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"Schlierenzauer mit neuer Situation überfordert"

08.01.2016, 14:11

Gregor Schlierenzauer hat einen vorläufigen Schlussstrich gezogen in einer für ihn äußerst unbefriedigenden Situation. Er will Abstand gewinnen, "das Feuer neu entfachen und mir ohne Zeitdruck klar darüber werden, wie mein Weg weitergeht". Ex- Coach Toni Innauer glaubt, dass die neue Situation eines längeren Tiefs den 26- Jährigen überfordert habe.

Schlierenzauer , der Weltmeister, zweifache Olympia- Dritte und zweifache Weltcup- Gesamtsieger, stand seit seinem ersten Weltcupsieg als 16- Jähriger stets in einer Spitzenposition und im Mittelpunkt. Dass irgendwann ein größeres Tief kommt, ist im Leistungssport völlig normal.

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"Völlig neue Erfahrung"

Der Ex- ÖSV- Trainer und frühere Sportliche Leiter Innauer sieht aber gerade das erstmalige Erleben einer längeren Durststrecke als Mitgrund für die Probleme Schlierenzauers. "Es ist offensichtlich schwer für ihn, zu merken, dass die Anstrengungen nicht schnell zum Erfolg führen. Das ist eine völlig neue Erfahrung, die ihn sicher überfordert hat", erklärte der Vorarlberger.

Denn Schlierenzauer ist in seinen ersten sieben Weltcupsaisonen von einem Sieg zum nächsten geeilt, seine Rekordzahl an Erfolgen im Weltcup lautet auf 53. "Er hatte wenig gravierende Einbrüche in seiner Karriere und keine schweren Verletzungen", sagte Innauer. Auftretende Leistungsknicks habe man im Entstehen immer mit viel Aufwand abwenden können.

Erschüttert

"Gregor ist nie bis ganz unten gefallen. Das Gefühl, meilenweit von der Spitze weg zu sein, erfährt er nun das erste Mal. Das erschüttert ihn mehr als einen, der das schon erlebt hat", meinte der Olympiasieger von 1980. Und nannte als Beispiel Thomas Morgenstern, der sich nach Stürzen wieder nach oben kämpfen musste.

Der 57- Jährige hat immer noch tiefe Einblicke in die Szene. Deshalb wolle er auch nicht von außen Ratschläge erteilen, betonte Innauer. Er hätte es aber schon früher als interessantes Experiment gesehen, Schlierenzauer pausieren und zurückkommen zu lassen. "Gregor wäre der, der sich das leisten könnte."

Abgenützt

Der Wahl- Tiroler, der selbst als Teenager ein Star war, kann die Entscheidung Schlierenzauers denn auch nachvollziehen. "Er musste schon im frühen Alter kompetitiv sein, das nützt sich ab. Manches kann man nur mit Abstand regenerieren. An innere Dinge kommt man mit dem Willen nicht heran", betonte Innauer, der nach seiner schon mit 21 Jahren beendeten Karriere ein Lehramtsstudium in Philosophie/Psycholgie und Sport absolviert hat.

Nach seiner Tätigkeit als Lehrer in Stams und im ÖSV (bis 2010) hat sich Innauer als Buchautor, Seminarleiter und Vortragender auch im Ausland einen Namen gemacht. 2011 gründete er die Firma Innauer + (f)acts, die u.a. auch Sportler betreut.

Auch international ist Innauer im Spitzensport noch beratend aktiv. So arbeitet er etwa gemeinsam mit dem Vorarlberger Sportpsychologen Christian Uhl an einem Konzept zur Implementierung von Sportpsychologie im Alpin- Team des Schweizer Skiverbandes. Dieses mehrjährige Projekt hat die Ablöse des Initiators, des Österreichers Rudi Huber, als Alpindirektor überdauert. "Es ist in allen Gruppen angekommen", sagte Innauer.

08.01.2016, 14:11
AG/red
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