. Wenn er kommt, dann soll er mich streichelnd mitnehmen. Und vielleicht ein Liedchen dabei pfeifen. "Adieu, mein kleiner Gardeoffizier".

"Krone": Was bleibt von Harald Serafin?
Serafin: Wenig. Vier CDs. Viele Fernsehaufzeichnungen. Mein Buch "Nicht immer war es wunderbar". Und eines ist klar: Wie ich das Publikum geliebt, gestreichelt und beglückt habe – das kommt alles zurück. Ich merk's schon jetzt.

Seine Geschichte

Geboren am 24. 12. 1931 in Litauen. Die Familie flieht nach Bayern, Harald Serafin soll Arzt werden. Er hängt das Studium aber an den Nagel und lässt sich zum Opernsänger ausbilden. Als "Danilo" wird er berühmt. 1992 übernimmt er nach einer Stimmbandoperation die Intendanz der Seefestspiele Mörbisch und baut sie zum "Mekka der Operette" aus. Als Juror bei "Dancing Stars" wurde er zum "Mister Wunderbar". Seit 31 Jahren verheiratet mit Mausi, zwei (singende) Kinder.

26.08.2012, 08:15
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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