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28.06.2017 - 06:18
Die "Vorstadtweiber" sorgen für Aufreger im ORF.
Foto: ORF

Der Sex- Appeal der "Vorstadtweiber"

15.02.2015, 06:00
Sex, Männer, Geld, Gier, Oberflächlichkeit, Schönheit, deftige Sprüche und noch einmal Sex – das ist der Mix, der wöchentlich fast eine Million Fernsehzuschauer erregt und verärgert. Hinter dem Erfolg der Serie "Die Vorstadtweiber" stecken sieben Geheimnisse. Prof. Dr. Gerti Senger analysiert den Erfolg und die Frauentypen aus der Erfolgsserie.

1. Der Vorstadt- Mythos: Komprimierte Unmoral statt Idylle

Der Titel "Vorstadtweiber" ist wohldurchdacht. Seit den frühen 60er- Jahren vermitteln US- Serien das Bild der Vorstadt- Idylle. Wohlstand ausstrahlend, suggeriert die schmucke Vorstadt einen Ort, in dem eigene Gesetze gelten und Sauberkeit und harmonisches Zusammenleben herrschen. Irrtum. In der Vorstadt spiegeln sich – verdichteter als in den Metropolen – Intrigen, Lügen, Unmoral und sexuelle Ausschweifung. Nicht zufällig heißt es auch "Weiber". Der Begriff zeigt die neoliberale Weiblichkeit auf. Die neuen Freiheiten haben auch bedenkliche Einflüsse auf die Weiblichkeit genommen.

2. Die Identifikation: Die Wahl zwischen 5 verschiedenen Typen und was diese über einen selbst sagen

Das raffinierte Handlungskonzept befriedigt den unausgesprochenen Wunsch der Menschen, in eine andere Welt einzutauchen. Der Wirklichkeitstransfer ist gleichzeitig eine Möglichkeit zur Selbstreflexion.

Fünf Frauen aus Grinzing, Hietzing, der Cottage, also aus den Nobelvororten Wiens, zeigen sich schwach, stark, geil, cool, raffiniert, niederträchtig, moralisch, unmoralisch oder naiv. Der Zuseher hat die Möglichkeit, sich mit Maria, der scheinbar Naiven, oder mit dem reifen Hadrian, der Jugend vergöttert, zu identifizieren. Man zieht Vergleiche und wirft dadurch einen Blick auf sich selbst.

Zwischen einem "Das könnte ich sein" oder "Das würde ich nie tun" erfährt man nicht nur einiges über sich selbst, sondern auch über die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse. Woanders hinzuschauen, anstatt das eigene Leben unter die Lupe zu nehmen, löst zwar kein Problem, kann aber der Selbstsicht guttun und amüsiert.

3. Die Clique: Der Wunsch nach Freundschaft

Dass sich der Handlungsfaden um eine Freundesgruppe rankt, ist charakteristisch für unsere auf Individualismus ausgerichtete Gesellschaft, in der beständige Freundschaften schwieriger sind und daher idealisiert werden. Der Kreis der Vorstadtweiber und ihrer Männer zeigt sich als Hort der Nähe, aber auch als Arena, in der gnadenlos gekämpft wird.

4. Der Voyeurismus: Der sonst verbotene Blick durchs Schlüsselloch

In jedem Menschen steckt ein mehr oder weniger ausgeprägter Voyeurismus. Die "Vorstadtweiber" bedienen ihn perfekt: So ist das also, wenn man nix wie Fetzen, Sex und Partys im Kopf hat. So schauen die Dessous aus, wenn man nicht sparen und sich mit Baumwoll- Hoserln im Dreierpack begnügen muss. So geht es bei den privilegierten Frauen zu, die von der Doppelbelastung Beruf/Haushalt nicht ausgepowert sind. Dazu kommt auch noch die Schadenfreude darüber, dass den arbeitsscheuen Weibern wenigstens der Beziehungsstress zusetzt. Recht geschieht ihnen.

5. Der Attraktivitäts- Bonus

Fünf schöne Frauen zeigen sich in modischen Kleidern, präsentieren ihre schlanken Körper und ihre Geilheit. Die dazugehörigen Männer sind attraktiv, das Wohnambiente schick. Wie man aus der Attraktivitätsforschung weiß, fasziniert eine Gruppe attraktiver Menschen ganz besonders. Wenn es im Fadenkreuz von Reich und Schön auch noch deftige Sexgeschichten gibt, macht das, wie man an "Sex and the City" oder "Desperate Housewives" sieht, Quoten.

6. Das Verräterische: Hier ist nichts Menschliches fremd

Wenn zwei Freundinnen bei einem Glas Prosecco vereinbaren, dass die eine den Mann der anderen verführt, damit sie endlich einen handfesten Scheidungsgrund hat, kollidiert dieses unwürdige Verhalten mit den gängigen Wertvorstellungen. Das Pikante daran ist, dass die Busenfreundin sowieso schon lange ein Pantscherl mit ihm hat. Solche Handlungen verraten jene dunklen Seiten unseres gesellschaftlichen Alltags, die üblicherweise verdeckt sind. Übertreibung veranschaulicht Verborgenes.

7. Das Vokabular: Hier werden die Dinge beim Namen genannt

Unvorstellbar, dass beim "Bergdoktor" oder im "Bullen von Tölz" Sätze wie "Beim Oralsex ist noch keine erstickt" fallen. Im öffentlich- rechtlichen 20.15- Uhr- Programm wurde solches Vokabular bislang kaum benutzt. Bei den Vorstadtweibern gehört es einfach dazu. Das mag einige verstören, aber fast eine Million Zuseher begeistert es offensichtlich jeden Montag.

Und so ticken die "Vorstadtweiber":

Nicoletta Huber: "Zweite Wahl gilt nicht"

Nach eigenen Angaben beherrscht "Nico" zwei Dinge:  Sie kann Fake von echter Ware unterscheiden, und sie weiß, "wie man einem Mann das Hirn wegbläst". Trotz dieser "Stärken", trotz ihres zur Schau getragenen Sex- Appeals und trotz ihrer Berufstätigkeit wirkt Nico doch wie eine verkappte Romantikerin. Ihr Schattenleben als heimliche Geliebte Josefs steht in krassem Widerspruch zu ihrem Leben als clevere Geschäftsfrau. Der schöne Schein, den Nico in ihrer Nobelboutique teuer verkauft und mit dem sie sich durch ihren Liebestraum den Verstand vernebelt, ist trügerisch. Aber Widerspruch scheint ein Charakteristikum ihres Lebens zu sein.

Waltraud Steinberg: "Liebe ist nur ein Wort"

Scharfsinnig, cool, egoistisch, verschwenderisch – mit diesen Eigenschaften will sich ein Typ wie Waltraud Macht und Oberwasser verschaffen. Eigene Schwächen und Fehler werden mit Zynismus überspielt, innere Leere kurzfristig durch Konsum kompensiert. In der Verführung des 16- jährigen Sohnes von Maria zeigt sich ihr Bedürfnis nach Überlegenheit, aber auch ihre Abhängigkeit von narzisstischer Zufuhr. Besser Anerkennung von einem Teenager als gar keine Anerkennung. Hinter ihrem entwertenden Weltbezug ist Angst vor wirklicher Nähe und eine – womöglich für immer? – verdrängte Sehnsucht nach großen Gefühlen spürbar. Abwarten.

Maria Schneider: "Stille Wasser sind tief"

Lieb und anschmiegsam, so ließe sich Maria, die goldige Hausfrau und Mutter, beschreiben. Aber hinter der scheinbaren Idylle brodelt es. Ihr Sohn hat ein Verhältnis mit ihrer besten Freundin, ihr Ehemann wendet sich Männern zu. Maria wirkt zwar wie eine Lichtgestalt an Beziehungs- und Liebesfähigkeit, aber hinter ihrer fügsamen Fassade steckt nicht Masochismus, sondern ein erstaunliches Selbstentfaltungs- Potential, das ein Callboy in ihr weckt.

Caroline Melzer: "Alles hat seinen Preis"

"Caro" hat – noch ein gängiges Klischee – ihren Chef geheiratet und muss für ihr Luxusleben die Spannungen mit seinen Kindern, die Anpassungsschwierigkeiten eines zu großen Altersunterschiedes und die Probleme mit seiner Potenz hinnehmen. Sie ist zwar die Jüngste der Vorstadtweiber, aber nicht so naiv, zu glauben, dass einem das Leben etwas schenkt. Was Caro in ihrer Frühling- Herbst- Ehe an männlicher Sexualkraft fehlt, versucht sie sich woanders zu holen. Ob auch das seinen Preis haben wird?

Sabine Herold: "Jeder ist sich selbst der Nächste"

Dass Schönheit nicht vor Abstieg schützt, führt Sabine vor Augen. Nach der bitteren Erfahrung eines gnadenlosen Ehevertrages muss sie selber schauen, wie sie weiterkommt. Wer immer nur shoppen war, weiß zwar nicht, wie es im Arbeitsleben wirklich vorangeht, aber eines weiß Sabine – große Ansprüche kann sie sich nicht mehr leisten. Ihr Job als Dildo- Präsentatorin wird vermutlich nicht die einzige fragliche Betätigung bleiben.

15.02.2015, 06:00
Gerti Senger, Kronen Zeitung
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