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20.08.2017 - 23:51
Unterwegs mit Frieda: Sie liebte die Bergwelt und die Blumen.
Foto: Gerhard Schiel

Friedas bewegtes Leben: Sie kämpfte oft für andere

24.05.2016, 19:02

Alpen- Rebellin, Wut- Oma: Unter vielen Beinamen ist Frieda Nagl aus Rauris bekannt. Mit ihrem couragierten Auftritt im ORF 2014 machte sie die Politik sprachlos. Im Ort wusste man schon lange, dass die Frieda eine Kämpferin ist. Jetzt brach sie zu einem Griechenland- Urlaub auf und kam nicht mehr heim...

Geboren wurde Frieda Nagl am 11.11. 1939, dem Faschingsbeginn. "Aber hinter Faschingskostümen muss ich mich mit meiner Meinung sicher nicht verstecken und witzig meine ich meine offene Kritik auch nicht", sagte die rebellische Wirtin einmal. Sie wuchs als elftes von 16 Kindern auf. Die wirtschaftlichen Bedingungen waren damals hart. Der Vater starb früh, sie versuchte das Familienoberhaupt zu ersetzen, war immer robust und half bei der Arbeit auf der Alm. In ihrer Heimat Rauris war Frieda immer schon als "eine, die sich was traut" bekannt. Und ihr Bekanntheitsgrad explodierte seit ihrem couragierten Auftritt beim ORF- Sommergespräch 2014 förmlich. Die Alt- Wirtin schimpfte selbstbewusst gegen hohe Steuern und Gesetzesschikanen. Sie sagte frei heraus ihre Meinung und ließ sich im Redefluss nicht einmal stoppen. "Ich will Taten sehen", forderte sie von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner. Ihre politische Energie überraschte ganz Österreich. Den Mund ließ sie sich nie verbieten, auch nicht gegenüber einem neuen Vizekanzler: "Ich bin zwar durch und durch eine g’standene ÖVPlerin. Aber deswegen habe ich keine Hemmungen. " Sie interessierte sich für die Probleme ländlicher Regionen und der kleinen Leute. Es war ihr ein ganz großes Anliegen, dass "endlich etwas für die kleinen alpinen Täler getan wird, damit sich das mit der Wahnsinnspendlerei, mit der pausenlosen Abwanderung für unsere Jugend einmal aufhört." "Der Herr Gott", sagte Frieda einmal "hat mich mit einer Gabe gesegnet: Ich fürchte mich vor niemandem." Sie hatte auch keine Scheu, bei höheren Stellen direkt anzuklopfen. In Rauris war sie viele Jahre als Kommunalpolitikern und Mitglied im Wirtschaftsbund aktiv. In den 90ern ärgerte sie sich über die ÖVP und gründete ihre eigene "Liste für Rauris".

Ein Lebtag lang Wirtin mit Leib und Seele

Sie baute mit ihrer Familie den Gasthof Alpenrose auf und war 47 Jahre lang selbst die Wirtin. "Ich bin mein Lebtag lang gerne Wirtin gewesen", erzählte sie vor der Kamera über ihre Leben. Als Tochter Petra den Betrieb schon übernommen hatte, half sie immer noch in der Küche. Nach einem Umbau bietet die Familie komfortable Appartements an.

Wirtin setzte sich bis zum Schluss für andere ein

Die Wut- Oma blieb bei Ungerechtigkeiten niemals still und setzte sich für andere ein: "Oft auch für die kleinen Leute, bei drohenden Versteigerungen zum Beispiel. Sie hat vielen geholfen", blickt der Rauriser Bürgermeister Peter Loitfellner, als Schwiegersohn auch familiär verbunden, zurück. Im Jahr 2000 rief sie für einen Bergbauern eine Spendenaktion ins Leben und rettete so den Hof. Auch in der Flüchtlingskrise meldete sich die Alt- Wirtin zu Wort und beherbergte fünf Syrer bzw. Iraker. Bei der Wut- Oma war Brotbacken auf der Alm angesagt.

Buchautorin und "Krone"- Kolumnistin

Nach ihrer Protest- Rede schrieb Frieda Nagl ihr bewegtes Leben auch nieder und gab ihr Buch "Wut- Oma" heraus. Bei der Präsentation kam Vize- Kanzler Mitterlehner höchstpersönlich und stellte sich ihrer Kritik. In der "Krone" verfasste die Rauriserin regelmäßig Gedanken über das tägliche Leben. Das Schreiben machte ihr eine große Freude, erzählt die Familie. Zum Muttertag erinnerte sich Frieda beispielsweise an früher, als großer Luxus noch fehlte und Feldblumen für die Mutter ausreichten.

Kraftquelle waren immer die Berge

Sicher hundert Mal sei sie am Sonnblick gewesen, schätzte Frieda einmal in einem Interview. Die Bergwelt gab ihr immer neue Kraft. Zuletzt zog sich Frieda etwas zurück. Über ihre Gesundheit sprach sie - eine harte Natur durch und durch - aber nie viel. Zeichen für ernsthafte Probleme gab es nicht. Die Nachricht aus Griechenland traf ihre fünf Kinder und zehn Enkerl völlig unvorbereitet. Sie bitten jetzt darum, in Ruhe trauern zu dürfen. Reisen mit den Salzburger Senioren waren Frieda Nagl immer eine große Freude. Die griechische Halbinsel Peloponnes war dieses Jahr Ziel: Es zog die der Bergwelt so Verbundene ans Meer und sie kehrte nicht mehr heim.

24.05.2016, 19:02
Sabine Salzmann, Kronen Zeitung/red
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