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21.08.2017 - 16:54
Foto: dpa/A3796 Uwe Anspach

Hallein: Studentin im achten Monat sollte hinter Gitter

21.01.2010, 16:57
Weil sie mehrere Strafzettel nicht bezahlt hatte, sollte eine junge Studentin aus Hallein für vier Tage hinter Gitter wandern. Doch die Frau ist im achten Monat schwanger! Zwei Polizisten, die sie abholen wollten, lenkten sofort ein. Die 25-Jährige kann die Strafe nun in mehreren Monatsraten begleichen.

Dass sie in derartige Schwierigkeiten geraten könnte, hätte sich die Psychologiestudentin nie erträumen lassen. Ihr Lebensgefährte hatte vor mehr als einem halben Jahr mehrere Strafzettel wegen Falschparkens bekommen. Er war mit dem Auto der Freundin unterwegs gewesen.

250 Euro Bußgeld angehäuft
Daher bekam auch die junge Frau die Post von der Bezirkshauptmannschaft. 250 Euro Bußgeld sollte sie insgesamt bezahlen. Doch die junge Familie - die 25- Jährige ist schwanger und hat noch eine sechsjährige Tochter - hat gerade einmal genug zum Überleben. Die Studentin darf in ihrem Zustand nicht arbeiten gehen. Ihr Freund wurde seit drei Monaten von seiner Firma nicht mehr bezahlt. Auch der Vater des Mannes konnte nicht helfen. "Ich lebe von einer Invaliditätspension. Ich kann ihnen nichts leihen", erklärt der Mann.

Schreiben der BH ignoriert

Daher beschloss das junge Paar, die Schreiben der BH vorerst zu ignorieren. Doch am Dienstag standen plötzlich zwei Polizisten vor der Haustür. Sie sollten die im achten Monat Schwangere abholen. Die Frau sollte vier Tage Errsatzarrest absitzen. Aber die Beamten erkannten die Situation und lenkten ein. Die Studentin nahm noch einmal mit der BH Kontakt auf. Jetzt kann sie die Strafe in Raten begleichen.

Auf der Polizeiinspektion in Hallein wird versichert, dass man eine Schwangere sicher nicht inhaftiert hätte. Niemand wusste davon, denn die Strafbescheide waren ja schon über ein halbes Jahr alt.

Daten und Fakten

  • Wird eine Strafe nicht bis zum geforderten Datum bezahlt, schickt die Bezirkshauptmannschaft noch zwei Mahnschreiben. Letztlich wird eine Ratenzahlung vorgeschlagen. Gibt es auch dann noch keine Reaktion, sucht die Behörde um einen Exekutionstitel an. Besitzt der Betreffende aber keinerlei Vermögen, kommt die Ersatzarreststrafe zum Tragen.
  • Im Tennengau sind es jährlich um die 320 Personen, die zum Strafantritt vorgeführt werden. Ein Großteil bezahlt das Bußgeld noch auf dem Weg ins Polizeianhaltezentrum und geht wieder frei. Doch rund 60 Sünder sitzen lieber ein.
  • In der Landeshauptstadt sind es vor allem Alkolenker, die anstatt ihre Strafen zu zahlen, hinter Gitter wandern. Bei ihnen geht es um Schulden in der Höhe von mehreren zehntausend Euro. Allein sechs notorische Vekehrssünder mussten im Vorjahr mehr als 300 Tage absitzen. Ein Mann, der zwölfmal betrunken am Steuer erwischt wurde, war gleich für 494 Tage "Gast" im Gefangenenhaus. Und eine Salzburgerin, die dem Finanzamt 11.500 Euro unterschlagen hatte, wanderte für 30 Tage in eine Zelle.
  • Am schlimmsten erwischte es im Vorjahr aber eine Frau aus Graz. Sie hatte 123 Strafzettel wegen Falschparkens ignoriert und musste 500 Tage Ersatzarrest absitzen.

von Manuela Kappes, Kronen Zeitung

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