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24.08.2017 - 12:49
Maria Großbauer
Foto: Reinhard Holl

"Ich muss mich nicht auf Gatten reduzieren lassen"

19.02.2017, 06:00

Die neue Opernball- Chefin Maria Großbauer (36) über ihre große Premiere, Veränderungen und Protektionsgerüchte. Und warum sie nicht ihr Mann auf den großen Ball begleitet, sondern ihr Vater.

Schon seit Wochen treppelt sie daheim in den neuen Schühchen auf und ab, um sie einzugehen. Bis zu ihrer großen Premiere am Donnerstag sollen die genauso top secret bleiben wie die Armani- Robe, die sie eigens in Mailand ausgesucht hat. Maria Großbauer ist die neue Opernball- Chefin und Nachfolgerin von Desi Treichl, die letztes Jahr nach neun Jahren die Ballschuhe auszog.

Mit erst 36 Jahren ist sie die jüngste Ballmutti überhaupt. Oh pardon, der Begriff stammt wohl noch aus Zeiten von Christl Schönfeldt oder Lotte Tobisch. Grandes Dames mit Grandezza und Allüre. Die Neue sieht sich in moderner Auslegung eher pragmatisch als "Projektmanagerin" und fegt perfekt gestylt in High Heels durch die Büros, spricht und checkt schnell und nahezu gleichzeitig.

Arbeit mit Pressechef André Comploi
Foto: Reinhard Holl

Bis zu ihrer Bestellung war sie als "One Woman Show" mit ihrer Agentur "Casa Maria" in der Werbung tätig. Großbauer ist Tochter des bekannten Philharmonikers Karl Jeitler, über den sie vor ein paar Jahren sogar ein Buch schrieb. Aber noch mehr: Seit fünf Jahren ist sie auch die Frau des neuen Chefs der Wiener Philharmoniker, quasi dem Hausorchester am Ring.

Eh klar! Schiebung! Protektion! Das tuschelte man allerdings nur hinter vorgehaltenem Fächer. Bis es "Krone"- Postler Michael Jeannée, erzürnt über das neu eingeführte Rauchverbot, kürzlich in einem seiner Briefe thematisierte: " Dass Sie Ihren Job als neue Opernball- Lady Ihrem Herrn Gemahl Andreas Großbauer, seines gewichtigen Zeichens Philharmoniker- Vorstand mit Hauptsitz im Ohr des Staatsoperndirektors verdanken, weiß jeder/jede in der Society- Branche, schreibt's aber nicht. Ich schon."

Opernball-Direktor Dominique Meyer und Opernball-Organisatorin Maria Großbauer
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Doch statt sich wie andere ins Schmollwinkerl zurückzuziehen und mit Stöckelschuhen auf das verbreitenden Medium loszugehen, behält die "Beschuldigte" Contenance und lächelt den üblen Verdacht weg.

"Krone": Wie gehen Sie mit den Vorhalten um, Sie hätten Ihren Job nur durch Ihren Mann?
Großbauer: Das ist leider frauenspezifisch, dass man Frauen unterstellt nur durch ihren Mann Karriere zu machen. Umgekehrt würde man das einem Mann nie vorwerfen. Ich habe Musik studiert, zehn Jahre in Agenturen gearbeitet und war sechs Jahre selbständig. Ich habe noch ein paar weitere Qualifikationen ich muss mich wirklich nicht auf meinen Mann reduzieren lassen!

Aber das gute Verhältnis zu Staatsoperndirektor Dominique Meyer …
Das stimmt, wir haben eine hervorragende Basis und in vielem denselben Zugang. Er unterstützt mich. Wissen Sie: Das Verhältnis des Operndirektors und der Ballchefin ist doch immer Thema, egal ob man sich versteht oder nicht. Wie man es macht, so ist falsch. Meine liebe Oma hat schon immer gesagt: "Jedem Menschen Recht getan, ist eine Kunst die niemand kann."

Maria Großbauer und ihr Mann Philharmoniker-Chef Gerald Großbauer
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER

Wie haben Sie eigentlich von Ihrer Bestellung erfahren?
Das war schon im Sommer 2015, da hat der Direktor schon mal bei mir vorgefühlt, ob ich es mir vorstellen kann. Ich war total überrascht, weil es ja keine Position ist, für die man sich bewerben kann. Ich hab sofort Ja gesagt, es ist eine wunderschöne Aufgabe und wie ein Traum für mich, für dieses Haus in so maßgeblicher Position tätig sein zu dürfen, in dem ich durch meinen Vater praktisch aufgewachsen bin.

Es ist allerdings ein Ehrenamt. Sie werden nicht bezahlt. Ist das nicht eigentlich ein bisschen viel verlangt bei so einer großen Aufgabe?
Die Aufgabe hat sich schon gewandelt. (seufzt und lacht) Es ist nicht mehr nur eine reine glamouröse Repräsentationsaufgabe, sondern ein Vollzeitjob. Jetzt kurz vor dem Ball, noch mehr. Ich bin eigentlich eine Projektmanagerin und für alles verantwortlich: die Gestaltung, die Koordination, die Dramaturgie. Meine Agentur liegt derzeit auf Eis. Ich war gerade dabei, nach der Karenz wieder in meinen Beruf zurückzukehren, als das Angebot kam.

Großbauer in Opernball-Robe
Foto: APA/Helmut Fohringer

Das heißt: Man muss es sich auch finanziell leisten können gratis als Ballchefin zu arbeiten?
Ich liebe Herausforderungen. (lacht wieder) Wissen Sie, ich hab so viele Ideen und bin ganz begeistert sie umsetzen zu können.

Hatten Sie eine Übergabe mit Desi Treichl?
Nein, es war ein Kaltstart. Aber ich habe ein tolles Team mit hervorragender Erfahrung.

Wie man hört, wird heuer alles neu?
Ja, ich möchte gleich ganz große Veränderung, keine kleinen. Man muss merken, dass es neu ist. Das Thema heißt "Oper" und wird sich in allem spiegeln. Jeder Saal wird anders gestaltet sein mit Zitaten aus großen Opern. Aus dem eher ungemütlichen Heurigen früher wird beispielsweise die Wolfsschlucht aus dem Freischütz.

Kein Geringerer als Karl Lagerfeld hat das Debütanten- Krönchen entworfen. Wie haben Sie das geschafft?
Das macht mich wirklich glücklich. (jubelt vor Freude) Es war eine spontane Idee. Ich hab mir gedacht, warum fragt man nicht mal jemand wirklich Großen? Ich bin dann an unseren Partner Swarovski herangetreten. Die hatten einen Kontakt. Und dann das Unglaubliche: Er hat angeblich nach 30 Sekunden zugesagt, obwohl er sonst 99 Prozent der Anfragen ablehnt.

Maria Großbauer präsentiert die diesjährige Opernball-Tiara.
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Neu ist auch das Rauchverbot.
Das habe aber nicht ich erlassen, sondern die Direktion. Wir haben aber Raucherzonen außerhalb des Gebäudes mit rotem Teppich, Bewirtung und Heizschwammerln.

Auch für den neuen Bundespräsidenten, der erstmals den Ball beehrt?
Ja. Neu wird auch sein, dass er vor dem Haupteingang eine Fanfare bekommt, wenn er um ca. 21.40 Uhr vorfährt.

Seine Frau hat früher gegen den Opernball demonstriert. Jetzt begleitet sie ihn. Heuer gibt es auch wieder eine Demo mit dem Titel "Eat the Rich". Was sagen Sie dazu?
Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut. Aber die Oper und der Ball sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und wir werden heuer auch viele Aktionen für den guten Zweck haben und spenden.

Andreas und Maria Großbauer am 60. Wiener Opernball
Foto: Viennareport

Sind Sie ehrgeizig?
Ja, aber das ist ja nichts Schlimmes, oder? Ich will es einfach gut machen!

Sie sind Mutter eines dreijährigen Sohnes, wie schaffen Sie das?
Mir geht es wie allen berufstätigen Mamas. Es braucht viel Koordination und Unterstützung. Wenn ich schön angezogen aus dem Haus gehe, fragt er: "Mama, Opernball?"

Ist Ihr Mann stolz auf Sie?
Ich glaub schon. Aber am Ball kann er selbst leider nicht mit dabei sein, weil er zu dieser Zeit mit den Philharmonikern in New York weilt. Er macht seine Termine immer drei Jahre im Voraus. Aber mein Papa wird mich als Substitut begleiten. Er wird auch die Eröffnungsfanfare blasen und auch jene zum Eintreffen des Herrn Bundespräsidenten. Meine Mama schaut von daheim aus zu, weil sie so lieb ist und auf unseren Sohn aufpasst.

Maria Großbauer
Foto: Viennareport

Sind Sie nervös?
Nein, konzentriert. Ich schlafe auch noch gut. Für Schlafprobleme bin ich abends immer viel zu müde.

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