Ein leeres Stadion bei einem EM-Spiel? Die UEFA schließt es nicht aus (Bild: Saint Denis in Paris).
Foto: APA/AFP/THOMAS SAMSON

Ja zur EURO - aber UEFA denkt an Geisterspiele

23.03.2016, 17:00

Der Terror von Brüssel - was bedeutet dieser für die EURO in Frankreich? Das fragen sich viele Fußball- Fans, die Antworten sind vielseitig: Für Frankreichs Sportsstaatssekretär Thierry Braillard ist eine Absage des Megaspektakels kein Thema, laut UEFA- Vize Giancarlo Abete könnte eine EURO ohne Zuschauer drohen...

Die Anschläge von Paris im November 2015 sind noch in Erinnerung (damals hatten die Teamspieler von Frankreich und Deutschland sogar eine Nacht in den Katakomben des Stade de France verbringen müssen), Dienstag der Terror in Brüssel - klar, dass da die EURO wieder in den Mittelpunkt rückt, leider nicht sportlich. Die jüngsten Reaktionen:

  • "Die Endrunde abzusagen oder zu verschieben hieße, diesen Feiglingen recht zu geben", sagte Frankreichs Sportsstaatssekretär Thierry Braillard in einem Interview mit der "L'Equipe", er betonte, dass die Sicherheit eine zentrale Frage bei den Vorbereitungen sei. "Im Hinblick auf die Sicherheit kann man nicht mehr tun", versicherte der 52- Jährige, "jede Mannschaft wird von Elitepolizisten bewacht werden, auch die Trainingsorte und Unterkünfte." Dass die UEFA an eine Absage denkt, glaubt er nicht: "In solchen Momenten darf man nicht Angst zur Angst hinzufügen".
  • Giancarlo Abete, Vizepräsident der UEFA, sprach im Radio das aus, was viele denken, befürchten: "Die EURO ist ein Ereignis, das man nicht einfach nach hinten verschieben kann. Wir können daher die Möglichkeit nicht ausschließen, dass hinter verschlossenen Türen gespielt werden muss - anders kann man den Terrorismus nicht ausschließen", so der 65- jährige Italiener.

"Hinter verschlossenen Türen" - bedeutet: Mannschaften, ein paar Offizielle und vielleicht noch Medien rein, Fans aber raus! Geisterspiele und Geisterstimmung - unvorstellbar...

Kommentar von "Krone"- Sportchef Robert Sommer:
Wer Zuschauer bei der EURO verbietet, muss auch Public Viewings untersagen, U- Bahnen einstellen, Flughäfen sperren und Restaurants schließen. Das Leben ist lebensgefährlich geworden - alles, was uns Spaß macht, löst den Hass unserer Feinde aus: das Reisen, das Feiern, der Fußball.

Sollen wir uns den Terroristen beugen? Nein, niemals! Anstatt die Fans von der Europameisterschaft zu verbannen, sollte man lieber die Terroristen jagen! Im Westen geht es immer nur ums Geld anstatt um Werte: Die UEFA fürchtet nicht nur Tote, sondern auch einen finanziellen Urknall bei einem möglichen Attentat - genauso ist es, auch wenn es sich kaum jemand auszusprechen traut. So viel kann man bei einem Turnier gar nicht einnehmen, dass man sich die Regress- Ansprüche von Hinterbliebenen leisten kann. Es klingt fürchterlich, ist aber traurige Realität: Auf Zuschauer zu verzichten, ist billiger als ein Attentat.

Wir benötigen aber ein Umdenken auf unserem Kontinent: Lasst uns die Freiheit, die wir alle so sehr genießen und die uns von der Welt der Terroristen unterscheidet, auch etwas kosten!

Europa hat die finanziellen Mittel, für Sicherheit zu sorgen: Die EU gibt für so viel Schwachsinn Geld aus, anstatt mit einem gemeinsamen Geheimdienst, einer starken Armee und einer bestens ausgebildeten Polizeieinheit mit anderen westlichen Staaten die Verbrecher zu suchen, zu finden und auszuschalten.

Die UEFA muss ihren Beitrag dazu leisten: Sperrt nicht die Fans aus, die diesen Sport so sehr lieben, sondern die Terroristen, die uns so sehr hassen! Das muss uns im wahrsten Sinne des Wortes etwas wert sein.

23.03.2016, 17:00
Peter Klöbl, Kronen Zeitung
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