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21.08.2017 - 23:53
Foto: Viennareport

Prinz Charles ist ein echter Grüner

26.03.2017, 06:00

Der Prinz von Wales ist der König der Ökowelle. Schon 1986 gründete Charles seine Duchy Home Farm, eines der allerersten Unternehmen für Bio- Produkte.

Wenn Prinz Charles mit seiner Ehefrau Camilla am 5. und 6. April Wien besucht, kommt nicht nur der britische Thronfolger in die Stadt, sondern auch ein Öko- Pionier, ein im wahrsten Sinne des Wortes königlicher Bauer. Denn schon 1986 war Charles auf seiner Duchy Home Farm, dem Bauernhof auf seinem Anwesen Highgrove in der Grafschaft Gloucestershire, zu biologischen Anbaumethoden übergegangen. Damals interessierten sich die Konsumenten noch kaum für Herkunft und Herstellungsbedingungen von Nahrung.

Prinz Charles und Prinz William auf der Kuhweide
Foto: Viennareport

Das erste Produkt der prinzlichen Biomarke Duchy Originals war 1992 ein Keks, der Oaten Biscuit. Heute werden unter dieser Marke mehr als 200 Lebensmittel von Truthahn und Christmas Pudding über Würstchen und Speck bis hin zu Vollmilchjoghurt von königlichen Ayrshire- Kühen vertrieben. Die 180- köpfige Ayreshire- Milchvieh- Herde bildet das wirtschaftliche Rückgrat der Farm. Bewusst werden einheimische Nutztierrassen gehalten und so vor dem Aussterben bewahrt. Das Getreide wird mit alten Mühlsteinen gemahlen und zu eigenem Brot gebacken. Die 760 Hektar große Duchy Home Farm ist inzwischen einer der bekanntesten Bauernhöfe der Welt.

Prinz Charles beim Schafehüten
Foto: Viennareport

Charles liebt die Arbeit auf seinem Landgut über alles

Für Charles selbst gibt es nichts Schöneres, als auf seinem Landgut Highgrove mit Gummistiefeln an den Füßen Beete umzugraben und beruhigend auf Schnittlauch und Salatköpfe einzureden. Einmal erschien Charles mit einem dicken Verband bei einer Veranstaltung und scherzte: "Wenn man sich schon so lange mit Bäumen unterhält wie ich, trifft man früher oder später einmal auf eine angriffslustige Eiche."

Wie Prinz Charles liebt auch Camilla die Natur.
Foto: Kensington Palace

Charles' Bioprojekt wurde sogar verfilmt: In der Dokumentation "Der Bauer und sein Prinz" wird die Philosophie, die der Thronfolger und sein charismatischer Farmmanager David Wilson seit mehr als 30 Jahren verfolgen, erklärt. "Bei uns gehörte das Land immer den Banken", sagte Wilson. "Die wollten schnellen Profit bei wenig Betriebskosten." Auf der Duchy Home Farm wird gezeigt, dass man auch mit den Bio- Standards erfolgreich wirtschaften kann. So wird der Ackerboden nicht umgepflügt, sondern nur "angekratzt", was eine Einsparung von 32 Liter Diesel pro Hektar Ackerland bedeutet.

Charles' Farm ein Naturparadies

Die Farm ist ein Naturparadies, hier haben sich seltene Vögel, viele Schmetterlingsarten, Reptilien und Säugetiere wieder angesiedelt. Auf einer Länge von 16 Kilometern gibt es von Hand geflochtene Weidenhecken, zahlreiche von Prinz Charles selbst. Jede Ackerfläche ist von einem zwei Meter breiten Streifen von Wildblumen und -kräutern umfasst eine perfekte "Bienenweide".

Royale Bauern: Prinz Charles mit Prinz William
Foto: Viennareport

Der Streifen zeigt, wie ökologische Landwirtschaft funktioniert und welcher Nutzen von ihr ausgeht. Doch obwohl immer ein Vertreter der Kommunikationsabteilung des britischen Königshauses bei den Dreharbeiten anwesend war, wurde es Regisseur Bertram Verhaag verboten, den Film in England und dem gesamten Commonwealth zu zeigen.

Der Grund dafür könnte sein, dass Prinz Charles sich kein Blatt vor den Mund nimmt. In Großbritannien wird es nicht gern gesehen, wenn sich jemand aus dem Königshaus politisch äußert. Und für Charles sind Nachhaltigkeit, biologischer Anbau und Klimaschutz wichtige politische Themen, über die er sich wiederholt in Briefen, Reden und Büchern äußert. Die Briten waren "not amused", als 2015 Dutzende Briefe von Charles veröffentlicht wurden, die er an Minister geschrieben und in denen er versucht hatte, in Bereichen wie Denkmalschutz, Architektur, Landwirtschaft und Gesundheit Lobbyarbeit zu betreiben.

Camilla im Highgrove Shop
Foto: Viennareport

Im Ausland ausgezeichnet, daheim belächelt

Während Charles im Ausland für seinen Einsatz als Umweltschützer schon mehrmals ausgezeichnet wurde, wird er daheim immer noch belächelt. Seine Aussage, er spreche mit Pflanzen, ließ den Prinzen  gelinde gesagt - etwas seltsam erscheinen.

Royale Bauern: Prinz Charles mit Prinz William
Foto: Viennareport

Immer wieder hat Charles sein Image selbst ramponiert. Am nachhaltigsten mit den berühmten Tonbandaufnahmen, in denen er gesteht, gerne der Tampon seiner damaligen Geliebten Camilla Parker Bowles sein zu wollen. Damals war der Prinz noch mit der beim Volk extrem beliebten "Königin der Herzen" Diana verheiratet.

Dass seine Plädoyers für ein einfaches Leben und weniger Wirtschaftswachstum von vielen Briten nicht ernst genommen werden, dafür sorgt auch der Widerspruch zwischen den umweltpolitischen Ambitionen des 68- Jährigen und seiner eigenen luxuriösen Veranlagung. Der Prinz wird rund um die Uhr von einer Armada von Lakaien und Butlern bedient, die ihm angeblich sogar das Frühstücksei köpfen und die Zeitung bügeln. Er jettet um die Welt, bewohnt mehrere Paläste und pflegt durchaus exzentrische, unbescheidene Vorlieben.

In dem Shop auf Gut Highgrove werden Produkte aus der Region verkauft.
Foto: Viennareport

Oft kollidiert die Verführung zum Verschwenden mit Charles' Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. So ließ er einmal nach einem Bad das Wasser aus der Wanne zur Bewässerung auf ein Feld unter dem Fenster des Badezimmers durch eine komplizierte Konstruktion umleiten. Typisch auch ein Erlebnis, das Andrew Simms, Direktor der renommierten Denkfabrik New Economics Foundation, bei einem Besuch auf Schloss Balmoral in Schottland hatte. Damals verließen er, Prinz Charles und dessen Entourage das Anwesen in vier großen Autos. Plötzlich ließ der Prinz die gesamte Kolonne umdrehen. "Ich befürchtete einen Notfall und fragte nach dem Grund", so Simms: "Da erzählte er mir, er habe vergessen, in einem Zimmer das Licht auszumachen. Und das wäre doch eine schreckliche Energieverschwendung …"

Eva Lehner, Kronen Zeitung

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