Foto: AP, pretorianews.newspaperdirect.com, e-edition.citizen.co.za

"Schande" - große Empörung nach Pistorius- Urteil

13.09.2014, 14:50
Das milde Urteil gegen Paralympics-Star Oscar Pistorius hat in Südafrika eine Flut von ungläubigen und wütenden Reaktionen ausgelöst. Fast alle großen Zeitungen des Landes machten am Samstag auf ihren Titelseiten deutlich, dass sie auf eine härtere Entscheidung von Richterin Thokozile Masipa gehofft hatten. Die meisten veröffentlichten dazu Fotos des 27-Jährigen, auf denen er weinend zu sehen ist. Der "Citizen" hatte schon am Freitag gefordert: "Sperrt ihn ein!" Am Samstag setzte er mit dem Wort "Schande" nach.

Masipa hatte Pistorius am Freitag wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, ihn aber vom Vorwurf des Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp freigesprochen. "Oscar's great escape" (auf Deutsch etwa: "Oscars großes Entkommen"), titelte die Zeitung "Pretoria News", während die Nachrichtenagentur Sapa monierte, dass der beinamputierte Sportstar nach dem Urteil keinerlei Emotionen gezeigt habe. Wie viele Südafrikaner zeigte die Zeitung "Beeld" vor allem Solidarität mit der Familie des Opfers: "Reevas Eltern können es nicht glauben", schrieb das auf Afrikaans erscheinende Blatt.

Steenkamps Vater glaubt Version des Sportlers nicht

Der Vater der getöteten Reeva Steenkamp stellt die Version des 27- Jährigen zum Ablauf der Todesnacht ohnehin weiter infrage. "Da fehlt noch immer etwas", sagte Barry Steenkamp dem britischen Sender ITV News. Zu der gesamten Geschichte, die damit endete, dass seine Tochter von Pistorius erschossen worden sei, gehöre "noch mehr".

Reevas Mutter June sagte dem Sender, nachdem Pistorius vom Vorwurf des Mordes und des Totschlags seiner Freundin entlastet worden sei, sei die Familie "geschockt" und "enttäuscht" gewesen. Es zerreiße ihr das Herz, denn alles, was sie wolle, sei "die Wahrheit", sagte sie.

Steenkamps Mutter: Gerichtsentscheidung "nicht richtig"

Schon kurz nach der Urteilsverkündung hatte June Steenkamp im Gespräch mit dem Sender NBC News die Gerichtsentscheidung als "nicht richtig" bezeichnet. Ihre Tochter sei auf "grausame, schmerzvolle und schreckliche" Weise getötet worden und sie könne nicht glauben, dass das Gericht der Meinung sei, dies sei ein Unfall gewesen.

Auch Rechtsexperten waren überrascht von der Entscheidung. Der Strafrechtler Lovell Fernandez aus Kapstadt sprach von einem "umstrittenen Urteil, das bei der Bevölkerung großen Ärger ausgelöst hat". Viele im Land sind überzeugt, dass der Sportler nur deshalb einem härteren Urteil entgangen ist, weil er berühmt und reich ist.

13.09.2014, 14:50
AG/red
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