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24.08.2017 - 05:26
Foto: APA/NEUMAYR/MIKE VOGL

17- Jähriger erstach seinen Großonkel: Zehn Jahre Haft

07.07.2012, 10:53
Zu zehn Jahren Haft ist ein türkischstämmiger Lehrling am späten Freitagabend in Salzburg verurteilt worden. Gemeinsam mit seinen vier Komplizen hatte der damals 17-Jährige im Vorjahr seinen Großonkel getötet und seinen Onkel schwer verletzt. Sein Cousin muss für acht Jahre ins Gefängnis, zwei weitere Mittäter wurden zu vier bzw. sechs Jahren Haft verurteilt. Gegen einen weiteren Komplizen wird noch wegen versuchter Körperverletzung ermittelt. Der Staatsanwalt erbat sich Bedenkzeit, die Urteile sind damit nicht rechtskräftig.

Der damals 17- jährige Lehrling attackierte am 12. September 2011 seinen 40- jährigen Onkel und dessen 58- jährigen Vater mit einem Küchenmesser. Der Großonkel starb, der Onkel wurde schwer verletzt.

Das Motiv für die Tat bleibt befremdend: Der Onkel hatte Ende der 1980er die Tante des Burschen geheiratet, obwohl er offenbar dessen Mutter liebte. Als die Ehe 2008 zerbrach, warb der Mann wieder vehement um die Frau und ließ sie - gegen ihren Willen - nicht in Ruhe. Als die Mutter des Lehrlings im vergangenen Sommer sogar eine Scheinverlobung einging, nur um dem 40- Jährigen zu zeigen, dass er keine Chance hat, soll sie der Mann am Telefon mit dem Umbringen bedroht haben.

Helfer im Internetcafé angeheuert

Während eines Türkeibesuchs im September 2011 erfuhr die Schwester des Hauptangeklagten von der Geschichte. Als sie der Bruder am 11. September gemeinsam mit seinem Cousin vom Flughafen in Schwechat abholte, erzählte sie ihm sofort vom Drängen des Onkels. Am Folgetag kam es per Telefon zunächst zu einem heftigen Streit mit dem 40- Jährigen.

Laut Staatsanwalt Robert Holzleitner hat der Lehrling dann im Laufe des Tages den Beschluss gefasst, den Onkel zu töten. Weil aber sein Cousin nicht wie ausgemacht Helfer organisiert hatte, sprachen die beiden am Bahnhof Hallein einen Bekannten an. Dieser erklärte sich sofort bereit, Unterstützung zu holen, und heuerte in einem Internetcafé spontan zwei Komplizen an, die, wie er, die späteren Opfer nicht einmal kannten.

Niedergestochen und verprügelt

Gemeinsam fuhren der Hauptangeklagte, seine Schwester, der Cousin und die drei Helfer dann nach Mitterberghütten bei Bischofshofen, wo der Onkel einen Verkaufsplatz für Gebrauchtwagen betrieb. Während der Fahrt wurde das Messer im Auto herumgereicht, der Lehrling soll auch gesagt haben, er werde seinen Onkel auslöschen. Seiner Familie gegenüber habe niemand etwas zu sagen. Die Schwester musste später aussteigen, am Ziel lauerten die Burschen dann ihrem Opfer auf.

Als der Onkel in Begleitung seines Vaters am Verkaufsplatz auftauchte, den Burschen zur Rede stellte und ihm zwei Ohrfeigen versetzte, griff dieser nach dem Messer und stach ohne Vorwarnung achtmal wuchtig zu. Dann wandte er sich dem Vater seines Onkels zu und stach siebenmal zu. Beide Männer wurden zudem von drei der mitgefahrenen Komplizen mit Fäusten, Tritten und einer Stahlrute attackiert. Während es dem Onkel gelang, schwer verletzt mit dem Auto zu flüchten, starb der 58- jährige Großonkel noch am Tatort.

"Ging niemals um Ehre, ich hatte Angst um meine Mutter"

Der 17- Jährige bekannte sich im Prozess grundsätzlich schuldig, bestritt aber die Mordabsicht. "Es ging niemals um die Ehre, ich hatte Angst um meine Mutter. Mir wurde beigebracht, dass ich meine Familie schützen muss", hatte er erklärt. Das Küchenmesser habe er nur zum Schutz seiner Schwester mitgenommen, an den Tathergang könne er sich nicht mehr erinnern. "Ich bin hingefallen, ab diesem Zeitpunkt wusste ich nicht mehr, was ich tue. Es war, wie wenn ich in Luft stechen würde."

Seine ursprüngliche Version, er habe in Notwehr gehandelt, hielt der Staatsanwaltschaft als "eindeutig widerlegt". Es gebe keinen Zweifel an der Mordabsicht. Abgesehen von zwei Ohrfeigen, die der Onkel austeilte, hätten die späteren Opfer keine Gewalt angewendet. Beim ersten Schmerzensschrei des Onkels hätte den Komplizen klar sein müssen, dass der Lehrling eine Waffe einsetzte. "Die anderen haben in Kauf genommen, dass sie zum Mordgeschehen beitragen." Die Komplizen hatten im Prozess die Tötungsabsicht bestritten und sich lediglich zur Körperverletzung bekannt.

07.07.2012, 10:53
AG/red
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