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28.06.2017 - 13:12
Saalbachs Vize-Bürgermeister. Karl Schnell: Limit statt Straßensanierung.
Foto: Schnell

Saalbach verärgert: 13 km im 50er- Schnecken- Tempo

15.04.2017, 09:35

Nur noch Tempo 50 darf man am Weg ins Glemmtal fahren. Grund: Die Landesstraße verfällt und ist voller Schlaglöcher. Viele Gäste und Einheimische bemerkten die neue Beschränkung zu spät und wurden gnadenlos abkassiert. Weil unklar ist, ob die Tempobremse auch verordnet wurde, werden nun Anwälte aktiv.

Es ist der Aufreger im Glemmtal: Seit Mitte Februar prangte am Ortseingang kurz nach Maishofen das mittlerweile nach Viehhofen verlegte Hinweisschild: "Achtung, Straßenschäden auf 13 Kilometern" und dazu eine durchgehende und ebenso lange Tempo 50- Beschränkung. Wohlgemerkt: Ortsgeschwindigkeit auf einer Landessstraße, die bis dato mit 80 km/h befahrbar war und eigentlich für Tempo 100 taugen sollte. Saalbachs junger Bürgermeister Alois Hasenauer: "Wir wurden vom Aufstellen der Tafeln überrascht. Dass Einheimische wie Gäste sofort abkassiert wurden, kann man nur als Tratzerei bezeichnen." Besonders krass ist der Fall einer jungen Einheimischen. Sie reiste am Wochenende aus Wien an, um  ihre kranke Oma im Ortsteil Jausern zu besuchen. Den 80er gewohnt, war sie (zu schnell) mit Tempo 107 auf einer langen und völlig freien Geraden unterwegs, ihr droht deshalb nun der Führerscheinentzug.

Ihr Anwalt, Sebastian Kienberger, hat Freitag an die BH Zell am See geschrieben: "Wo bitte ist eigentlich die entsprechende Verordnung, mit der die Tempo- Beschränkung kund gemacht wurde?" Bürgermeister Alois Hasenauer: "Ich habe angenommen, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung verordnet wurde." Doch bei genauerem Nachfragen teilte ihm die Bezirkshauptmannschaft Zelle am See mit: "Weil Gefahr im Verzug war, könne das Tempolimit auch aus diesem Grund formlos verhängt werden." Seitens der Behörde begründete man das dem Bürgermeister damit, dass es in den letzten Monaten wiederholt zu Schadenersatzklagen wegen kaputter Spoiler oder anderer Schäden an den Autos gekommen sei. "Das sei", so die BH Zell, "dem Steuerzahler nicht zuzumuten".

Bürgermeister versucht zu beruhigen

Bgm. Hasenauer sieht allerdings keine "Gefahr im Verzug": "Die Glemmtaler Landesstraße ist schon jahrelang unverändert in katastrophalem Zustand." Und nicht nur Karl Schnell bringt der kilometerlange 50er zum Schäumen: "Das Land lässt die L 111, die Zufahrtsstraße zum drittwichtigsten Tourismus- Ziel Österreichs mit 2,27 Millionen Gästen seit Jahren verkommen. Der Zustand war schon 2014 so schlecht, dass wir am 30. April im Landtag einen Antrag auf Sanierung gestellt haben. Der wurde damals aber abgelehnt." Einige der "50er" Tafeln wurden diese Woche plötzlich wieder abmontiert, am generellen Limit aber hält man offenbar fest. Schnell: "Das einzige intakte Straßenstück, die Abbiegespur zu meiner neuen Ordination, habe ich mit 50.000 € selbst finanzieren müssen."

Wolfgang Weber, Kronen Zeitung

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