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Pichlmann: "Uns gilt es zu schlagen, wir sind 1."

26.02.2016, 09:44

Es geht wieder los - die Erste Liga startet ins Frühjahr 2016! Während der Abstiegskampf längst entschieden scheint, kämpfen an der Spitze mit Wacker Innsbruck, SKN St. Pölten und dem LASK gleich drei Teams um den Aufstieg. Dass die Tiroler nach ihrer Seuchensaison 2014/15 heuer ganz vorne dabei sind, verdanken sie vor allem auch den Toren von Sturm- Oldie Thomas Pichlmann, der am Fuße der Nordkette seinen x- ten Frühling erlebt. Mit sportkrone.at sprach der in bisher 16 Saisonspielen bereits 14 (!) Mal erfolgreiche Wiener über seine Erwartungen zum Frühjahr, die Aufstiegschancen der Innsbrucker, seinen 3. Platz bei der "Krone"- Fußballerwahl und einen Scudetto- verdächtigen Ex- Trainer.

sportkrone.at: Thomas, endlich geht’s wieder los mit der Ersten Liga, knapp drei Wochen nach dem Frühjahrsstart der Bundesliga, in die du mit dem FC Wacker Innsbruck  wohl sehr gerne zurückkehren würdest. Kribbelt’s schon?
Thomas Pichlmann:  Ja, natürlich! Ich mein', gerade in Österreich dauert die Wintervorbereitung sehr lange. Wir sind bereit für den Start, wir scharren schon in den Startlöchern - weil es kann keiner mehr erwarten.

sportkrone.at: Ihr nehmt das Frühjahr als Erster in Angriff, punktgleich mit dem SKN St. Pölten und zwei Zähler vor dem LASK.  Wie siehst du die Chancen, dass euch die Tabelle auch am Saisonende ganz oben ausweist und ihr am Ende aufsteigt?
Pichlmann: Es stimmt mich zuversichtlich, dass wir im Herbst zeitweise sehr guten Fußball gespielt haben. Wir haben einen tollen Lauf gehabt und eine tolle Siegesserie hinlegen können. Dann sind wir eingebrochen - aufgrund sehr vieler Verletzungen und des nicht so großen Kaders. Dadurch, dass wir uns verstärken haben können, sind wir jetzt, denke ich, stabiler geworden und werden einen längeren Atem haben. Dadurch sind wir ein heißer Kandidat dafür.

sportkrone.at: Du hast die Verletzungen angesprochen, wie schaut's da aus?
Pichlmann: Tja, wir haben leider Gottes wieder zwei, drei Ausfälle - gerade unser Kapitän Alex Hauser und der Alex Riemann fehlen natürlich schmerzlich. Aber wie ich eben gesagt habe: Wir haben zwei sehr gute Spieler dazubekommen und alle anderen konnten ihre Blessuren ausheilen. Es stehen also sehr gute elf Mann am Platz, wir haben eine gute Ersatzbank und wir sind Erster - uns gilt es zu schlagen!

sportkrone.at: Die Verstärkungen im Winter, das sind der offensive Este Henrik Ojamaa und der Verteidiger Christoph Kobleder - was hältst du von ihnen?
Pichlmann: Den "Kobi" kennt man in Österreich - das ist ein Spieler, der vor allem in der Ersten Liga beim LASK oder bei Austria Lustenau  sehr gute Leistungen erbracht hat. Beim WAC  hat es nicht so gut geklappt, aber das kommt im Fußball immer wieder vor. Da haben wir einen Mann mit einer sehr guten Qualität bekommen. Der Henrik hat eine sehr stolze Vita für seine jungen Jahre (lächelt)... er hat schon bei vielen Vereinen gekickt. Das zeigt, dass er ein Spieler ist, der immer für sehr gute Vereine interessant war. Er hebt unsere Qualität und wir hoffen, dass er bei uns in seinem Spiel Stabilität findet und uns dabei hilft, dass wir unser Ziel erreichen.

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sportkrone.at: Nicht ganz unbeteiligt am Höhenflug der Innsbrucker, die im Vorjahr ja bekanntlich erst ganz am Saisonende haarscharf dem Abstieg und damit dem Durchmarsch aus der Bundesliga in die Regionalliga entgangen waren, bist du: 14 Treffer bei 16 Einsätzen sprechen für sich und für das Erreichen dieses Ziels des Aufstiegs. Wie erklärst du dir deinen zweiten Frühling hier am Fuße der Nordkette?
Pichlmann: (lächelt) Ja, es hat hier vom ersten Moment an einfach alles perfekt funktioniert, sodass sich ein irrsinniges Wohlbefinden eingestellt hat. Sowohl von meiner Seite her als auch vom Verein. Außerdem hat die Mannschaft, die voriges Jahr sicher unterm Wert verkauft wurde, den einen Schritt gemacht, dass für mich als Stürmer viele Bälle kommen. Dadurch war ich einfach in der glücklichen Situation, viele Torchancen zu bekommen. Und mit ein bisschen Glück hat es sich für mich ergeben, dass ich das stärkste halbe Jahr in meinem Leben gespielt habe.

sportkrone.at: Was fehlt jetzt noch zum besten ganzen Jahr deiner Karriere? Du selbst nennst dahingehend ja gerne die "magische" 20- Tore- Marke.
Pichlmann: Mit den aktuell 14 Toren bin ich nahe dran, dass ich die 20 knacke. Das ist in meiner Karriere noch nie so gekommen. Einmal hab' ich 17 Tore geschossen, das ist das Höchste bisher - und jetzt natürlich das Minimalziel. Ich denke, wenn man einmal auf einen 20er in der Karriere zurückschauen kann, ist das etwas, das sehr lange in Erinnerung bleibt.

sportkrone.at: Wie ist es generell zu erklären, dass eine Mannschaft, die im vergangenen Sommer nominell nicht allzu prominent verstärkt wurde, auf einmal vom Nachzügler zum Aufstiegsaspiranten werden konnte?
Pichlmann: Der Verein ist aufgrund meiner Vergangenheit auf mich zugekommen, denn ich habe ja eigentlich fast immer eine zweistellige Toranzahl geschafft. Und bei Wacker hat man sich gesagt, es fehlt so ein Stürmer, der auch Tore schießt - denn wenn man sich den restlichen Kader anschaut, waren ja mit Jürgen Säumel,  Andi Hölzl,  Alex Hauser oder Pascal Grünwald  einige ehemalige Bundesliga- , und Teamspieler, ja sogar EM- Teilnehmer dabei, wo man sagen muss: Das kann doch nicht sein, dass die von der Qualität her nicht in der zweiten Liga bestehen können. Es hat anscheinend wirklich nur jemand gefehlt, der vorne hin und wieder auch einmal trifft … (lacht)...

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sportkrone.at: Musstest du angesichts der schwierigen vorangegangenen Saison des Klubs beim Angebot von Wacker Innsbruck eigentlich überlegen, ob du es annehmen solltest?
Pichlmann: Es war natürlich der Reiz da, einem Verein zu helfen, der so viel Tradition hat, und bei dem Fußballer gespielt haben, die für mich Idole waren als Junger. Ich hab' damals bei Pasching mit Michl Baur,  Roli Kircher  oder auch dem Radoslaw Gilewicz gespielt, das waren Legenden von Tirol. Der Reiz war dann so groß, dass ich einfach nicht widerstehen konnte, meine Duftmarke hier zu setzen.

sportkrone.at: Als Favorit seid ihr definitiv nicht in die aktuelle Spielzeit gegangen, eigentlich sah jeder Experte den LASK ganz vorne: Auch wenn es nicht deine Aufgabe sein kann, dir "den Kopf" eurer Konkurrenten zu zerbrechen, wie erklärst du dir den "Nicht- Durchmarsch" der Linzer?
Pichlmann: Ich erklär' das ganz einfach damit, dass mit St. Pölten und Wacker Innsbruck zwei Teams auch viele Punkte geholt haben. Der LASK hat ja keinen schlechten Herbst gespielt - von der Punkteanzahl haben alle Mannschaften, denke ich, einen guten Herbst gehabt. Natürlich hat man den LASK an erster Stelle erwartet, aber die Mannschaft musste sich erst finden - von der Qualität her ist der LASK natürlich trotzdem weiter die Nummer eins. Es haben aber einfach alle Mannschaften ihre Hausaufgaben gut erledigt, sodass sich keiner absetzen konnte.

Nur einige der potenziell Abertausenden Wacker-Innsbruck-Fans
Foto: APA/ROBERT PARIGGER

sportkrone.at: Das Innsbrucker Publikum gilt zwar traditionell als anspruchsvoll, aber wenn es beim Team läuft, dann strömt es auch dankbar zu Tausenden ins Stadion und himmelt die Wacker- Stars an. Wie fühlt sich das Leben als Goalgetter hier in Innsbruck an?
Pichlmann: Im Moment natürlich sehr schön! Und ich habe auch Fußball- Enthusiasmus in Italien erlebt, wo ich in Verona irrsinnige Euphorie gesehen habe. Tirol war wie ein schlafender Riese, wo viele gerne die goldene Zeit zurück hätten und sehr kritisch sind. Ich denke, wir haben heuer einen guten Job gemacht und im Moment bekommen wir so viel gutes Feedback, dass wir es genießen können, für den FC Wacker spielen zu dürfen.

sportkrone.at: Stichwort "dankbares Publikum": Du bist bei der heurigen "Krone"- Fußballerwahl auf Platz drei gelandet,  nur geschlagen von David Alaba  und Steffen Hofmann.  Was bedeutet dir diese Ehrung?
Pichlmann: Es ist eine Riesenehre für mich, dass ich in sechs Monaten in Tirol etwas leisten konnte, was die Fans so sehr honorieren. Es ist eine Bestätigung für die ganze Mannschaft, wenn die Fans sich bei so einer Wahl so intensiv beteiligen. Das heißt, dass die Mannschaft die Fans angesprochen und somit auch einen guten Job gemacht hat. Wie du vorher gesagt hast, das Publikum ist hier sehr kritisch und aufgrund der Stimmen, die ich bekommen hab', denke ich, dass das ein sehr gelungenes halbes Jahr war. Das erfüllt mich mit sehr viel Stolz und Ehre. Das war eiun einmaliges Erlebnis für mich!

Die Top 3 bei den Herren: Steffen Hofmann, David Alaba und Thomas Pichlmann
Foto: Gerhard Gradwohl

sportkrone.at: Ich hab gehört, dass da auch dein Vater etwas mitgeholfen hat?
Pichlmann: (lächelt) Der Papa ist normalerweise immer der gewesen, der mich unter die Top 30 gebracht hat. Vom Stockerlplatz wäre ich wegen ihm alleine weit entfernt gewesen. Ich sage einmal, zu 95 Prozent haben mich die Tirol- Fans tatkräftig unterstützt.

sportkrone.at: Lass uns auch etwas über den italienischen Fußball sprechen, immerhin hast du mehrere Jahre als Legionär bei Grosseto,  Hellas Verona  und La Spezia  verbracht. Zu deiner Zeit bei Grosseto in der Serie B hattest du für ein paar Monate einen Mann als Trainer, der aktuell drauf und dran ist, mit Napoli  erstmals seit mehr als 20 Jahren den Scudetto zu holen. Sein Name: Maurizio Sarri. Hättest du damals gedacht, dass der Mann einmal ein Meistertrainer werden würde?
Pichlmann: Nein, das hätte ich nicht gedacht! Gerade beim Trainer Sarri ist es so, dass er ein Typ ist, den man sich in Österreich nicht vorstellen kann. Er raucht zwei Packerl Zigaretten am Tag, es vergeht kein Trainingstag, wo nicht eine Wolke neben ihm ist. Aber er ist auch ein Besessener, ein Fußballverrückter, der sehr viel Wert auf Disziplin und Taktik legt - und einfach nach Italien passt. Und im Moment, wo der italienische Fußball ein bissl schwächelt, hat Napoli die Chance "das ganz Große" zu schaffen - und dann hätte ich einen Trainer gehabt, der mit Maradona auf eine Stufe gestellt wird (lacht)...

Napoli-Erfolgstrainer und passionierter Raucher: Maurizio Sarri
Foto: CARLO HERMANN

sportkrone.at: Was meinst du: Hält Napoli bis zum Saisonschluss durch oder läuft es wieder einmal auf Juventus  als Meister hinaus? Oder schlägt gar noch ein anderes Team zu?
Pichlmann: Also ich würde schon hoffen, dass es einmal wer anderer schafft. Juventus ist die große Macht in Italien und wird es auch die nächsten Jahre sein. Wenn's anders läuft, dann ist das ein Ausreißer. Ich glaube, dass viel davon abhängt, ob Juventus in der Champions League weiterkommt oder nicht. Wenn sie da ausscheiden und alles auf die Meisterschaft setzen, werden sie sehr schwer zu schlagen sein. Es müsste also schon eher ein Umfaller von Juventus dabei sein, als dass es alleine die Stärke von Napoli ausmacht, dass sie das schaffen.

sportkrone.at: Während Grosseto inzwischen nur mehr in der Serie D aufläuft, ist dein anderer Ex- Klub Hellas Verona in der Serie A - noch. Was traust du deinen Ex- Kollegen zu, die immerhin bis zum 3. Februar ihrem 1. Saisonsieg in der Liga nachlaufen mussten?
Pichlmann: Mir tut die Situation für Hellas extrem leid, weil gerade im Herbst noch mein ehemaliger Trainer und einige frühere Mitspieler dabei waren. Es ist bitter, weil der Verein eine irrsinnige Tradition hat, und ein Publikum, das die Serie A bereichert. Aber sie haben nicht aufgegeben - sie sind in der Rückrunden- Tabelle sogar in den Top 10, also sie haben sich ein bisschen erfangen. Ob‘s noch reicht? Es wird schwer, weil einfach der Abstand schon sehr groß war, aber ja, mir würd's extrem leid tun. Aber so ist der Fußball: Wenn sie absteigen, werden sie sicher eine Mannschaft stellen, um den Aufstieg gleich wieder zu schaffen.

sportkrone.at: Ein gutes Beinahe- Schlusswort: Wer schafft den Aufstieg aus der österreichischen Ersten Liga?
Pichlmann: (lacht) Ich habe immer gesagt, ich möchte mich vom Platz her nicht verschlechtern - damit gebe ich schon Antwort genug...

26.02.2016, 09:44
Hannes Maierhofer (in Innsbruck)
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