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22.09.2017 - 05:41
Foto: Markus Tschepp

24 Stunden in der Notaufnahme am Landesspital

16.06.2011, 13:20
Bald erwarten sie den 100.000. Fall. Thomas Michalski und sein Team (Bild) sind die erste Anlaufstelle im Landesspital. "Es sind", sagt Michalski, "ja schon Leute an Nasenbluten verstorben." Deshalb lautet in der Internen Notaufnahme der Universitätsklinik Salzburg die oberste Maxime: "Wir nehmen jeden Patienten wahr, wir dürfen keine Fehler machen. Jeder wird untersucht. Und wir müssen uns immer bemühen, dass es noch besser läuft."

Das Gespräch mit dem Notaufnahme- Chef wird jäh unterbrochen. Das eingespielte Team kennt das Signal: Der Hubschrauber ist im Landesanflug. Keine zwei Minuten später: Rot Kreuz- Sanitäter in roten Overalls rollen die Bahre mit der älteren Patientin aus dem nördlichen Flachgau in den Behandlungsraum. Diagnose: unklare Herzbeschwerden.

Patient mit Husten ist kein Fall für die Innere

Die Frau zittert am ganzen Körper. Michalski tritt an ihr Bett: "Ich habe eine ganz wichtige Frage!" Die Frau ist noch immer wie erstarrt. "Wie war der Flug?" Befreit lacht die Patientin auf: "Ich war noch nie in einem Hubschrauber. Aber heute Abend hätte ich doch eine Sitzung beim Lions Club." Der Oberarzt beruhigt: "Sie werden dort sein, das bekommen wir hin."

Das Wartezimmer füllt sich. Jetzt liegt es am Team, wirklich dringende Fälle zu erkennen oder die Empfehlung "Gehen Sie doch zu ihrem Hausarzt!" auszusprechen. "Wenn einer kommt und sagt, er habe seit drei Wochen Husten und nun möchte er einen Notarzt haben, so ist er sicher kein Fall für die INA."

So wird die Interne Notaufnahme abgekürzt. Seit 2005 ist sie nun erste Anlaufstelle und der gebürtige Berliner Thomas Michalski ihr Chef. Facharzt für Innere Medizin. Kardiologie. Rettungsmedizin. Notarzt.

Professionell bleiben - auch mit schwierigen Patienten

"Wir erwarten demnächst den 100.000. Fall", gibt sich Michalski ein wenig stolz. Das Stammteam besteht aus zehn Ärzten, zumindest drei sind immer anwesend, zwischen 50 und 80 Patienten am Tag kommen – von selbst, im Taxi, mit der Rettung oder dem Helikopter. "Thomas, bitte komm!" ruft eine Schwester. Ein schwieriger Patient ist zu behandeln. "Haben Sie Schmerzen?" "Ja." "Geht es Ihnen besser als Vormittag?" "Ja." "Tut es in der Brust weh?" "Ja." "Wir werden Ihnen jetzt helfen." "Nein." "Haben Sie keine Schmerzen mehr?" "Nein." "Wollen Sie dableiben?" "Nein." "Wollen Sie nach Hause?" "Nein!"

"Wir machen das jetzt mit Elektroschock"

Ein Sportler mit Herzrhythmusstörungen kommt direkt vom Spielfeld. Eine Ärztin verabreicht Infusionen, doch der Zustand bessert sich nicht. "Wir machen das jetzt mit Elektroschock", entscheidet Michalski. Der Patient reißt verängstigt die Augen auf: "Sie schlafen ein paar Minuten, nachher ist alles okay", beruhigt der INA- Leiter. Und setzt noch hinzu: "Wenn ich Hubschrauber- Dienst habe, mache ich das im Notfall auf der Straße. Keine Angst, wir schießen das weg."

Inzwischen hat das fliegende Team eine Bäuerin aus dem Tennengau gebracht: Selbstmordversuch. Warum? "Ich habe niemand. Ich lebe allein." Wo ist der Sohn? "Nicht da!" "Wie viele Tabletten haben Sie genommen?" "Alle!" Nach der Erstversorgung taucht der inzwischen verständigte Sohn in der Klinik auf.

Die Erwartungshaltung ist groß. "Als ich noch aktiv war, hatte ich 200 Angestellte unter mir", gibt sich ein Pensionist stolz. Atembeschwerden. Entscheidung: Aufnahme. Er bleibt zum Check im Spital. "Ihr seid ein Super- Team", lobt er beim Abschied. Draußen wird es dunkel. Der erste Alkoholiker kommt, dann ein Junkie. Die INA, ein Spiegelbild des Lebens in Salzburg.

Im Bild (von links nach rechts): Dr. Clemens Krammel, Dr. Sonja Gassner, Silvia Pernerstetter, Dr. Katja Ruzicka, Oberarzt und Leiter der Internen Notfallaufnahme Dr. Thomas Michalski, Sabine Hölzl, Patricia Bavart, Dr. Nada Al Rawahi und Dr. Tamara Buchacher

16.06.2011, 13:20
Hans Peter Hasenöhrl, Kronen Zeitung/red
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