Foto: GEPA / Video: krone.tv

Raul Santos: "Ich bin gerne der Lustige"

18.01.2015, 13:54
Handball-Star Raul Santos ist im österreichischen Nationalteam eine wichtige Stütze. Vor allem seine vielen Wurfvariationen und außergewöhnliche Sprungkraft zeichnen den 22-jährigen Österreicher mit dominikanischen Wurzeln aus. Im krone.at-Interview spricht der Gummersbach-Legionär über seine ersten Eindrücke bei der WM in Katar, den Generationenwechsel im Team und seine Karriere als Rapper. Im Video oben erklärt Raul in der krone.tv-Reportage, wie er sein Leben nach einer schwierigen Kindheit mithilfe von Handball in den Griff bekommen hat.

krone.at: Was sind deine Eindrücke bei deiner ersten WM?
Raul Santos: Hier herrscht Big City Life, Katar hat viel Geld investiert. Aber wie soll ich sagen, es ist hier ganz eigen, anders als in Europa. Aber ich finde es toll, dass man viele internationale Mannschaften sieht, wie z.B Argentiniern oder Brasilien, die spielen ganz anderen Handball als in Europa, mir gefällt das. Ich schau gerne solche Spiele. Von der Stadt Doha hab ich noch nicht viel gesehen, wir waren nur kurz in der Shopping Mall, der Handball steht für uns im Fokus.

krone.at: Warst du nervös vor dem ersten Spiel gegen Kroatien bzw. eingeschüchtert von diesem Gigantismus?
Santos: Nein, wir haben uns vorgenommen, einen guten Start hinzulegen, aber dann leider nicht rein gefunden. Ich hab mit Einzelaktionen versucht zu riskieren, es ist nicht immer aufgegangen.

krone.at: Was ist möglich bei dieser WM?
Santos: Kein Spiel ist einfach. Es wird gegen jede Mannschaft schwer werden, wir schauen von Spiel zu Spiel. Iran kenne ich zwar nicht, aber auch die können Handball spielen. Wenn wir unsere Leistung abrufen, ist alles möglich.

krone.at: Der nächste Gegner heißt Tunesien – was erwartest du dir von diesem Spiel?
Santos: Ich kenne einige Spieler wie z.B. Wael Jallouz, das ist eine körperlich starke, robuste Mannschaft, die Handballverständnis hat. Ich kenne auch den Trainer Sead Hasanefendic, als er in Gummersbach war. Ich weiß, wie ehrgeizig er ist. Ich denke, sie werden heiß auf einen Sieg sein. Wir müssen schauen, dass wir mit viel Kampf reingehen und gut starten.

krone.at: Fünf Spiele in sieben Tagen - wie gehst du mit der Intensivbelastung um?
Santos: Den Sieg gegen Bosnien konnten wir leider nicht richtig feiern, es ist schon sehr belastend, wir versuchen, jeden Tag für Regeneration zu nutzen um fit zu sein für das nächste Spiel.

krone.at: Bald wird es einen Generationenwechsel im österreichischen Nationalteam geben – wie siehst du das?
Santos: Klar wird die Mannschaft anders strukturiert sein. Von Viktor kann man unheimlich viel lernen, er ist ein Führungsspieler, egal ob persönlich oder am Spielfeld. Er weiß auch, dass er Spiele entscheiden kann. Er wird uns sicher fehlen, wenn er seine Karriere beendet, aber nicht nur er, auch Vytautas (Ziura) oder Nikola (Marinovic). Aber die Jungen kommen nach, wie z.B. Nikola Bilyk, die Zukunft ist vielversprechend.

krone.at: Du bist mit elf Jahren von der Dominikanischen Republik nach Leoben gekommen? Wie hast du die erste Zeit in Österreich erlebt?
Santos: Ich hab mich eigentlich schnell angepasst, ich komme mit Leuten gut aus, hab schnell Freunde gefunden. In der Schule hatte ich viel Unterstützung von Lehrern.

krone.at: 2013 bist du von Leoben nach Gummersbach in die deutsche Bundesliga gewechselt und hast auch dort sehr schnell Fuß gefasst.
Santos: Ja, wie gesagt, ich bin jemand, der sich schnell einlebt. Ich bin gerne der Lustige, in Gummersbach sind wir eine junge Truppe, lachen viel. Das ist ein Verein mit einer großen Handballtradition, das merkt man, wenn man durch die Straßen spaziert, wird man drauf angesprochen.

krone.at: Wie blickt man in Deutschland auf den österreichischen Handball?
Santos: Wir sind ja viele Legionäre in Deutschland, da kennen sich einige Jungs untereinander. Man tauscht sich aus, Bregenz oder Hard sind schon bekannt in Deutschland. Jeder zeigt Respekt vor dem österreichischen Team.

krone.at: Viele Experten sind der Meinung, dass du ein ganz großer Handballer werden kannst – verspürst du einen gewissen Druck?
Santos: Nein, Druck nicht. Im Gegenteil - ich will einfach Handball spielen und versuche, das Beste daraus zu machen. Ich mach mir da keinen Kopf, ich habe gezeigt, was ich drauf habe.

krone.at: Du hast eine Berufsausbildung zum Produktionstechniker gemacht – war dir das wichtig, neben deiner sportlichen Karriere noch ein zweites Standbein zu haben?
Santos: Ja, das war mir wichtig. Ich kann schließlich nicht ewig Sport machen, man weiß nie, was passiert. Du kannst blöd hinfallen und bist verletzt. Da brauchst du eine Absicherung. Ich denke, das war eine vernünftige Entscheidung und wichtig. Die Ausbildung bei der Voest Alpine war sehr gut und hat mir viel Spaß gemacht, das waren super Jungs. Aber es war auch anstrengend mit der Handball- Doppelbelastung. Jeden Tag um sechs Uhr früh auf, aber so habe ich das Arbeitsleben kennen gelernt, das war eine wichtige Erfahrung.

krone.at: Wie sieht es eigentlich mit deiner Karriere als Rapper aus? Da gibt es doch ein paar Tracks von dir im Internet.
Santos: Ich hab ein bisschen was gemacht als ich noch in Österreich war, aber das ist nur ein Hobby. Leider hab ich jetzt keine Zeit mehr dafür, wobei ich mich doch freuen würde, wieder einen Track zu machen.

krone.at: Ein Duett mit Tommy Bauer vielleicht?
Santos: (lacht) Das wäre auch eine Variante.

krone.at: Du experimentierst auch gerne mit deiner Frisur – gibt es schon neue Ideen?
Santos: Ich will einfach hübsch aussehen (lacht). Ich hab hier in Doha schon einen Frisör gesucht. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, ist das schon wichtig, aber ich möchte nicht nur mit meiner Frisur auffallen, sondern mit meiner sportlichen Leistung.

18.01.2015, 13:54
Stefanie Riegler in Doha
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