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28.04.2017 - 05:10
Helmut Mödlhammer: Ein Abschied mit Fröhlichkeit
Foto: Georg Hochmuth

Ein ganz Großer geht!

29.03.2017, 11:53

Mit Helmut Mödlhammers (65) Rückzug als Gemeindebund- Präsident endet eine Ära. Politiker seines Schlages gibt es nur mehr selten: durchsetzungsstark, vernünftig, erfolgreich.

Wenn man Helmut Mödlhammer und seinen Einfluss auf die österreichische Politik in den vergangenen Jahrzehnten erklären möchte, kommt man nicht umhin, folgende Anekdoten zu erzählen: Wenn sich hierzulande ein Journalist mit irgendeinem Thema beschäftigt, das nur im entferntesten einen Bezug zu Gemeinden hat, ruft er gerne Mödlhammer an. Er ist nicht nur immer erreichbar, sondern er liefert, egal in welcher Lebenslage ("Ich bin grad am Berg, aber schießen Sie los") Infos und Hintergründe: Wie viele weibliche Bürgermeister haben wir? Welche davon ist die Dienstälteste? Wie viele Abgangsgemeinden haben wir derzeit?

Er kennt die Antworten - aus dem Stegreif. Das ist heute selten geworden. 18 Jahre und 30 Tage führte der ÖVP- Politiker den Gemeindebund an; in seiner Amtszeit erlebte er sieben Finanzminister, fünf Bundeskanzler und drei Bundespräsidenten. Insgesamt vier Finanzausgleiche hat er verhandelt und laut eigener Aussage habe er sich nicht nur Freunde gemacht in dieser Zeit. Trotzdem verliert niemand ein schlechtes Wort über ihn: Freunde schätzen seinen Gerechtigkeitssinn, seine Handschlag- Qualität. Und die anderen respektieren ihn - schon deswegen, weil er ihnen in stundenlangen Verhandlungen noch immer ein paar Zugeständnisse abgerungen hat.

Dabei scheut er auch nicht die Konfrontation mit der eigenen Partei - etwa, als er sich im Vorjahr vehement gegen Andreas Khol als Bundespräsidentschaftskandidaten ausgesprochen hat. Eine weibliche Kandidatin, so fand Mödlhammer, wäre die bessere Wahl gewesen.

Zäh auch 2004 die Finanzausgleichsverhandlungen mit dem damaligen Finanzminister Karl- Heinz Grasser, doch Mödlhammer analysierte sein Gegenüber genau: Grasser hielt sich die ganze Zeit über mit Energy- Drinks fit - als aber der Nachschub ins Stocken geriet, nutzte Mödlhammer dessen kurze Schwäche und konnte den einheitlichen Beteiligungsschlüssel durchsetzen. Ein Meilenstein für die Gemeinden.

Seine politische Karriere verbucht er selbst als "reinen Zufall", denn aktiv habe er sich nie um ein Amt beworben. So sei das schon 1984 gewesen, als ihn der damalige Landeshauptmann Wilfried Haslauer sen. gedrängt hatte, erst für den Gemeinderat und zwei Jahre später als Bürgermeister von Hallwang zu kandidieren. In seiner ersten Amtshandlung als Bürgermeister öffnete er die Amtsstube, holt einen Zahnarzt und die Post in den Ort. "Ich war einfach immer ein Macher, der es gewohnt ist, Dinge sofort umzusetzen", verrät er im Gespräch mit der "Krone". Dabei stammt er ursprünglich aus einfachen Verhältnissen: Die Eltern betrieben eine kleine Landwirtschaft in Koppl. Als einziges Kind in seiner Gemeinde besucht er das Gymnasium. Anschließend spielt er kurz mit dem Gedanken, Rechtsanwalt zu werden, schlägt aber eine journalistische Laufbahn ein.

Später wird er für fünf Jahre in den Landtag einziehen. "Das war aber eher verschwendete Zeit. In der Kommunalpolitik ist man einfach näher an den Bürgern dran, man kann sofort etwas ändern", erklärt er, warum er ein angebotenes Mandat für den Nationalrat abgelehnt hat. Und wenn er einmal nicht weiter weiß, dann betet der überzeugte

Katholik zu Gott. Zwei Päpste hat er schon getroffen und so oft es geht, versucht er, am Sonntag in der Kirche zu sitzen. "Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu" heißt es in der Bibel. Das hat Mödlhammer zu seinem Leitbild gemacht: Fairness wird ihm von Politikern aller Farben nachgesagt, er selbst sagt: Hausverstand und Menschlichkeit dürfen einfach niemals auf der Strecke bleiben.

Zuhause kann er dann abschalten: Mit seiner Frau Irmgard ist er seit 40 Jahren verheiratet, drei Kinder, zwei Enkel. Außerdem hält er sich vier Hühner und einen Hahn. Der scheidende Gemeindebund- Präsident kann auf eine zweifellos beeindruckende Bilanz zurückblicken, wie etwa auf den Pflegefonds, den er 2010 mit Josef Pröll ins Leben rief. In seiner Amtszeit hat er die Gemeinden als gewichtige Stimme im Bund verankert. Im Klartext: Ohne die Gemeinden läuft heutzutage fast nichts mehr. Und die Gemeinden, sie waren nun mal 18 Jahre lang Helmut Mödlhammers Leben.

Anna Dobler, Kronen Zeitung

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