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05.12.2016 - 02:58
Foto: Martin Jöchl

"Katzi": "Schnell sterben würde mir nichts machen"

03.03.2012, 17:00
Im Interview mit Conny Bischofberger spricht Lugners "Katzi" Anastasia Sokol (22) über die Beziehung zu Richard Lugner (79), ihr gestörtes Verhältnis zu ihrer Mutter und einen treuen Begleiter namens Magersucht.

Vor den ausladenden goldenen Intarsien des Malerfürsten Ernst Fuchs im Frisiersalon "Hüllerbrand" in der Wiener Annagasse sieht Anastasia Sokol noch schmäler aus in ihrem rosafarbenen Jäckchen mit Spitzenrevers. "Ich habe es wieder einmal unter die 35- Marke geschafft", erklärt die 22- Jährige ungerührt, als wir uns dort zum Interview treffen. Bei einer Größe von 1,62 Metern wiegt das Mädchen an Lugners Seite gerade noch 33 Kilo. Eine Kur in Kärnten soll die Magersucht stoppen, gemeinsam mit Richard Lugner, der im Hotel daneben bei dieser Gelegenheit gleich ein paar Kilo abspecken will.

Im Frisiersalon herrscht bizarre Fröhlichkeit. "Ich hab schon alle Haustiere des Baumeisters frisiert", scherzt Hüllerbrand. Das Mausi, das Betti- Hasi, den Käfer, das Bambi und nun das Katzi. Dem "Katzi" scheint es nichts auszumachen, dass sie in einem Atemzug mit ihren Vorgängerinnen genannt wird. Sie lässt sich heute zum blonden Engel stylen.

Der Baumeister zahle eine Monatspauschale, erzählt Hüllerbrand, manchmal kämen auch falsche Frauen, die sich auf seine Rechnung schön machen lassen wollen. Aber die enttarne er sofort.

Vielleicht noch ein Gläschen Sekt für die gute Laune? Anastasia Sokol bevorzugt Kräutertee. Sie sieht traurig aus. Den Blick in die vielen Spiegel rundherum meidet sie.

"Krone": Frau Sokol, mögen Sie das eigentlich, wenn jeder Sie "Katzi" nennt?
Anastasia Sokol: Ja, schon. Ist immer noch besser als Krokodil oder Monster oder was dem Richard sonst noch alles eingefallen wäre. Richard und ich haben auch eine Katze, es ist eine Maine- Coon- Katze, sie heißt Cäsar, ist riesengroß, wiegt 7,2 Kilo und ist mein Ein und Alles.

"Krone": Wie wird man Lugners "Katzi"?
Sokol: Bei mir war's so: Ich bin 2009 nach Wien gekommen in meine erste eigene Wohnung. Meine ganzen Ersparnisse sind für Kaution und Provision draufgegangen, da bin ich ohne Möbel dagestanden und hab deppert g'schaut. In der "Heute" konnte man ein Abendessen mit einem Promi gewinnen, da hab' ich mich beworben.

"Krone": Einfach so?
Sokol: Ich wollte angeben bei meinen Freunden auf der Tourismusschule, die ihre Nase immer so hoch getragen und gesagt haben: "Wir dürfen dem Faymann den Rotwein einschenken." Ich wollte sagen: "Ha, ha, ha! Ihr dürft einschenken, aber mir wird eingeschenkt. Und zwar von einem von euch."

"Krone": War Ihnen Richard Lugner damals schon ein Begriff?
Sokol: Nein, weil wir zu Hause kein ATV hatten. Ich habe ihn dann nachgegoogelt und mir gedacht: Passt. Den kennt jeder. Das ist sogar der Besitzer von der Lugner City. Und meine Wohnung war direkt ums Eck.

"Krone": Wie haben Sie ihn dann erlebt?
Sokol: Als absolutes Highlight meines Lebens. Ich war damals Kellnerin in einer Pizzeria und hab mit Trinkgeld 1.200 Euro verdient. Und dann kam dieser Mann, der mich ausführt und mich einlädt, der mir jeden Tag was Neues bietet. Wien, die vielen Lichter, die vielen Discos, Einkaufsstraßen. Das war ein Wahnsinn.

"Krone": Waren Sie auch verliebt?
Sokol: Sicher. Seine menschliche Größe hat mich so richtig klein gemacht. Ich habe mit großen Augen auf ihn geschaut. Er hat mitbekommen, dass ich ihn so richtig angehimmelt habe.

"Krone": Wofür denn?
Sokol: Dafür, dass er ein Mensch ist, der etwas zu sagen hat. Ich wurde richtig neugierig, wollte wissen, wie das rennt in der Lugner City. Das hat ihm gefallen, dass ich so viel von ihm halte. Glaube ich halt, vielleicht liege ich falsch.

"Krone": Richard Lugner ist 57 Jahre älter als Sie. Kommt er Ihnen nicht wie Ihr Großvater vor?
Sokol: Wenn man Zuneigung spürt, ist es wurscht, wie ein Körper ausschaut. Ich habe ja selber Komplexe. Deshalb käme ein Gleichaltriger gar nie infrage für mich. Ich hatte noch lang vor dem Richard auch einen Freund, der damals schon 42 war. Das mit dem Großvater sagen viele. Mittlerweile glaube ich, dass das sogar irgendwo stimmen könnte. Wenn man familiäre Probleme gehabt hat, dann sucht man sich eine Ersatzfamilie.

"Krone": Sind die Lugners Ihre Ersatzfamilie?
Sokol: Ich glaube ja.

"Krone": Wie sieht denn ein Tag an der Seite von Richard Lugner aus?
Sokol: Ich stehe noch früher als Richard auf und verplane meinen Tag. Ich habe ja auch meinen Job in der Lugner City, ich bin für die Reinigung und für Fest- und Mobilnetz der ganzen Firma zuständig. Ich bin auch am Samstag im Büro. Und dann sind wir natürlich viel unterwegs.

"Krone": Was antworten Sie jenen, die sagen, Sie hätten sich Lugner nur geangelt, um in der Zeitung zu stehen?
Sokol: Dass es nicht stimmt. Mir war einfach fad und ich hatte keine Freunde in Wien. Da freut sich doch jeder, wenn er eine Bekanntschaft schließt, die einem was zeigen kann. Dass ich mediengeil bin, stimmt auch nicht.

"Krone": Warum haben Sie sich Ihre Nase operieren lassen?
Sokol: Die war ja urhässlich. Haben Sie das nicht gesehen?

"Krone": Nein.
Sokol: Sie hat so einen richtigen Höker gehabt. Der Richard wollte mir das sogar verbieten, weil ja seine zweite Frau an einer Schönheitsoperation gestorben ist, aber ich war damals schon über 18. Ich kann machen, was ich will.

"Krone": Ist das nicht ein krankes Leben?
Sokol: Nein, das Leben mit Richard hält mich auf Trab. Ich hab' dann nicht viel Zeit, andere Blödheiten zu machen. Ich habe auch keine Zeit zu überlegen, ob ich jetzt essen soll oder nicht. Letztens hab' ich den Richard richtig angebettelt: Bitte, geh was essen mit mir! Ich könnte ein ganzes Spanferkel verputzen! Richard hat sich kaputtgelacht.

"Krone": Sie sehen aber nicht aus, als ob Sie ein Spanferkel essen möchten.
Sokol: Naja, ich habe auch einen bulimischen Einschlag. Ich bin froh, dass ich wenigstens den im Griff habe.

"Krone": Was ist Richard Lugner für Sie?
Sokol: Er ist alles für mich. Freund, Mentor, manchmal auch ein riesengroßes Ärgernis. Er keppelt manchmal so viel, dass ich ihn abwatschen könnt'. Aber das gehört dazu. Manchmal übertreibt er, manchmal ist er irre nett, aber im Großen und Ganzen ist er total okay. Viel netter als zum Beispiel meine Großeltern. Oder meine Mutter.

"Krone": Ihre Mutter hat Angst, dass Sie sterben, stand im Magazin "News".
Sokol: Behauptet sie. In Wahrheit war ich ihr immer egal. Sie hat mich immer spüren lassen, dass ich kein Wunschkind war.

"Krone": Sie sagt, dass sie sich Sorgen macht. Muss man sich Sorgen um Sie machen?
Sokol: Wenn ich mich im Spiegel anschauen würde, dann würde ich mir auch Sorgen machen.

"Krone": Was sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel schauen?
Sokol: Ich will gar nicht hinschauen. Ich finde mich viel, viel zu dünn. Mir ist bewusst, dass mein Körper mir irgendwann eine fette Rechnung hinlegt, dass ich eines Tages mein Leben überdenken muss.

"Krone": Warum essen Sie nichts?
Sokol: Weil ich vor lauter Stress oft aufs Essen vergesse. Am Montag zum Beispiel hab' ich mich gefreut, dass der Richard mit mir in mein Lieblingsrestaurant gehen will. Am Abend hat er mir mitgeteilt, dass er mit der Pamela Anderson so viel zu tun hat, dass ich in der Lugner City was essen soll. Da bin ich gleich heimgefahren und hab mich hingelegt. Dieses Hungergefühl, das mir sagt "Du musst was essen", das habe ich ja nicht. Das smsen mir nur meine Freundinnen. "Du musst essen!" "Iss endlich was!"

"Krone": Welche Kleidergröße tragen Sie?
Sokol: Es war immer XS, aber seit Kurzem passt mir nur noch die Hose, die ich als Zehnjährige getragen hab. Das ist Kindergröße 146.

"Krone": Ist Ihnen bewusst, welche Krankheit Sie haben?
Sokol: Ich glaube, das ist Magersucht. Nichts anderes. Ich merke ja, dass ich müde bin, dass mir die Haare ausfallen, dass meine Haut sich überall schuppt. Dass ich einen extrem niedrigen Blutdruck habe.

"Krone": Sind Sie in Behandlung?
Sokol: Ich war in Behandlung. Aber es hat mir nichts gebracht. Ich hab auch vor einem Jahr schon einmal eine Kur gemacht. Aber als ich zurückkam, war alles wieder so wie vorher. Das ist deprimierend.

"Krone": Schockiert Sie das nicht, wenn Sie in der Zeitung von den Hungermädchen lesen, die irgendwann an ihrer Magersucht sterben?
Sokol:
Schrecklicherweise eigentlich gar nicht. Jeder muss sterben... An Magersucht stirbt nur jeder Zehnte, also überlebt doch die Mehrheit.

"Krone": Wäre Ihnen das egal, wenn Sie sterben müssten?
Sokol: Der Gedanke ans Sterben macht mir grundsätzlich keine Angst. Was ich nicht will: qualvoll sterben. Aber schnell sterben würde mir nichts machen. Klingt traurig, ist aber leider so.

"Krone": Sie sind 22!
Sokol: Auch mit 22. Der Tod gehört zu unserem Leben, das sollte man akzeptieren.

"Krone": Haben Sie keine Zukunftspläne? Stellen Sie sich nicht vor, wo Sie mit 30 sein werden?
Sokol: Am besten, man denkt darüber gar nicht nach.

"Krone": Hochzeit, Kinder?
Sokol: Hochzeit nein. Kinder auch nicht. Solange ich für mich selbst nicht die Verantwortung übernehmen kann, kann ich nicht an Kinder denken.

"Krone": Wann sind Sie zuletzt glücklich gewesen?
Sokol: Das ist schwer. Vielleicht in meiner Kindheit in Russland, mit den andern Kindern im Wald, wo wir Schmetterlinge gefangen und Muscheln ausgegraben haben. Da war früher ein Meer...

"Krone": Und jetzt? Sind Sie jetzt glücklich?
Sokol: Glaube ich nicht. Glückliche Menschen schauen anders aus.

"Krone": Traurig?
Sokol: Würde ich auch nicht sagen. Ich weiß nicht mal, was ich bin. Es ist ein Gefühlszustand, den ich gar nicht beschreiben kann. Ich glaube, ich bin leer.

"Krone": ATV hat die Serie "Die Lugners" gestoppt, bis Sie wieder gesund sind. Wann wird das sein?
Sokol: Das weiß ich nicht. Vielleicht wenn ich wieder einmal ansehlich ausschaue. Ich bin auch nicht der einzige Grund, warum es die Serie nicht mehr gibt. Jacqueline und Helmut wollen auch nicht mehr.

"Krone": Sie haben die Familie jetzt im Griff, nicht wahr?
Sokol: Nein, nein. Die Familie hat mich im Griff.

"Krone": Kann Ihnen noch wer helfen?
Sokol: Ich glaube schon, dass mir noch wer helfen kann. Ich.

"Krone": Wie?
Sokol: Indem man sich zusammenreißt. Bis jetzt hat es zwar nicht funktioniert, aber irgendwann funktioniert es vielleicht doch. Allein, dass ich weiß, dass es nicht in Ordnung ist, so wie es ist, das ist schon ein großer Fortschritt.

Ihre Geschichte

Geboren am 9. 9. 1989 in Litauen. Bis zu ihrem 14. Lebensjahr wächst sie bei den Großeltern in Russland auf. 2003 kommt sie nach Retz, Niederösterreich, wo ihre Mutter zum zweiten Mal geheiratet hat. Ihren leiblichen Vater hat Anastasia Sokol nie kennengelernt. Sie macht die Tourismusschule, zieht nach Wien und arbeitet als Kellnerin in einer Pizzeria. 2009 lernt sie durch einen Aufruf in "Heute" Richard Lugner kennen, mit dem sie seither lebt.

03.03.2012, 17:00
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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