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16.08.2017 - 22:44

Sbg: Luchs büxte aus, weil Zaun nicht unter Strom stand

27.08.2012, 20:06
"Vivious", der am Sonntag aus dem Salzburger Tiergarten Hellbrunn entkommene Luchs, ist zwar weiterhin auf der Flucht - doch immerhin weiß man jetzt, wie das Tier überhaupt aus seinem Gehege entkommen konnte. Der Sicherheitszaun hatte nicht unter Strom gestanden, wie eine Zoo-interne Expertenkommission herausfand.

"In der Nacht auf Sonntag gab es Sturm. Dabei brachen Äste von Bäumen ab und kamen im hinteren Teil des Geheges auf dem Elektro- Draht zu liegen. Sie haben eine Erdung hergestellt, darum war kein Strom im Draht", erklärte der deutsche Wildtierexperte und Leiter der Untersuchungskommission, Henning Wiesner (Bild 2). "Der Luchs hat mit seinem guten Gehör gemerkt, dass kein Saft mehr fließt, das typische Knistern war weg. Darum konnte er den Zaun schließlich hinauflaufen und sich auf der anderen Seite runterfallen lassen."

"Es war ein Versäumnis"

Wiesner, langjähriger Direktor des Münchner Zoos Hellabrunn, sprach zwar von einem dummen Zufall. "Allerdings war es ein Versäumnis, am Morgen nicht zu prüfen, ob Strom im Draht ist." Zusätzlich werden die bisherigen Stromtaktgeräte am Gehege nun mit einem System ausgerüstet, das sich bereits bei der Löwenanlage im Zoo bewährt hat: Bei einem Ausfall ergeht eine Mitteilung per SMS an den diensthabenden Tierpfleger.

Wiesner warnte auch vor einer Dramatisierung des Vorfalls. "Luchse sind harmlose Tiere, die nie einen Menschen oder ein Kind angreifen würden. Anderswo werden sie ausgewildert, um ihren Bestand wieder zu erhöhen." Sollte die eineinhalb Jahre alte Raubkatze nicht mehr zurückkommen oder gefangen werden, "kann man nur hoffen, dass sie Anschluss zu Luchs- Populationen findet. Wahrscheinlicher ist leider aber, dass ihr Leben auf irgendeiner Autobahn endet".

"Yvonne"- Bändiger mit Blasrohr im Einsatz

Waren Montag früh noch 20 bis 25 mit Funkgeräten ausgestattete Helfer zur Suche nach der Raubkatze ausgerückt, wurde die Suchaktion später auf ein Minimum zurückgeschraubt: "Wir werden zwar weiter kontrollieren, ob der Luchs nicht irgendwo auftaucht. Aber wir brauchen jetzt einmal Ruhe und warten, bis die Fallen stehen", so Wiesner. Aus dem Nationalpark Bayrischer Wald werden nun zwei Luchsfallen geliehen, die beim Fang helfen sollen. "Wir legen dann Köder aus und hoffen, dass ihn der Hunger in die Falle treibt."

Wiesner selbst war bereits im Vorjahr an der Betäubung der entlaufenen Kuh "Yvonne" in Bayern beteiligt und gilt generell als Wildtier- und Blasrohr- Experte. "Er hat eine ganz eigene, neue Technik der Betäubung mit dem Blasrohr entwickelt", erklärte Zoosprecherin Christine Beck. Zootierarzt Jochen Lengger und Betriebsleiter Rupert Eckkramer (Bild 3) seien zudem mit Betäubungsgewehren auf der Jagd nach dem Tier.

Bei Gehege- Reinigung aufgeschreckt

Vivious ist rund 14 Kilogramm schwer und 50 Zentimeter groß und befand sich erst seit 7. August im Salzburger Zoo. Das Tier wurde am Sonntag gegen 8.30 Uhr bei der Reinigung seines Geheges durch eine Tierpflegerin offenbar aufgeschreckt und kletterte daraufhin über einen dreieinhalb Meter hohen Zaun. Dann verkroch sich das Männchen im Dickicht auf dem Hellbrunner Berg. Zoomitarbeiter konnten sich dem Tier im Laufe des Nachmittags zwar bis auf wenige Meter nähern, doch war es im verwachsenen Gelände nicht möglich, einen Betäubungspfeil abzuschießen.

Bereits zwei Mal Geparden ausgebüxt

Der aktuelle Vorfall ist nicht der erste im Salzburger Zoo: Bereits zuvor waren in diesem Jahr - wie berichtet - zwei Mal Raubkatzen aus ihrem Gehege in Hellbrunn ausgebüxt. Am 5. Juni rissen zwei weibliche Geparden aus, verließen das Tiergartengelände und marschierten Richtung Anif. Die Rufe der Mutter - und der Einsatz Dutzender Tierpfleger und Polizisten - bewegten die beiden Weibchen schließlich zur freiwilligen Rückkehr.

Eines der beiden Tiere entkam dann am 1. Juli neuerlich. Nach rund zehn Minuten konnte es wieder ins Gehege zurückgedrängt werden. Dieser Vorfall wurde erst zwei Wochen später bekannt. In der Folge wurde beschlossen, den Neubau der Geparden- Anlage vorzuziehen. Die Arbeiten sind inzwischen im Gang und werden voraussichtlich im Oktober abgeschlossen.

Kritik der Grünen: "Es ist fünf nach zwölf"

Kritik am Tiergarten übten am Montag die Stadt- Grünen: "Was das Image des Zoos betrifft, ist es nach diesem Zwischenfall fünf nach zwölf. In der jüngsten Aufsichtsratssitzung wurde mir versichert, dass bis auf die Geparden alle Tiere ausreichend gesichert seien", betonte Gemeinderat Bernhard Carl, selbst Mitglied im Aufsichtsrat des Zoos. "Entweder wurde hier nicht die Wahrheit gesagt, oder der externe Sicherheitsexperte, auf den man sich berief, konnte die Situation ebenfalls nicht richtig einschätzten." Carl erwartet sich bis zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrates im September ein "wasserdichtes Sicherheitskonzept".

27.08.2012, 20:06
AG/red
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