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Deutschland feiert nach historischem Elfer- Krimi

02.07.2016, 23:49

Deutschland hat seinen Italien- Fluch beendet! Im Viertelfinale der EURO besiegte der Weltmeister seinen Angstgegner 6:5 nach Elfmeterschießen, nach 120 Minuten stand es 1:1 (Tore und Elfmeterschießen im Video oben). Zum Held avancierte der deutsche Goalie Manuel Neuer, der zwei Elfmeter parieren konnte und zum besten Spieler gekürt wurde. Es war eine historische Entscheidung: Noch nie wurden so vile Elfer bei einer Endrunde verschossen bzw. gehalten. Deutschland trifft nun im Halbfinale der Europameisterschaft auf den Sieger der Partie Frankreich gegen Island.

In einem völlig verrückten Elfmeterschießen brachte erst der 18. Versuch durch Jonas Hector in Bordeaux die Entscheidung. Gleich vier Schützen der Italiener waren davor gescheitert, bei den Deutschen waren es deren drei. Nach 120 Minuten war es in einem von Taktik geprägten Schlager 1:1 (1:1) gestanden. Mesut Özil hatte die Deutschen vor 38.764 Zuschauern in Führung gebracht (65.), den Italienern gelang durch einen Elfmeter von Leonardo Bonucci aber noch der Ausgleich (78.). Deutschlands Abwehrchef Jerome Boateng hatte ihn mit einem unnötigen Handspiel im Strafraum ermöglicht.

Das Elfmeterschießen wurde dann zu einem Nervenkrimi. Mit dem unmittelbar davor eingewechselten Simone Zaza, Graziano Pelle und Bonucci vergaben gleich drei der ersten fünf italienischen Schützen. Allerdings trafen bei den Deutschen auch Thomas Müller, Mesut Özil und Bastian Schweinsteiger, der den ersten Matchball ausließ, nicht vom Punkt. Nachdem schließlich auch noch Matteo Darmian an Deutschlands Torhüter Manuel Neuer gescheitert war, traf Hector.

Die Deutschen treffen nun im EM- Halbfinale am Donnerstag in Marseille auf den Sieger des letzten Viertelfinales zwischen Gastgeber Frankreich und Außenseiter Island. Bei der EM 2012 war das DFB- Team den Italienern im Halbfinale noch mit 1:2 unterlegen. Nun war für die "Azzurri", die im Achtelfinale noch Titelverteidiger Spanien (2:0) eliminiert hatten, auf bittere Art und Weise Endstation.

Löw stellt um

Joachim Löw hatte Feuer mit Feuer bekämpft. Deutschlands Teamchef stellte seine Defensive gegen das 3- 5-2 der Italiener ebenfalls von einer Vierer- auf eine Dreierkette um. Das hatte schon bei einem Test im März (4:1) funktioniert. Anstelle des im Achtelfinale gegen die Slowakei (3:0) starken Offensivmannes Julian Draxler rückte mit Benedikt Höwedes ein dritter Innenverteidiger ins Team.

Eine Adduktorenverletzung von Sami Khedira zwang Löw nach 15 Minuten zu einer weiteren Änderung. Für den Mittelfeldmann kam der erst kurz vor Turnierbeginn von einer Knieverletzung zurückgekehrte Schweinsteiger - und übernahm auch prompt die Kapitänsbinde von Neuer. Bei den Italienern herrschte im zentralen Mittelfeld noch größere Personalnot. Weil Daniele De Rossi verletzt und Thiago Motta gesperrt fehlte, musste Stefano Sturaro von Beginn an ran. Der 23- Jährige, bei Meister Juventus Turin kein Stammspieler, hatte erst im Juni im Nationalteam debütiert.

Rasenschach in Hälfte eins

Beide Teams neutralisierten einander mit Rasenschach auf hohem Niveau. Die Deutschen hatten zwar etwas mehr Ballbesitz, agierten bei Ballverlust aber ebenfalls mit zwei sehr defensiven Außenspielern. Vorsicht regierte. Ein Kopfball von Schweinsteiger landete zwar im Tor. Der DFB- Kapitän hatte davor aber ein klares Offensivfoul begangen (27.).

Italiens Startorhüter Gianluigi Buffon bekundete bei einer abgefälschten Flanke aufs kurze Eck leichte Probleme (36.). Einen harmlosen Versuch von Müller hatte er sicher (42.). Auf der Gegenseite startete Emanuele Giaccherini richtig, sein Querpass erwischte aber keinen Abnehmer. Der folgende Schuss von Sturaro wurde neben das Tor abgefälscht (43.).

Özil sorgt für die Führung

Nach Seitenwechsel kam Müller seinem ersten EM- Tor etwas näher. Seinen Schuss lenkte Alessandro Florenzi aber zum Corner ab (54.). Elf Minuten danach schlug Özil aus kurzer Distanz zu. Solostürmer Mario Gomez hatte Hector eingesetzt. Dessen von Leonardo Bonucci abgefälschter Querpass sprang Özil etwas glücklich genau in den Lauf.

Bonucci gleicht per Elfmeter aus

Die Deutschen setzten nach. Gomez hatte die Entscheidung auf der Ferse, brachte den Ball nach Vorarbeit von Özil aber nicht im Tor unter (68.). Wenig später musste der Sturmtank leicht angeschlagen für Draxler Platz machen. Italien klopfte durch Graziano Pelle an (74.), durfte sich aber bei Boateng für den Ausgleich bedanken. Der Bayern- Verteidiger hielt beide Arme über dem Kopf, als ihn der Ball traf. Bonucci versenkte den Elfmeter im rechten Eck. Es war Deutschlands erstes Gegentor im fünften Spiel des Turniers.

Mattia De Sciglio traf danach nur noch das Außennetz (89.), in der Verlängerung dominierte wieder die taktische Disziplin. Ein Schuss des eingewechselten Lorenzo Insigne bereitete Neuer keine Probleme (113.). Der Versuch, das Spiel danach schnell zu machen, ging beinahe ins Auge, weil der Stargoalie dabei den Schiedsrichter traf. Im Elfmeterschießen parierte Neuer die Versuche von Bonucci und Darmian.

Fluch besiegt

Deutschland hat damit zwar auch im neunten Anlauf bei einem Großereignis nicht gegen Italien gewonnen. Der "Fluch" ist dennoch besiegt. Nach den gegen Italien verlorenen Semifinali bei der WM 1970, der WM 2006 und der EM 2012 sowie der Niederlage im WM- Finale von 1982 gelang den Deutschen gegen ihren Angstgegner der Aufstieg. Im Halbfinale fehlt ihnen Innenverteidiger Mats Hummels wegen einer Gelbsperre.

Ergebnis:
Deutschland - Italien 1:1 nach Verlängerung (1:1, 0:0), 6:5 im Elfmeterschießen
Stade de Bordeaux, 38.764 Zuschauer, SR Kassai (HUN)
Tore: 1:0 (65.) Özil; 1:1 (78.) Bonucci (Handselfmeter)

Elfmeterschießen:
0:1 Insigne trifft
1:1 Kroos trifft
1:1 Zaza verschießt
1:1 Müller scheitert an Buffon
1:2 Barzagli trifft
1:2 Özil schießt an die Stange
1:2 Pelle verschießt
2:2 Draxler trifft
2:2 Bonucci scheitert an Neuer
2:2 Schweinsteiger verschießt
2:3 Giaccherini trifft
3:3 Hummels trifft
3:4 Parolo trifft
4:4 Kimmich trifft
4:5 De Sciglio trifft
5:5 Boateng trifft
5:5 Darmian scheitert an Neuer
6:5 Hector trifft

02.07.2016, 23:49
AG/red
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