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21.08.2017 - 18:00
Foto: Markus Tschepp

Bewohner der Strubergasse: "Wollen nicht weg!"

15.04.2011, 05:31
Der Schock sitzt tief in der Strubergasse. Es hat die alteingesessenen Bewohner in Lehen tief getroffen, dass eine Mehrheit im Gemeinderat ihre Häuser einfach wegreißen will. Viele von Menschen leben seit Jahrzehnten in der Siedlung und haben alle Ersparnisse in die Wohnungen investiert. Die "Krone" auf Lokalaugenschein.

Adelheid Ehrenfeldner ist ein echtes "Urgestein" in der Siedlung: "Wir sind hier genau am 7. Mai 1967 eingezogen", erinnert sich die 73- Jährige. Und die 47 Quadratmeter große Wohnung war damals eine Baustelle. Die Wände uneben, der Plafond bucklig – alles haben die Ehrenfeldners selbst hergerichtet.

Die Arbeit hörte nie auf in der Wohnung: Wo die Loggia war, ist jetzt ein kleines Badezimmer. Die kleine Küche ist durch eine schmale Trennwand abgegrenzt. Die Fenster und Türen sind neu, "und zuletzt habe ich die Böden ausgewechselt. Jetzt ist es Parkett", erzählt die Pensionistin, während sie auf ihrem behaglichen Sofa sitzt und an ihrem Kaffee nippt.

"Hier ist unser Zuhause - ich will nicht ausziehen"

Frau Ehrenfeldner rechnet vor: "Mehr als 300.000 Schilling habe ich in unsere Wohnung gesteckt, das sind über 20.000 Euro." Sie kann es nicht verstehen, dass eine Mehrheit im Gemeinderat diese stadteigenen Häuser einfach abreißen will und nicht versteht, wie viel Herzblut die Bewohner in ihr Zuhause investiert haben. "Obwohl es nicht unser Eigentum ist, hier ist unsere Heimat", sagt Adelheid Ehrenfeldner. "Wenn es nicht sein muss, will ich nicht ausziehen", versichert sie. Und ein Blick aus dem Fenster zeigt, was die Menschen so schätzen an dieser Siedlung: "Wir haben ja so viel Grün vor der Tür und einen nette Wohngemeinschaft – das alles wäre zerstört, wenn die Siedlung abgerissen wird."

"Mir blutet das Herz"

Nur einen Block weiter ist Angela Schuhmertl zuhause. Die 73- Jährige lebt seit rund 40 Jahren in der Strubergasse – im vierten Stock, da ist das Stiegensteigen schon etwas beschwerlich. "Aber ich laufe seit 13 Jahren zu allen Politikern und bitte, dass bei uns ein Lift eingebaut wird – bis jetzt hat sich keiner um uns geschert. Aber dass uns jetzt Auszug und Abriss der Häuser damit schmackhaft gemacht werden, dass wir in neuen Wohnungen endlich einen Lift hätten, finde ich eine Gemeinheit." Auch sie hat viel Geld und Liebe in ihre Wohnung investiert – sogar ein Kachelofen steht im Wohnzimmer: "Wenn ich daran denke, dass der mit einer Spitzhacke abgetragen wird, blutet mir das Herz", gesteht Frau Schuhmertl.

"Bürgeranwalt" soll helfen

Martina Wassner ist nur zwei Blocks weiter 1977 eingezogen. "Damals war’s eine richtige Bruchbude", denkt sie zurück. Jetzt ist alles neu, "vor allem im Bad. Da gab es Betonboden und eine Blechdusche. Aber mein Sohn hat alles ausgefliest und eingerichtet. Auch die Küche ist genau so, wie ich sie brauche – es gibt zum Ausziehen hier wirklich keinen Grund", ist auch Frau Wassner sicher. Beim "Bürgeranwalt" im TV werden alle drei Frauen energisch auftreten.

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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