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21.08.2017 - 15:27
Erstbesteigung eines Unsinns: Redakteurin Anna Dobler hisst die "Krone"-Flagge auf dem Gitzen.
Foto: Franz Neumayr/MMV

Auf dem Gipfel der politischen Sinnlosigkeit

24.01.2016, 12:04

Hier sollen 220 Millionen Euro (!) verbrannt werden: Die "Krone" erklimmt den "Gitzen" als Zeichen gegen Steuergeld- Verschwendung.

Der Weg zum Gipfel politischer Unsinnigkeit führt auf den letzten Metern über einen schmalen Pfad durch dicht bewaldetes Gebiet. Der geübte Wanderer schafft den Aufstieg in einer guten halben Stunde - vorausgesetzt er findet den Gitzen überhaupt. Denn außerhalb von Bergheim ist die 676- Meter- hohe Erhebung kaum einem Salzburger ein Begriff. Und doch wird der Name Gitzen sinnbildlich für eine Verschwendung von Steuermillionen mit der Handschrift der schwarz- grünen Landesregierung in die Geschichtsbücher eingehen. Sie will nämlich keinen Millimeter von ihrem Plan abrücken, einen 220 Millionen Euro teuren Tunnel durch den Berg zu bohren.

Foto: Grafik "Krone"

"Man muss die Sinnfrage stellen"

Umgerechnet auf das ganze Land kostet dieses Projekt zur Verkehrsentlastung von Bergheim (rund 5000 Einwohner) jeden Salzburger - mit oder ohne Auto - stolze 408 Euro. Zum Vergleich: Für das Geld, das der Bau des Gitzentunnels verschlingen würde, könnteman auch drei Boeings vom Typ 737- 700 kaufen. Oder sechs ICE- Züge. Oder 275 O- Busse. Oder 297.000 E- Bikes. So ein generöser Umgang mit Steuergeld bringt die SPÖ auf den Gipfel - der Empörung! Sie meldet massive Zweifel an der Kosten- Nutzen- Rechnung an. SP- Landesrat und Verkehrsexperte Gerd Brand rechnet vor: "Wenn der Gitzentunnel in Kombination mit der Salzach- Brücke eine Verkehrsentlastung von nur 30 Prozent bringen würde, andererseits aber der wesentlich günstigere Halbanschluss Hagenau 20 Prozent Reduktion bedeuten würde, dann muss man die Sinnfrage der Investition stellen." Fast gleicher Effekt, aber ein millionenschwerer Unterschied? Brand zur "Krone": "Ich bin ja auch für eine Verkehrsentlastung, aber ich stelle mir die Frage, ob eine 25- Millionen- Euro- Lösung nicht vollkommen ausreichend wäre."

Die Antwort darauf will er in den Regierungsakten finden, für die er jetzt Einsicht beantragt hat. Bis er aber fündig wird, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Denn im Chiemseehof munkelt man, dass der Aktenberg dazu zwischenzeitlich schon höher sei als der Gitzen selbst.

24.01.2016, 12:04
Anna Dobler, Kronen Zeitung/red
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