Foto: KRISTIAN BISSUTI

Prokop: "Brauchen keine Töchter in der Hymne!"

07.07.2015, 16:38
Gunnar Prokop wird am Samstag 75 Jahre alt. Im großen Interview mit "Krone"–Sportchef Robert Sommer sorgt er für Aufregung. Warum er gegen die neue Hymne, aber für Anna Fenninger ist. Außerdem verrät der Ex-Trainer sein Geheimnis im Sport.

"Krone": Gunnar, wir sitzen hier beim Heurigen "Nigl" in Perchtoldsdorf und stoßen schon jetzt auf deinen 75. Geburtstag am Samstag an – wie schaffst du es, noch immer derart fit auszusehen? Ist es der gesunde Wein?
Gunnar Prokop : Vielleicht (lacht). Aber in erster Linie, weil ich nach wie vor ein begeisterter Sportler bin – ab einem gewissen Alter musst du dich völlig verausgeben und Spaß an der Qual und der Überwindung haben: Ich fahr mit dem Mountainbike 80.000 Höhenmeter im Jahr. Und dazu kommt natürlich meine Familie mit vier Enkeln, die mich jung halten.

"Krone": Du warst immer ein überaus erfolgreicher Frauen- Trainer, hast mit deiner Gattin Liese 1968 Olympiasilber im Fünfkampf geholt und mit den Hypo- Handballerinnen achtmal die Champions League gewonnen. Warum gerade Damen? Sprechen sie, wie ÖSV- Präsident Peter Schröcksnadel vor kurzem behauptet hat, wirklich eine andere Sprache?
Prokop: Mein Geheimnis ist: Frauen kannst du erst trainieren, wenn du das Märchen von Schneewittchen verstehst.

Foto: Kronen Zeitung

"Krone": Wie bitte?
Prokop: Dann erklär ich's dir! Die Königin blickt in den Spiegel und fragt: Wer ist die Schönste im ganzen Land? Es geht immer um Eitelkeit. Jedes Mädchen, auch jede Sportlerin, hat das Gefühl, sie ist die Schönste.

"Krone": Und was bedeutet das für dich?
Prokop: Damit kann man sie als Trainer motivieren. Ich hab mit Hypo Champions- League- Partien erlebt, vor denen sie vor Nervosität gezittert haben – aber geschminkt und eingetüftelt haben sie sich allemal.

"Krone": Du als Frauen- Experte hast sicher auch eine Ansicht zum neuen Text unserer Bundeshymne.
Prokop: Den brauchen wir nicht! Da stehe ich zu 100 Prozent hinter Andreas Gabalier, der die gleiche Meinung vertritt. Ich sag bei Diskussionen am Stammtisch immer: Frauen haben nach dem Krieg Österreich aufgebaut – damals haben sie die neue Hymne nicht gebraucht, aber jetzt sind wir alle deppert.

"Krone": Sollten wir unsere großen Töchter wirklich nicht ehren?
Prokop: Frauen, die etwas zustande bringen, brauchen so etwas nicht.

"Krone": Dem ÖSV hat man im Fall Fenninger Frauenfeindlichkeit vorgeworfen. Siehst du das auch so?
Prokop: Nein! Obwohl ich in dieser Auseinandersetzung voll und ganz hinter Anna stehe: Sie ist keine Angestellte des Skiverbandes und kann werben, für wen sie will. Ich bin mir völlig sicher: Bei einer Klage würde sie Recht bekommen – das wäre ein zweiter Fall Bosman, der ja den Fußball erschüttert hat. Da würde im Skisport eine Bombe platzen.

"Krone": Kann eigentlich Peter Schröcksnadel mit seinem Projekt Rio den heimischen Sommersport retten?
Prokop: Nein! Er ist zwar ein unglaublicher Manager, hat aber bei den eigenen Verbandsstrukturen genug Probleme: Sonst könnte es nicht sein, dass wir im Slalom hinter Marcel Hirscher nirgends sind.

"Krone": Beim Skifahren gewinnen wir ja trotzdem genug, aber sonst stecken wir seit Jahren in einer hartnäckigen Krise. Warum?
Prokop: Österreich ist keine Sport- Nation! Österreich bewegt sich nicht.

"Krone": Kann die tägliche Turnstunde daran etwas ändern?
Prokop: Nein! Weil sie niemals kommen wird: Wir haben weder das Personal dazu noch die Sportstätten.

"Krone": Gunnar, du siehst dich ja nicht nur als großen Frauenversteher, du hast auch eine sehr exponierte Meinung zum Thema Doping.
Prokop: Und die lautet: Was gesundheitsschädigend ist, gehört verboten. Der Rest muss erlaubt sein. Sportler werden oft wie Verbrecher behandelt, das regt mich wahnsinnig auf. Jetzt sollen Kontrollen sogar mitten in der Nacht möglich werden, das ist ja total irre! Dabei ist Doping nichts anderes als ein Regelverstoß, der natürlich geahndet werden muss. Aber bitte nicht kriminalisieren!

"Krone": Das ist, höflich formuliert, eine sehr liberale Sicht der Dinge.
Prokop: Topmanager, die tagelang durcharbeiten, schlucken auch Aufputschmittel. Wieso werden sie nicht bestraft? Sport ist genauso ein Beruf. Wo ist da die Gleichbehandlung?

"Krone": Prost – und alles Gute zum Geburtstag!

07.07.2015, 16:38
Robert Sommer, Kronen Zeitung
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