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19.09.2017 - 14:06
Salzburg 1850 von Carl Friedrich Seiffert: Von Weitem eine Idylle, doch es herrschte bittere Not.
Foto: Museum Salzburg

1816: Hunger, Not und eine neue Hundesteuer

18.04.2016, 09:35

Das Jahr 1816, als Salzburg zu Österreich kam, war eine einzige Katastrophe: Kein Sommer, keine Ernte, Elend überall. Im Freilichtmuseum zeigt man anhand des Lärchenhofes bei einer Ausstellung, wie armselig das Leben auf den Höfen war.

2Eine Zeitreise in das Jahr 1816 ist auch eine Reise in das unglaubliche Elend, das damals in Salzburg herrschte: "Die Kinder grasten wie Kühe auf den Weiden, es gab nichts zu essen", so die erschütternde Schilderung damaliger Salzburg- Reisender. Im Salzburger Freilichtmuseum wird Besuchern diese Epoche drastisch vor Augen geführt: "Hunger, Not und Gottvertrauen" heißt die Ausstellung, die von Monika Brunner- Gaurek und Susanne Brandner zusammengestellt wurde. Der Lärchenhof, ein altes Holzhaus, das seit 1505 in St. Martin am Tennengebirge stand und im Original- Zustand erhalten ist, zeigt, unter welch katastrophalen Umständen die Menschen damals lebten: 1816 bewohnte die Familie Grimming den Bauernhof. Altbauer ist Blasius Grimming, Sohn Benedikt bereits 44 Jahre alt. Sechs Kinder überleben die Geburt am Hof. Zwei Frauen des Altbauern sterben an Mangelernährung und im Kindbett, was stets finanzielle Konsequenzen hatte: Kam eine neue Frau auf den Hof, musste der Bauer jeweils 110 Gulden "Anlait" (eine Erbschaftssteuer) zahlen. Eine schwere Belastung, war doch der Lärchenhof nur 1700 Gulden wert.

Ein Drittel der Kinder starb an Krankheiten

Dramatischer könnte die Zeitreise direkt aus unserer Konsumgesellschaft nicht ausfallen, erzählt Monika Brunner- Gaurek: "Die Familie hat sich praktisch nur von dem ernährt, was auf den Feldern und im Garten wuchs und von ihren Haustieren." Es ist ein Leben ohne Strom, sogar ohne Petroleumlicht (Paraffin wurde erst 1830 entdeckt). Nur Kienspäne erhellten das Haus. Eine Zeit ohne gefüllten Kühlschrank, - Lebensmittel konnte man nur durch Trocknen, Räuchern oder Pökeln haltbar machen. Fließendes und ausschließlich kaltes Wasser gab es nur am Laufbrunnen vor dem Haus, nicht einmal ein primitives Klosett war am Hof vorhanden. Der einzige beheizbare Raum war die Stube, hier spendete ein Kachelofen Wärme. "Das Wort ,Hygiene’ existierte damals nicht, medizinische Versorgung gab es ja kaum", so Monika Brunner: Ein Drittel der Kinder starb zu dieser Zeit an Krankheiten, es gab viele Fehlgeburten. Dank des Katasters weiß man genau, was die Familie Grimming damals am Hof in St. Martin anbaute. Am Speisezettel standen etwa Muas und Milch zum Frühstück, Hafersuppe mit Wurzelgemüse oder Erdäpfelnocken mit Sauerkraut.

1816 war nach einem Vulkanausbruch auf Sumatra hierzulande das Jahr ohne Sommer, die Ernte fiel wieder einmal komplett aus. Dadurch hatte auch der Statthalter des Erzbischofs, Leopold Maximilian Graf von Firmian weniger Einnahmen. Viel Unmut und Empörung hat im Jahr darauf (1817) deshalb eine neue Abgabe bewirkt, die er allen Bauern vorgeschrieben hat. Auch der Grimming- Bauer musste einen Metzen Hundshabern (36,37 Liter Hafer) "für die Haltung der erzbischöflichen Jagdhunde" abliefern, gleich viel bekam damals der Grundbesitzer, zwei Metzen gingen als "Vogthabern" direkt an die Beamten. Susanne Brandner vom Freilicht- Museum: "Hochglanz- Magazine gaukeln uns heute gerne eine bäuerliche Idylle vor, die es ja auch heutzutage nicht gibt. Wir wollen hier nicht eine Oase der Romantik sein, sondern zeigen, wie hart das Leben auf einem Bauernhof vor 200 Jahren wirklich war."

Am 24. April demonstriert das Museum von 10 bis 17 Uhr den Alltag auf den Bauernhöfen vor 200 Jahren: Brot backen, Wäsche waschen mit primitivsten Mitteln, wie man Vorräte anlegte und mit welchen Geräten man Getreide erntete. Viele Handwerker sind ebenfalls zu Gast. Die Not zwang übrigens die Familie Grimming, den Hof im Jahr 1843 zu verkaufen. Zuletzt wohnte die Familie Diegruber am Lärchenhof, ehe er 1977 abgetragen wurde, ins Museum übersiedelte und zehn Jahre später in neuem Glanz erstand. Mit einer Auflage: Solange das Familienoberhaupt lebte, durfte er auf seinem Hof im Freilichtmuseum alljährlich seinen Geburtstag feiern.

18.04.2016, 09:35
Wolfgang Weber, Kronen Zeitung/red
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