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23.09.2017 - 07:14
Sonja Antoniv: Die Stadt Salzburg hetzt ihr Bagger auf den Hals.
Foto: Wolfgang Weber

"Es ist wie eine Hexenjagd!"

22.07.2015, 20:18
"Krone"-Leser kennen die Geschichte von Sonja Antoniv, deren kleines Waldhäuschen an der Alpenstraße, von seiner Bewohnerin liebevoll "Villa Waldfried" genannt, nach rund 60 Jahren plötzlich dem Bagger zum Opfer fallen soll. Weil es schicken, neuen Wohnungen in der Nähe (und im Landschaftsschutzgebiet) im Wege steht - dafür sprechen alle Fakten.

Nein, stimmt nicht, sagt die Stadt in einer Anfragebeantwortung an FP- Stadtklubobmann Andreas Reindl: Man hätte bereits 1988 "Nachschau" gehalten und eine Holzwohnhütte im Wald festgestellt. (35 Jahre, nachdem diese mit Zustimmung des Grundeigentümers errichtet wurde) Und damals eben festgestellt, dass diese im Grünland liege. "Ein Witz", so Sonja Antoniv: "Denn das Gebiet wurde erst 1960 als Grünland deklariert, das Landschaftsschutzgebiet kam erst Jahrzehnte später."

2013 erklärte man der Bewohnerin der Villa Waldfried: "Ihr Haus können wir niemals im Nachhinein absegnen." Da stand nebenan längst der 50 Meter lange Schwarzbau des Zoos, der heute immer noch als Bauleiche im Wald steht. Sonja Antoniv: "Dieser klassische Schwarzbau wurde im Nachhinein genehmigt. Vorher war an seiner Stelle eine hölzerne Lagerhalle, ein kompletter Schwarzbau, den man komplett abgerissen hat." Landtagsabgeordneter Helmut Naderer hat eine Anfrage im Landesparlament eingebracht: "Das soll mir bitte einmal einer erklären, wieso hier mit zweierlei Maß gemessen wird: Eine Halle erhält den Behörden- Sanktus, obwohl sie illegal und 20 Meter länger als der Vorgängerbau errichtet wurde. Und die Stadt vertreibt eine Bürgerin, anstatt ihr bei der Lösung ihres Problems zu helfen."

Mutter beherbergte einst 16 Flüchtlinge aus Bosnien

Sonja Antonivs Mutter war 1942 mit 16 Jahren von der Deutschen Wehrmacht zur Zwangsarbeit im Anifer Lager verschleppt worden. Ihr Mann, in Moy- Diensten durfte das Häuschen im Wald Anfang der Fünfziger Jahre bauen. "Sie war ein herzensguter Mensch", sagt Sonja Antoniv: "Anfang der 90er Jahre beherbergte sie lange 16 Flüchtlinge aus Bosnien im Schuppen, hat eigens Stockbetten gekauft und sie auch verköstigt. Sie kannte ja das Flüchtlings- Schicksal, hatte alles selbst erlebt." Jetzt hetzt die Stadt Sonja Antoniv, die hier seit Geburt mit der Familie und neun Geschwistern gelebt hat, die Bagger auf den Hals: „"Es ist wie eine Hexenjagd." Anwalt Andreas Schöppl will nun vom Grundeigentümer den Gegenwert des Hauses haben: "Weil sie ein Recht hat, das Haus zu bewohnen."

22.07.2015, 20:18
Wolfgang Weber, Kronen Zeitung
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