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30.03.2017 - 06:01
Foto: thinkstockphotos.de

Washington DC: Im Kartenhaus der Macht

22.03.2014, 17:00
"Legen Sie Ihr altes Leben ab, suchen Sie sich eine neue Identität aus und lernen Sie den Lebenslauf – jeder kleine Fehler könnte für Sie das Ende bedeuten." Der Tonfall ist theatralisch streng, wenn man das Spy Museum in Downtown Washington betritt. Die Besucher sollen sofort in die nervenkitzelnde Welt der Spionage versetzt werden.

In eine Zeit, als Spione noch mit geheimnisumwobenem Glanz und Glamour, schönen Frauen und schnellen Autos verbunden waren und Schriftsteller und Filmemacher zu abenteuerlichsten Geschichten inspirierten. In eine Zeit lange vor den charmebefreiten Datenjägern der NSA & Co.

Lippenstift- Revolver und Kugelschreiber- Kameras

Es geht vorbei an Lippenstift- Revolvern und geheimen Kameras in Kugelschreibern und falschen Hundehäufchen und auf allen vieren durch einen Luftschacht mitten hinein in eine militärische Überwachungszentrale. Vorbei an großen Legenden wie der verführerischen Mata Hari und dem Autor Ian Fleming, britischer Nachrichtenoffizier, Berater des amerikanischen Sicherheitsdienstes und literarischer Vater von James Bond.

Dem Gentleman- Agenten ist zu seinem 50. Geburtstag eine eigene Ausstellung im Spy Museum gewidmet – alle legendären Bösewichte inklusive. Zum Abschluss der Spionagetour wird die anfangs angelernte Identität in einem interaktiven Verhör getestet. Lügen ist manchmal gar nicht so einfach…

Auf den Spuren von "House of Cards"

"In Washington gibt es mehr Spione als irgendwo in der Welt", meinte einst ein FBI- Chef – und das gilt wohl immer noch. Doch Washington ist nicht nur die Hauptstadt der geheimen Spürnasen, sondern auch der politischen Intrigen. Zurzeit fesselt das perfide Kartenspiel des Kongressabgeordneten Frank Underwood in der Erfolgsserie "House Of Cards" Menschen rund um den Globus vor den Fernseher – selbst im Weißen Haus outete sich Präsident Obama als großer Fan des fiesen Ränkespiels.

Bei einer Stadttour kann man mittlerweile den Spuren von Underwood folgen. Beginnend mit dem prächtigen Kapitol, das majestätisch über dem Grünstreifen der Mall thront und ein Sinnbild des Zentrums der Macht ist. Aus Hochachtung vor dem mächtigen Bauwerk darf bis heute kein Gebäude in DC höher sein als dessen schillernd weiße Kuppel.

Franks Tour führt zum Weißen Haus, wo man zumindest durch den Zaun einen Blick auf den Amtssitz des Präsidenten werfen kann. Und im urigen Hill Country Barbecue Market stärkt man sich schließlich wie der Kongressmann mit saftigen Spareribs. Dass die Serie eigentlich gar nicht in Washington gedreht wurde, tut dem Erlebnis keinen Abbruch.

Denkmäler für US- Soldaten und Polit- Größen

Wenn man durch die Straßen von Washington wandelt, begegnen einem ununterbrochen Geschichte und Geschichten. Auf der zentralen Parkanlage The Mall zum Beispiel wurden den Kriegsopfern des Ersten und Zweiten Weltkriegs, den Kämpfern in Korea und Vietnam beeindruckende Denkmäler errichtet.

Auch Amerikas erster Präsident und Namensgeber der Hauptstadt, George Washington, bekam hier im Herzen der Metropole sein Monument in Form eines gigantischen Obelisken. Am unteren Ende der Mall residiert der marmorne Abraham Lincoln in seinem Tempel. Nicht weit entfernt schlug die letzte Stunde des großen Präsidenten.

Durch eine interessante Ausstellung über sein Leben erreicht man den Zuschauersaal des Ford Theatres, in dem die üppig geschmückte Loge daran erinnert, dass Lincoln hier erschossen wurde. Er war der erste amerikanische Präsident, der einem Attentat zum Opfer fiel. Der letzte aus dieser traurigen Reihe war John F. Kennedy. Er ruht auf dem Hügel des Arlington Friedhofs, ihm zu Füßen das Meer der weißen Grabsteine der gefallenen Soldaten.

Spaceshuttles und Flugzeuge im Gratis- Museum

Die anschaulichen Geschichtslektionen müssen aber nicht immer so tragisch und dunkel sein. Im Air & Space Museum zum Beispiel haben kleine und große Technik- Enthusiasten Spaß an Spaceshuttles, Flugzeug- Oldtimern und Simulatoren. Im Museum Of Natural History funkelt der berühmte Hope- Diamant – mit 45,52 Karat der wohl größte Diamant der Welt und auch eines der meistbesuchten Museumsobjekte überhaupt.

Im Museum Of American History gibt es neben den blutigen Kapiteln der Kriegsgeschichte auch fröhliche Must- Sees wie den original "Kermit" aus der Muppet Show, die schönsten Roben der First Ladys und das erste "Star- Spangled Banner", die handgenähte erste Flagge Amerikas.

Die meisten Museen und auch der malerische Zoo der Stadt sind gratis – dank des reichen englischen Wissenschaftlers James Lewis Smithson, der sein Vermögen im 19. Jahrhundert der Stadt Washington vermachte. Noch heute achtet die Smithsonian- Stiftung seinen Wunsch, dass niemand Eintritt für die Tempel des Wissens zahlen muss. Damit wirklich jeder in Kunst und Wissenschaft "hineinspionieren" kann.

22.03.2014, 17:00
Franziska Trost, Kronen Zeitung
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