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24.07.2017 - 07:55

Jodelnder Almrausch bei Rosi hoch über Kitzbühel

20.01.2013, 09:00
Die Sonnbergstuben hoch droben über Kitzbühel gehören seit Jahrzehnten zu den Hotspots der Gamsstadt. Dort beginnt das Après-Ski vor dem Rennen. Und endet lange danach. Denn bei der singenden Wirtin Rosi Schipflinger steppt nicht nur der Bär – sondern auch Fürst Albert und viele mehr.

Geländegängig müssen sie auf alle Fälle sein, die dicken Autos, die auf fast 1.200 Meter Seehöhe gelangen wollen. Denn 400 Meter über Kitzbühel, der 10.000- Seelen- Gemeinde, thront eine berühmte Wirtin mit roten Backen. Rosi Schipflingers Sonnbergstuben, ein zirbenholzgeschnitztes Imperium mit gut bestücktem Weinkeller, zählen auch während des kommenden Hahnenkammwochenendes wieder zu den Fixpunkten für Reich und Schön, die wirklich Wichtigen und die Hinz- &-Kunz- Society.

Hier entkommt man den fahnenschwingenden und grölenden Schlachtenbummlern mit ihren bemalten Wangen. Für Zweit- und Drittwohnbesitzer und betuchte Gäste stehen ausreichend gewärmte VIP- Plätze zur Verfügung. Rosi hat ein großes Herz. Das einstige Bauernmädel, das seit dem Jahr 1968 die Gastwirtschaft auf der Bichlalm führt, ist längst am Gipfel ihres Erfolgs. Müde oder trübe ob des Ansturmes wird die heute 74- Jährige aber nicht. Im Gegenteil. Immer noch sammelt die leidenschaftliche Dirndlträgerin ("Wenn ich verreise, ist mein Koffer voll mit Dirndln") Anekdoten und Geschichten aus ihrem Alltag. Ihren Erfahrungsschatz packte sie bereits vor Monaten zwischen zwei Buchdeckel.

Rosi bringt Erstlingswerk heraus

Das Erstlingswerk "Essen bei Rosi" (Bild 2) verrät nicht nur ihre berühmtesten Rezepte, sondern liest sich wie ein Amalgam aus Biografie und Gästebuch, wo den Lesern Seite für Seite Hollywood- Granden, gekrönte Häupter, Olympioniken und Schlagerfürsten entgegenpurzeln. Regie- Rebell Roman Polanski fand einmal keinen Platz, wurde von Rosi (die ihn nicht erkannte) auf einen Not- Tisch neben der Garderobe verbannt und musste den ganzen Abend unfreiwillig Jacken und Mäntel austeilen. Absturz- Spezialist David Hasselhoff lauschte spätnachts ergriffen, als Rosi zur Gitarre griff und ihr gutturales "Kitzbühel Lied" anstimmte. Zum rustikalen Gesang schunkelte Goldlocke Thomas Gottschalk schon ebenso wie Niki Lauda mit seiner Birgit oder Arnold Schwarzenegger. Der Alpen- Terminator liebt Schnitzel, Backhendl und Kaiserschmarren und reserviert auch schon mal den Weinkeller für sich.

Stammgäste beim jährlichen Schnitzelessen sind DJ Ötzi, Kultbarde Heino samt Hannelore, "König von Mallorca" Jürgen Drews, das deutsche Mutter- Tochter- Gespann Ute- Henriette und Chiara "Meine Lippen sind gewachsen" Ohoven sowie der mittlerweile gesingelte Bleistift- Graf Patrick Faber- Castell. Gerne erinnert sich Frau Schipflinger an die Abende mit Fürst Albert von Monaco, der mit Altrennfahrer Gerhard Berger vorbeischaute. Als die Champagnerflaschen schon kopfüber in den Eiskübeln steckten, ließ der Monegasse von der Leine. Rosi sang, Albert stimmte ein.

Bei Rosi den Alltag vergessen

Die Frühstückspension hat die blonde Tirolerin vor mittlerweile 46 Jahren auf der damals noch grünen Wiese hoch über der Stadt errichten lassen. "Mein Vater hat mir zugeredet, ich wollte ja eigentlich verkaufen und unten im Tal bauen", erinnert sich die stets gut gelaunte Almwirtin. Heute ist sie froh über ihre Entscheidung: "Ich habe lange gebraucht, um selbst zu merken, dass der Sonnberg ein Ort ist, der den Menschen guttut. Der verstorbene Fürst von Thurn und Taxis ist hier oft auf der Terrasse gesessen und hat immer wieder gesagt: 'Frau Rosi, Sie haben hier oben den schönsten Platz der Welt.'"

Das herzliche Wesen der Gastronomin tut ein Übriges, um selbst gestresste Stars und überarbeitete Manager schnell den Alltag vergessen zu lassen. Und nach ein paar Bier und einigen Enzian- Schnäpsen jodeln dann die Blaublütler aus München neben dem Schlagerstar, kernige Ski- Burschen beweisen Kondition im Tönehalten. "Ich bin sehr diskret", lacht die begeisterte Gitarrespielerin, "ich plaudere nie etwas aus."

Viele Geschichten, vor allem von gebrochenen Herzen, die mehr oder weniger gekittet werden konnten, täten ihr nie über die Lippen kommen. Sie selbst hat mit Sepp, einem Bauern, Wirt und Kitzbüheler Urgestein, ihr spätes Glück gefunden. Gefallen hat ihr der resche Kerl immer schon, nur das Zusammenfinden musste etwas warten. Bei einer Geburtstagsfeier hat's dann gefunkt. "Ich hab zwei doppelte Schnäpse getrunken und das 'Kitzbühel Lied' gesungen. So hat bei uns alles begonnen."

Langweilig wird Rosi nie

Seit mehr als 20 Jahren ist sie auch als Musikerin aktiv. Stammgast Jack White, ein Kitz- Zuagraster, produzierte für sie ihre erste CD mit dem logischen Titel "Lieder der Berge". Selbst im "Musikantenstadl" durfte die Tirolerin mit ihrem Gesangspartner Leo Jöchl bereits vor einem Millionenpublikum singen. Und seit Kurzem vermarktet sie auch ihre eigene Modelinie "Rosi Kollektion" – T- Shirts, Hemden und Janker im flippigen Neo- Alpin- Stil. Langweilig wird der nimmermüden Wirtin ohnehin nie.

Das mit dem Energiefluss auf ihrem Kraft- Platz scheint irgendwie zu stimmen. Und falls Frau Schipflinger doch einmal eine Pause macht, im November etwa, wenn der Betrieb geschlossen hat, was treibt sie dann? Sie legt sich auf die Pirsch. "Ich gehe gerne auf die Jagd." Strapaziert keine Stimmbänder, sondern wartet mucksmäuschenstill darauf, bis eine Gams für den Abschuss vorbeikommt.

20.01.2013, 09:00
Karin Schnegdar, Kronen Zeitung
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