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25.07.2017 - 20:50
Kabelgegner aus Kuchl, Scheffau und Adnet fahren zur Berufungsverhandlung nach Wien.
Foto: Wolfgang Weber

Zerstört Salzburg nich tmit Monster- Freileitung

16.07.2017, 18:07

Montag beginnt im Wiener Bundesverwaltungsgericht eine entscheidende Weichenstellung für Salzburg Zukunft: Wird das Land auf Jahrzehnte durch Riesenmasten und eine weitere Freileitung zerstört? Tausende Salzburger protestieren dagegen.

10.000 Protestunterschriften gibt es im ganzen Land gegen die drohende 380- kV- Freileitung, 3000 davon alleine im Tennengau. Von Adnet fährt mit Zwischenstopp in Koppl/Eugendorf ein voll besetzter Bus mit 60 Aktivisten zur Verhandlung nach Wien. Freileitungs- Gegner aus Bruck, Fusch, Taxenbach, Bischofshofen, Scheffau, Kuchl und zahlreiche Experten, die sie unterstützten, reisen ebenfalls an. Für sie steht fest: "Von den Fakten hat die Freileitung keine Chance, alles spricht für das Erdkabel."

Bei einem Unwetter 2014 zerstört: 380er Mast in der Gemeinde Mittersill.
Foto: Stadtgemeinde Mittersill

Faktencheck zum Thema Machbarkeit: "Weltweit gebe es keine vergleichbare Anlage in einem 380- kV- Ringnetz", so steht es im Genehmigungsbescheid des Landes: "Für die Beurteilung des Standes der Technik ist es von entscheidender Bedeutung, dass eine bestimmte Technologie bereits erprobt und erwiesen ist." Hier irrt das Land: Europaweit wurden seit 2012 rund 8000 Kilometer Starkstromkabel in die Erde verlegt, selbst CSU- Ministerin Ilse Aigner schwärmt, was Bayern betrifft: "Ich bin froh, dass wir die großen Übertragungsnetze jetzt unterirdisch verlegen, dass hat die Akzeptanz bei der Bevölkerung wesentlich erhöht."

Berufungsverhandlung soll zeigen: Es gibt Alternative

Die Kostenfrage: "Selbst wenn das Erdkabel, vorsichtig gerechnet, doppelt so teuer käme, ist es die richtige Investition", rechnet Rechtsanwalt Dr. Wolfgang List für die IG Erdkabel vor: "Denn die unversehrte Natur wird in Zukunft eine riesige Bedeutung bekommen." Mehr als 600 Millionen Investitionskosten gibt der Verbund für die 128 Kilometer (Kaprun bis St. Peter am Hart in OÖ ) an, laut Verbund- Chef Wolfgang Anzengruber koste ein Erdkabel "siebenmal so viel".

"Das ist völlig falsch", so rechnet Ing. Claus Rennert von der deutschen Infranetz AG vor: "Für zwei Systeme und die restlichen 108 Kilometer zwischen Kaprun und Salzburg in Vollverkabelung mit Ausleitungen in Golling und im Pongau kommen wir ohne Transformatoren auf Kosten von 277,55 Millionen für die Kabelanlage und auf weitere 154,78 Millionen für den Tiefbau. Gesamtkosten (allerdings ohne Grundablösen) somit 432,34 Millionen Euro.

Bis auf strittige Kosten spricht alles für ein Erdkabel

Salzburgs Experte Dr. Rupert Haslinger hat nachgerechnet, wie sich die Kosten fürs Erdkabel auf den aktuellen Strompreis auswirken: Bei einem Durchschnittshaushalt mit 5000 Kilowattstunden, hochgerechnet auf eine Leitungs- Betriebsdauer von 80 Jahren, wären das 45 Cent im Jahr!

Thema Versorgungssicherheit: Da ist das Erdkabel weitaus sicherer als die Freileitung mit ihren anfälligen Masten.

Nach dem Orkan Kyrill 2007 waren eine Million Menschen ohne Strom, weil Masten wie Zündhölzer knickten. Und in Zeiten des Terrors sind die Stahlungetüme ein leichtes Ziel.

Gibt es überhaupt ein öffentliches Interesse am Bau dieser 380- kV- Leitung, wie Verbund und Land Salzburg behaupten? "Nein", so Theo Seebacher, Präsident der Interessengemeinschaft Erdkabel: "Die einzige ehrliche Angabe in der Bewilligung dazu lautet: Sie dient der Realisierung des europäischen Strombinnenmarktes."

Nicht zuletzt ist es der enorme Flächenverbrauch und die geigantischen Rodungen selbst in Schutzwäldern, die für eine Freileitung notwendig wären: 800 Hektar Wald wären abzuholzen! In Zeiten des Klimaschutzes eine Wahnsinns- Aktion: Jeder Hektar bindet 13 t CO2! Bio- Bauer Toni Sommerauer aus Adnet: "Das Schweigen der politischen Unschuldslämmer im Land Salzburg muss angesichts dieser Fakten endlich ein Ende haben."

Wolfgang Weber, Kronen Zeitung

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