Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
21.08.2017 - 01:40

Unfall in Alu- Werk: Kollege schaltete Ofen irrtümlich ein

11.03.2012, 20:53
Die Ursache für den schrecklichen Hitzetod zweier Arbeiter in einem Ofen im Aluminiumwerk der SAG in Lend im Salzburger Pinzgau ist geklärt: Es war eine besonders tragische Verkettung unglücklicher Umstände. Ein Kollege hatte – nicht wissend, dass jemand im Ofen ist – den Einschalt-Knopf betätigt. Unbemerkt nahm das Drama daraufhin seinen Lauf.

In der Nacht auf Samstag meldete sich ein SAG- Mitarbeiter, ein sogenannter Ofenwerker, bei der Polizei, weil er noch einmal zum Unfall von Donnerstag aussagen wollte. Dabei stellte sich heraus, dass er unwissend das Unglück ausgelöst hatte.

Der Mann hatte Donnerstag früh im Werk III bemerkt, dass sich beim Vorwärm- Ofen 1 eine Metallplatte gelöst hatte. Er entfernte diese mit dem Stapler aus dem Inneren, stellte sie daneben ab und meldete den Schaden, während er die übrigen Öfen schloss und damit die Aufheizphase einleitete.

"Zeitpunkt war nicht vereinbart"

Der Schichtführer schickte daraufhin – wie berichtet (siehe Infobox) – die beiden Arbeiter Reinhard P. (55) und Bernhard J. (48) in den Rohmetall- Vorwärmofen, um ein heruntergefallenes Blech zu montieren. "Ein genauer Zeitpunkt war nicht vereinbart", zitierte am Montag Polizei- Sprecher Anton Schentz aus dem Erhebungsbericht der Kriminalisten.

Als der Ofenwerker gegen 9 Uhr zum Ofen zurückkehrte, stand die Metallplatte noch immer daneben. Da er weder Menschen noch Werkzeug in der Nähe sah und auch keine Meldung erhalten hatte, dass sich jemand im Ofen befindet, schloss er vom Hubstapler aus per Fernbedienung die 28 Zentimeter dicke Schiebetüre und leitete das Aufheizen ein - die 700 Grad heiße Abluft vom Schmelzofen strömte in den abgeriegelten Raum. Die Männer verbrannten hilflos. Ihre Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit verkohlt.

Arbeiter aktivierten Sicherheitsstufen nicht

Laut SAG hatten die beiden Mitarbeiter keine der vier Sicherheitsstufen aktiviert: So muss erstens die Kammer komplett elektrisch abgeschaltet und am Schlüsselschalter ein Vorhängeschloss angebracht sein; zweitens muss der Betrieb auf "manuell" geschalten sein, womit er nicht von außen per Fernbedienung aktiviert werden kann; drittens müssen Wartungsarbeiten generell deutlich sichtbar - etwa mit Warnhinweisen oder Schildern - gekennzeichnet sein, und viertens muss das Wartungsteam einen Bolzen anbringen, der das vollständige Schließen der Türe und damit das Anfahren des Einschaltmechanismus verhindert.

"Er ging davon aus, die Wartung sei abgeschlossen"

Da die beiden Männer keinerlei Werkzeug bei sich hatten, geht die Polizei davon aus, dass sie gar nicht zur Reparatur in den Ofen gestiegen waren, sondern nur kurz, um den Schaden zunächst zu begutachten. Offenbar genau in diesem Augenblick dürfte der Kollege das Tor geschlossen und per Fernbedienung den Erhitzungsknopf gedrückt haben. "Es kann sich da maximal um eine Minute gehandelt haben", so Schentz.

"Er ging davon aus, die Wartung sei abgeschlossen. Er machte seinen Job, da er kein Warnschild sah und sich die Türe routinemäßig verschließen ließ", erklärte dazu Vorstandsmitglied Karin Exner- Wöhrer.

Bei Einhaltung der genannten Sicherheitsstufen wäre laut Exner- Wöhrer ein derartiger Unfall ausgeschlossen. "Einer der verstorbenen Kollegen hat 1971 seine Lehre bei uns begonnen und war ein sehr erfahrener Schlosser, ein profunder Kenner aller Sicherheitsmaßnahmen, und er hat alle Schulungen regelmäßig absolviert. Wir wissen nicht, warum er mit seinem jüngeren Kollegen die Vorwärmkammer betrat und keine der vier Sicherheitsstufen aktivierte."

11.03.2012, 20:53
AG/Max Grill, Kronen Zeitung/red
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2017 krone.at | Impressum