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22.08.2017 - 14:19
Das 300 Jahre alte Familienhotel. Seniorchef Siegfried Kaltenhauser übt Kritik an der Steuerreform.
Foto: Franz Günther Reifmüller

"Es wird am falschen Fleck eingespart"

04.04.2015, 18:00
Das Übernachten in Hotels und Pensionen wird durch die neue Steuerreform in Salzburg teurer. Siegfried Kaltenhauser war 35 Jahre lang Chef eines 300 Jahre alten Pinzgauer Familienhotels und fürchtet durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer das Ausbleiben der nächsten Generation.

Die Tourismuswirtschaft kann wohl als großer Verlierer der neuen Steuerreform gesehen werden. Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz auf Nächtigungen wird von 10 auf 13 Prozent erhöht. "Uns wird durch das System eine Hürde in den Weg gelegt", zeigt sich Siegfried Kaltenhauser vom gleichnamigen Familienhotel in Hollersbach erbost.

Das Erholungshotel ist seit mehr als 300 Jahren in Familienbesitz. 1360 wurde das Traditionsunternehmen erstmals als Taverne im Landesarchiv genannt. Vor vier Jahren hat seine Tochter das Hotel übernommen. Doch den Betrieb über Wasser zu halten, wird aufgrund der steigenden Auflagen immer schwieriger. Der Seniorchef ist der Meinung, dass am falschen Platz gespart wird: "Warum brauchen wir in Österreich 18 Krankenkassen? Hans Jörg Schelling hat schon recht wenn er sagt, dass wir kein Einnahmen- sondern ein Ausgabenproblem haben." Siegfried Kaltenhauser war über 20 Jahre lang in der Gemeinde tätig und kann manche Bonuszahlungen wie einen Kopierzuschlag oder einen Schreibmaschinenbonus in manchen Verträgen nicht nachvollziehen, denn "diese Sachen können wir uns nicht leisten."

"Wenn nichts mehr bleibt, macht das niemand mehr"

Im Hotel sind alle Verträge schon für das nächste Jahr abgeschlossen. Nun müssen Gäste bei einem Zimmerpreis von 100 Euro drei Euro drauflegen. Ein Ausbleiben der Gäste befürchtet der Hotelier nicht. Doch obwohl er die Nachfrage in der Tourismusbranche als zu hundert Prozent gedeckt sieht, liegt für ihn das Problem in der Nachfolge: "Schön langsam wird die nächste Generation sagen: ,Das tun wir uns nicht mehr an’ und die Hotels im Pinzgau sterben aus. Von Dezember weg haben wir viereinhalb Monate lang keinen Ruhetag. Wenn nichts mehr übrig bleibt, macht das niemand mehr." Trotzdem blickt Kaltenhauser gerne zurück. "Es war ein wunderschöner Beruf mit Vor- und Nachteilen. Das Schönste am Tourismus ist der Gästekontakt – und das auf dem schönsten Fleck der Erde."

04.04.2015, 18:00
Sandra Aigner, Kronen Zeitung
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