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18.08.2017 - 15:09
"Salzburg ist ein von Geschichte & Tradition aufgeladener Ort." Koffler steht wieder auf der Bühne.
Foto: Markus Tschepp

Die HItze ist des Teufels guter Gesell

13.07.2017, 23:30

Hanno Koffler, ein Berliner mit österreichischen Wurzeln, gibt im "Jedermann" sein Festspieldebüt. Eine Rückkehr in die Heimat und ans Theater.

INTERVIEW

Im TV-Zweiteiler "Die Dasslers", hier mit Christian Friedel
Foto: Degeto/Wiedemann & Berg/Mart

Herr Koffler, Sie geben heuer als Teufel und guter Gesell im "Jedermann" ihr Festspieldebüt.

"Ja, und das war eine fast absurde Situation. Ich hatte meiner Agentin Ende des Jahres gesagt, dass ich nach sehr ermüdenden Dreharbeiten wieder große Lust aufs Theaterspielen verspüre und just ein Telefonat später rief mich Bettina Hering an und hat gefragt, ob ich nicht diese Doppelrolle übernehmen möchte."

Wie war Ihre erste Reaktion, ein Luftsprung?

"Ich muss gestehen, ich hatte den ,Jedermann’ zuvor noch nie live gesehen. Aber nachdem ich ja halber Österreicher bin - meine Mama kommt aus Lienz - und Brandauer, der am Max Reinhardt Seminar mein Lehrer war, einst selbst den Jedermann spielte, war ich mir der Bedeutung dieses Stücks natürlich bewusst. Trotzdem wollte ich, bevor ich zusagte, wissen, wer den Jedermann spielt. Als ich dann erfuhr, dass Tobias Moretti die Rolle übernimmt und meine Mutter, als ich ihr von meinem zukünftigen Engagement erzählte, in Tränen ausbrach, war klar, dass ich es mache."

Apropos Brandauer: Haben Sie die Aufnahmen von seinem "Jedermann"- Auftritt gesichtet?

"Ja, und ich fand es ganz toll. Es ist immer wieder beeindruckend, was Klaus Maria Brandauer auf der Bühne schafft. Er ist so klar denkend und holt die Sachen so an sich heran - das ist ganz groß!"

Wie haben Sie ihn als Lehrer erlebt?

"Die Ausbildung am Reinhardt Seminar war eine unglaublich intensive Lebensphase, in der man wie in einer Zeitmaschine in dreifacher Geschwindigkeit und mit geballter Kraft Erfahrungen eingeflößt bekommt. Eine Erfahrung davon war u. a. die Begegnung mit Herrn Brandauer, bei dem ich, was Persönlichkeitsbildung oder die Kraft des Denkens auf der Bühne betrifft, viel gelernt habe."

Zurück zum Jedermann, wie wird Ihr Teufel?

"Das würde ich auch gerne wissen (lacht). Nein, wir stecken ja immer noch mitten im Arbeitsprozess und es gab Proben, bei denen so eine Kraft und Energie vorhanden war, die wir natürlich hoffen, ans Publikum weitergeben zu können. Was das Inhaltliche betrifft: Der Teufel ist ein guter Gesell und der Gesell ist ein guter Teufel, und das verbindende Element bin ich, der versucht, die beiden an sich ran zu holen und ihnen einen Körper, eine Stimme und Energie zu geben. Das Ganze ist gespickt mit tollen Kollegen, Kostümen und einer Bühne, die gerade für den Teufel fast zu einem weiteren wunderbaren Spielpartner wird."

Tragen Sie etwas Diabolisches in sich?

"Na klar, das hat jeder in bestimmten Momenten. Das Teuflische hat viele Gesichter - die Verführung, die Lust, die Freude, es kann aber auch auf plumpe Art die Gewalt und Aggression sein . . . Der Teufel hat meiner Meinung nach am Ende des Stücks die volle Berechtigung daran zu zweifeln, ob sich ein Mensch, der Jedermann, in seiner Gesinnung so extrem wenden kann.

Wie der Teufel sagt: ,Wenn eins sein Leben brav sich regt und nur auf Uns sein Tun anlegt, recht weislich, fest und wohlbedacht, recht Stein auf Stein und Tag auf Nacht, wird solch ein wohlbeständig Ding in einem Augenzwinkern neu?’

Und der Glaube erwidert: ,Ja solches wirkt die tiefe Reu´

Ich finde toll, dass jemand aufspringt und sagt: Das glaube ich nicht, das geht nicht!"

Auch der gute Gesell trägt etwas Diabolisches in sich. Er kehrt dem Jedermann den Rücken und begleitet ihn nicht auf seinem letzten Weg.

"Ja, aber das Teuflische in dieser Situation liegt, wie ich finde, im Leben selbst - denn niemand kann mit in den Tod gehen. Das Teuflische beim Gesellen ist viel alltagstauglicher und liegt vor allem in der Tatsache, dass er Seite an Seite mit dem Jedermann dieses Leben lebt und ihn durch seine Gesellschaft auch darin bestärkt, ein solch dekadentes und egozentrisches Leben zu leben."

Tobias Moretti, der jetzt den Jedermann spielt, ist von 2002 bis 2005 selbst in die Rolle des Teufels und guten Gesell geschlüpft. Haben Sie sich darüber ausgetauscht bzw. nimmt man Anleihen?

"Klar tauschen wir uns aus und ich habe mir natürlich auch seinen Teufelsgesellen angeschaut. Tobias Moretti hat das fantastisch gemacht und ich bin froh, dass ich mich da nicht vergleichen muss, denn die jetzige Inszenierung und die Gestaltung meiner Rollen wird wirklich was komplett anderes. Dieses Jahr wird der Jedermann sehr zeitgenössisch inszeniert, sehr direkt, nicht zu distanziert oder ironisiert, es soll möglich sein, trotz der großen Bühne auch leise Töne anzuschlagen."

Sie spielen oft extreme Charaktere, wie z. B. in "Nacht vor Augen" einen in Afghanistan traumatisierten Zeitsoldaten. Oder in "Freier Fall" einen Polizisten und jungen Familienvater, der sich in einen Kollegen verliebt - Typen, die nach außen hin hart, innen aber verletzlich sind. Reizen Sie solche Charaktere?

"Es ist sicher nicht die Härte, die mich reizt. Vielmehr reizt es mich, wenn Wahrhaftigkeit aufbricht, Dinge sich verändern und Leute anfangen zu reflektieren und man im besten Fall auch andere Menschen mit so einem ,Aufbruch’ berührt. Ich werde vermutlich oft in dieses Rollenfach gesteckt, weil ich nach außen als so ein kraftstrotzender und gesunder Bursche daher komme. Letztendlich bin ich aber ein ganz lieber - ein kleines Sensibelchen würde ich fast sagen (lacht)."

Sie haben schon als Kind am Schiller Theater gespielt. Gab’s ein Schlüsselerlebnis, das Sie zu diesem Beruf bewogen hat?

"Verrückterweise war die Schauspielerei schon immer ein Thema, ich kann gar nicht sagen warum. Ich hab schon, bevor ich die Schauspielschule besuchte, Stanislawski gelesen, weil es mich einfach interessierte. Dann habe ich über einen Werbefilm einen jungen Regisseur kennen gelernt, der mich für einen Kurzfilm engagierte. Das gab die Initialzündung!"

Zunächst wurden Sie aber von der Ernst Busch- Schule abgelehnt und haben sich der Musik - sie spielten mit ihren Bruder in der Band "Kerosin" - zugewandt. Spielt Musik eine große Rolle?

"Sie ist mir aufgrund der begrenzten Zeit leider abhanden gekommen. Ich spiele zu Hause noch Gitarre, Schlagzeug eigentlich gar nicht mehr. Mein Saxophon habe ich jetzt aber für einen Kinofilm, der Ende des Jahres rauskommt, wieder ausgepackt!"

Was ist das für ein Film?

"Er heißt ,Idioten der Familie’ nach dem Drehbuch vom wunderbaren Regisseur Michael Klier. Ein Ensemblefilm mit Florian Stetter, Lilith Stangenberg und Jördis Triebel. Wir spielen Geschwister, als die jüngste Schwester (Stangenberg), die geistig behindert ist, ins Heim abgeschoben wird, überwirft sich die Familie."

Film oder Theater?

"Nach einer über dreijährigen Theaterpause merke ich wieder, wie schwierig Theater ist. Das lange Proben, das lange Miteinander, die Texte zu bewältigen und vor allem eine Kraft auf einer Bühne vor hunderten, tausenden Zusehern zu erzeugen und trotzdem ganz bei sich zu sein, ist enorm schwierig und verlangt eine Menge Energie. Gleichzeitig ist es eine tolle Herausforderung."

Der Domplatz, mit teilweise bis zu 50 Grad, verlangt einem körperlich einiges ab.

"Die Hitze ist mir wurscht, aber diese verdammt riesige Bühne ist die Herausforderung (lacht)!"

Sie schreiben auch Drehbücher. Gerade arbeiten sie mit Autor Stephan Lacant an Molnárs "Liliom".

"Eine freie Adaption, bei der sicher wenig vom Theaterstück übrig bleiben wird. Das ganze findet auch nicht im Wiener Prater, sondern im Berliner Türsteher- Milieu statt, aber es bleibt eine romantisch, düstere Liebesgeschichte, in der ein Türsteher für seine große Liebe versucht, ein anständiger Mensch zu werden."

Mit der Filmemacherin und ihrer Freundin Mia Maariel Meyer arbeiten Sie an einem weiteren Projekt. Worum geht’s?

"Der Film heißt ,Die Saat’ und schildert eine Vater- Tochter Beziehung. Ein friedvoller Familienvater gerät durch die Kränkung seines Egos und existenzielle Nöte in eine Gewaltspirale und wird zum Täter, während seine Tochter parallel dazu zum Gewaltopfer wird.

Ein spannendes Thema, in Anbetracht der großen Rolle, die unser Ego in der heutigen Gesellschaft spielt."

Tina Laske, Kronen Zeitung

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