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22.08.2017 - 11:34
Foto: Martin A. Jöchl

Bub (6) wurde zum Opfer von Gewalt in eigener Familie

15.06.2011, 05:07
Die vielen blauen Flecken waren ein tragisches Signal: Ein sechsjähriger Bub aus dem Flachgau muss zu Hause ein Martyrium durchgemacht haben. Die Kindergärtnerin schöpfte Verdacht und informierte sofort die Behörden. Die Mutter wurde angezeigt.

Der Fall flog auf, als der Sechsjährige auch in der sommerlichen Hitze seine langärmeligen Shirts nicht ausziehen wollte. Seit einem Monat fiel der Kindergärtnerin das auf, sie überredete ihn dann doch, etwas Kühleres anzuziehen und entdeckte die vielen stummen Zeugen seiner Qualen. Sofort informierte sie die Leiterin, den Bürgermeister und schließlich die Jugendwohlfahrt.

"Es sind unmittelbar danach zwei Sozialarbeiterinnen von uns hingefahren", berichtet Hannes Herbst vom Jugendamt. Und der Ortschef lobt als Betreiber des Gemeindekindergartens: "Mein Team hat wirklich vorbildlich reagiert. Wir nehmen unsere Verantwortung zum Wohle der Kinder sehr ernst." Niemand schaut hier weg. Seit den tragischen Schicksalen von Luca oder dem kleinen Cain aus Vorarlberg ist die Sensibilität in der Kinderbetreuung noch gestiegen.

Bub musste schon einmal von der Mutter weg

An die 90 Buben und Mädchen spielen und lachen in dem Kindergarten gemeinsam: Der Sechsjährige fiel bisher nie auf. Er musste aber schon einmal von der Mutter weg. Obsorge- Streitigkeiten sollen im Raum stehen. Jetzt hat ihn das Jugendamt vorübergehend bei der Großmutter untergebracht. Ein sicherer Ort, heißt es. Das Gewaltopfer braucht jetzt den Rückhalt. Und der Bub kommt auch wieder in den Kindergarten. Die Oma holt ihn regelmäßig ab und er wirke ausgeglichen, heißt es aus dem Umfeld.

Der Sechsjährige sprach über seine Qualen auch gegenüber der Polizei und Pädagogen: Die Mutter und der Bruder hätten ihm wehgetan. Die Alleinerzieherin gab aber an, dass die blauen Flecken beim Spielen mit dem Hund passiert seien.

Warten auf ärztliches Gutachten

Der Gerichtsmediziner erklärte nach ersten Einschätzungen, dass die Verletzungen von keinem Hund stammen können. Jetzt liegt der heikle Fall beim Gericht. "Wir warten noch auf das ärztliche Gutachten", so Jugendamts- Leiter Hannes Herbst zur "Krone". Über die Tragweite der Verletzungen entscheidet der Richter. Auch die Polizei lobt die gute Beobachtungsarbeit: "Wir danken den Pädagoginnen!"

Aus Rücksicht auf das Kind nennt die "Krone" den Ort des Geschehens nicht.

15.06.2011, 05:07
Sabine Salzmann, Kronen Zeitung
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