Foto: APA/AFP/PATRIK STOLLARZ

Schweizer Justiz ermittelt gegen Franz Beckenbauer

01.09.2016, 13:21

Unangenehme Entwicklungen für Franz Beckenbauer rund um die Fußball- WM- Affäre: Dem ehemaligen Chef des deutschen Bewerbungskomitees drohen nun wegen des Verdachts auf Untreue und Geldwäsche doch strafrechtliche Konsequenzen. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, habe sich nun die Bundesanwaltschaft der Schweiz in den brisanten Fall eingeschaltet.

Demnach werde wegen einer Reihe dubioser Zahlungsströme über zehn Millionen Schweizer Franken ermittelt. Zu den Zahlungen sei es zwischen 2002 und 2005 gekommen. Grundlage der Ermittlungen ist der Untersuchungsbericht der Wirtschaftskanzlei Freshfields, die vom Deutschen Fußball- Bund mit der Aufklärung der Affäre beauftragt worden war. Nach der Prüfung dieses Berichts sah der selbst von zahlreichen Skandalen geplagte Weltverband FIFA  genügend Anhaltspunkte, um die Vergabe der WM 2006 zu untersuchen.

Foto: APA/dpa/Peer Grimm

Zwanziger: "Das hat keine Substanz"
Bereits am 6. November 2015 seien auch Verfahren gegen die früheren DFB- Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie Ex- DFB- Generalsekretär Horst R. Schmidt eröffnet worden, teilte die Behörde in Bern mit. Alle vier saßen im Organisationskomitee der WM 2006. Zwanziger sagte der Deutschen Presse- Agentur zum Strafverfahren, er sehe dem mit großer Gelassenheit entgegen und betonte: "Das hat keine Substanz." Er habe von den fraglichen Vorgängen nichts gewusst.

DFB-Ex-Chef Theo Zwanziger
Foto: APA/AFP/SEBASTIEN BOZON

Fragliche Vorkommnisse und Geldflüsse

Die gesamte Affäre und auch der Freshfields- Report sind durchsetzt mit fragwürdigen Vorkommnissen und Geldflüssen. Im Zentrum stehen zwei Zahlungen über 6,7 Millionen Euro. Mithilfe des früheren Adidas- Chefs Robert Louis Dreyfus überwiesen der OK- Chef Beckenbauer  und sein Manager Robert Schwan diese Summe 2002 zunächst über ein Konto in der Schweiz an eine Firma des früheren FIFA- Funktionärs Mohamed bin Hammam in Katar. 2005 zahlte das WM- OK die 6,7 Millionen verschleiert an Louis- Dreyfus zurück.

Foto: APA/EPA/MARC MUELLER

Fraglich sei, welchen Zweck diese 6,7 Millionen gehabt hätten. Die meisten der damals Beteiligten behaupten laut "Spiegel", die Zahlungen seien nötig gewesen, um einen Organisationskostenzuschuss in Höhe von 250 Millionen Franken durch die FIFA für die WM 2006 zu bekommen. Aber: Selbst die Freshfields- Untersuchung brachte keine endgültige Klärung. DFB- Ehrenkapitän Beckenbauer wies jedenfalls juristisches Fehlverhalten bisher stets von sich.

Foto: APA/AFP/PASCAL PAVANI

Bis zu fünf Jahre Haft drohen

Bislang hatte in diesem Fall die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen die damaligen Verantwortlichen wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Durch die Ermittlungen der Schweizer erlangt das Verfahren nun eine neue Dimension: So werde nach Schweizer Recht die "ungetreue Geschäftsbesorgung" mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zu drei Jahren geahndet, in besonderen Fällen drohen sogar bis zu fünf Jahre Haft.

Foto: APA/AFP/FABRICE COFFRINI

Fakt ist, dass inzwischen auch österreichische Behörden aktiv wurden. "Ich kann bestätigen, dass heute von unserer Behörde über Ersuchen der Schweizerischen Bundesanwaltschaft Rechtshilfe geleistet wurde", sagte Oberstaatsanwalt Konrad Kmetic, Mediensprecher der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft mit Sitz in Wien. Es sollen auch Hausdurchsuchungen in Salzburg stattgefunden haben. Ob Beweismittel sichergestellt wurden, ist nicht bekannt.

Anwälte: "Beckenbauer unterstützt Ermittlungen"

Zumindest gab es vonseiten der Anwälte Beckenbauers am Donnerstagabend erste offizielle Stellungnahmen. "Franz Beckenbauer hat die Ermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft unterstützt, seit er davon Kenntnis hatte", betonten die Juristen Werner Leitner und Michael Nesselhauf. Auch habe Beckenbauer "an der Durchsuchung konstruktiv mitgewirkt. Er kooperiert auch weiterhin mit allen beteiligten Behörden", ließ man wissen.

01.09.2016, 13:21
krone.at/AG
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der #Netiquette# widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2016 krone.at | Impressum