Foto: Gerhard Gradwohl

Koller: "Leicester ist ein gutes Zeichen für uns"

17.05.2016, 17:19

"Krone"- Sportchef Robert Sommer traf Marcel Koller in Zürich: Der Teamchef sprach dabei über seinen Orden, Hans Moser, die Kochkünste und seine EURO- Pläne.

"Krone": Herr Koller, was ist da in Ihnen vorgegangen bei der Überreichung des Goldenen Ehrenzeichens der Stadt Wien? Man hat Sie abseits eines Fußball- Stadions noch nie derart emotional gesehen?
Marcel Koller:  So etwas kenne ich aus der Schweiz nicht: Da kriegst du höchstens einen Schützenorden bei der Armee. Ich war echt überwältigt von der Stimmung im Rathaus.

Sommer überreicht Koller das druckfrische "Krone"-EM-Magazin.
Foto: Gerhard Gradwohl

"Krone": Woran haben Sie dabei gedacht?
Koller: Ganz ehrlich: an Hans Moser. Ich habe seine Filme immer geliebt, dieses typisch Wienerische, er war quasi mein erster Kontakt zu Österreich. Und als ich dann diesen prunkvollen Saal betreten habe, fiel mir alles wieder ein. Es hatte irgendwie etwas Symbolisches für mich.

"Krone": Anfangs hatten Sie ja doch Probleme mit unserer Mentalität, oder? Das ständige Raunzen, das ewige Zuspätkommen.
Koller: Also bei mir sind immer alle pünktlich erschienen! Aber vielleicht liegt's daran, dass die Leute das bei einem Schweizer automatisch machen. Ich fühle mich richtig wohl in eurem Land, auch die Sprache verstehe ich mittlerweile: Wenn einer Vorarlbergerisch redet, kann ich sogar als Dolmetscher einspringen. Nur mit dem Steirischen tu ich mir noch immer ein bisschen schwer.

"Krone": Schön langsam verdauen Sie ja auch den Wiener Schmäh, Herr Koller! In Österreich hat gutes Essen übrigens eine lange Tradition - wie schaut's eigentlich mit Ihren Kochkünsten aus?
Koller: Das Einzige, was mich meine Frau kochen lässt, ist ein Käsefondue.

"Krone": Im Ernst: Werden wir unsere EURO- Gegner mit Haut und Haaren fressen?
Koller: Sagen wir so: Wir werden nie zurückstecken, nie ängstlich sein, Vollgas geben und im positiven Sinne des Wortes provozieren. Der Ball kann in einzelnen Aktionen knapp vor oder knapp hinter der Torlinie landen, das kann man nicht planen. Aber man kann versuchen, das Glück zu erzwingen.

"Krone": Das klingt ja total optimistisch: Kann es passieren, dass es nach Dänemark 1992 und Griechenland 2004 heuer wieder einmal einen Sensations- Europameister gibt? Vielleicht sogar Österreich?
Koller: Favoriten sind klarerweise andere: Frankreich. Deutschland oder auch Spanien, die haben viel mehr Turnier- Erfahrung als wir. Aber möglich ist alles: Schauen Sie sich Leicester an, der krasse Außenseiter ist mit unserem Christian Fuchs englischer Meister geworden! Wer hätte das gedacht? Das ist ein gutes Zeichen für uns und erinnert mich daran, wie ich als Trainer mit St. Gallen 2000 Meister geworden bin. Dort hat man 96 Jahre auf diesen Titel gewartet, und plötzlich war die Sensation da.

"Krone": Mit Teamspirit geht also alles?
Koller: Auf jeden Fall ist er für unsere Mannschaft sehr, sehr wichtig: Wir sind es noch nicht gewohnt, derart lange zusammen zu sein. Da wird es auch darauf ankommen, dass jeder seine eigenen Bedürfnisse zurücksteckt.

"Krone": Geht das überhaupt in einem Team- Quartier, wo alle so zusammenkleben? Dürfen die Spieler eigentlich hin und wieder raus?
Koller: Gemeinsam schon! Aber einzeln wird das wohl aus Sicherheitsgründen nicht gehen.

"Krone": Entscheidend wird auch sein, dass niemand verletzt ist. Wie schaut's mit Aleksandar Dragovic und Marc Janko aus?
Koller: Dragovic arbeitet in Wien mit unserem Physiotherapeuten, Janko in Basel - beide werden fit sein.

"Krone": Und wie bereiten Sie sich ganz persönlich auf das Turnier vor?
Koller: Im Mittelpunkt steht natürlich das Taktische: Ich habe 17 Videos von den Isländern, 12 von den Ungarn und 10 von den Portugiesen - die werden genau studiert und für die Spieler zusammengeschnitten. Aber es gibt auch eine körperliche Vorbereitung für mich: Vor dem Trainingslager in Laax fahr ich noch mit dem Mountainbike auf einen 2000er.

"Krone": Der wahre Gipfelsturm soll dann bei der EURO folgen: Grüezi, Herr Koller!

17.05.2016, 17:19
Robert Sommer, Kronen Zeitung
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