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06.12.2016 - 22:24
Foto: visitumea.se

Umea: Zu Besuch in Europas neuer Kulturhauptstadt

22.02.2014, 17:00
Umea ist die größte Stadt Nordschwedens und Europäische Kulturhauptstadt 2014, aber – Hand aufs Herz – wer (außer eingefleischten Fußball- oder Ski-Fans) hat den Namen schon einmal gehört?

Zwei größere Straßen, ein paar sehr hübsche alte schwedische Holzhäuser, eine Reihe von Geschäften, Bars, Lokalen, der große Fluss Ume älv, der im Winter völlig zugefroren ist, Tausende Birken – das ist der erste Eindruck von Umea (sprich: Ümeo mit Betonung auf dem Ü), der Hauptstadt der Region Västerbottens län.

Aber da gibt es noch viel mehr: etwa den neuen Kunstbezirk mit einem erstaunlichen Museum, dem Bildmuseet, das jährlich etwa 15 verschiedene, durchwegs hochwertige Ausstellungen zeigt. Dazu eine der renommiertesten Designschulen, wo auch der eine oder andere österreichische Student die höheren Weihen einer außergewöhnlichen Ausbildung empfängt, oder ein aktives Architekturzentrum.

Reichlich Kultur, freundliche Bevölkerung

Die Norrlandsoperan, das moderne Opernhaus, hat ein Einzugsgebiet aus ganz Nordskandinavien, im Skulpturenpark Umedalen finden sich auf dem Gelände der ehemaligen psychiatrischen Klinik Arbeiten von den bekanntesten internationalen Künstlern, und ein neu eröffnetes, spektakuläres Gitarrenmuseum verweist auf Umea als nördliches Zentrum knallharter Musik. Ziemlich heftig geht es auch in den Krimis von Stieg Larsson zu, der aus Umea stammt und dessen Spuren man in eigenen Stadtspaziergängen folgen kann.

Die Bevölkerung ist freundlich und offen, eine Seltenheit in diesen meist eher verschlossenen Breitengraden. Das liegt nicht zuletzt an den 36.000 Studenten, die aus der ganzen Welt kommen und die auch zum rasanten Wachstum dieser Stadt beitragen. In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Einwohnerzahl auf knapp 120.000 verdoppelt.

Umea lockt mit Festivals und Veranstaltungen

Auf der touristischen Landkarte ist die dynamische Studentenstadt trotz ihrer 700- jährigen Geschichte noch nicht besonders deutlich verzeichnet. Das soll sich in diesem Kulturhauptstadtjahr aber grundlegend ändern. So wünschen sich die Organisatoren des Programms einen Touristenzuwachs von 15 bis 20 Prozent.

Womit aber möchte man die Besucher in die Stadt locken, die etwa sechseinhalb lange Autostunden, aber nur eine gute Flugstunde nördlich von Stockholm liegt? Gut 40 Festivals mit Tausenden Veranstaltungen stehen auf dem Jahresprogramm – vom Jazz über den Motorsport, von einer Open- Air- Operninszenierung der spanischen Truppe La Fura dels Baus ("Elektra" von Richard Strauss) bis hin zu den samischen Wochen mit dem traditionellen Jojken und Rentierkuscheln reicht die Palette der Attraktionen.

Eisige Kälte im Winter, endlose Tage im Sommer

Dazu kommen ungewöhnliche Kälte, Schnee und Dunkelheit im Winter, aber als Ausgleich endlose Tage mit blühenden Explosionen im Sommer. Und wem die Kultur, die von Umeas Bürgermeisterin Marie- Louise Rönnmark ohnehin sehr weit gefasst als Zusammentreffen von Menschen verstanden wird, zu viel wird, der kann sich auf die vielen Langlaufloipen oder in herrliche Wandertouren durch eine beeindruckende Landschaft flüchten.

Das Kulturhauptstadtjahr richtet sich nach den acht samischen Jahreszeiten, wie überhaupt die Sami – ein ursprünglicher Volksstamm, der mit seinen Rentierherden nomadisch durch die Lande zieht – stark im Programm vertreten sind.

Kein leichtes Leben für die Sami

Das ist möglicherweise eine kleine Wiedergutmachung für jahrzehntelange Unterdrückung und auch heute noch praktizierte Ausgrenzung. Die Probleme der Sami, deren Sprache in Schweden verboten war und deren Traditionen beinahe ausgerottet wurden, haben heute ein anderes Gesicht.

Landrechte verhindern den ungehinderten Durchzug der Rentierherden und ihr Lebensraum in den Wäldern Nordschwedens wird zusehends durch den sich auch auf die Natur negativ auswirkenden, stark wachsenden Bergbau eingeschränkt. Im Freilichtmuseum Gammlia kann man das ganze Jahr über die Lebensweise der Sami erkunden – komprimiert während der samischen Wochen im März. Dort wird man auch das Jojken hören, die hochpoetische, gesungene Sprache dieses Volkes.

Rentierfleisch und Lachs als kulinarische Genüsse

Die Rentiere sind aber nicht nur die putzig anzuschauenden Begleiter der Sami, sie liefern auch die im Winter so nötigen Felle und ein ausgezeichnetes Fleisch, das man in Umea überall verkosten kann. Zweites Hauptnahrungsmittel ist natürlich der Lachs, mit dem die Küchenchefs ebenfalls ganz hervorragend umzugehen wissen. Und kein Schwedenbesuch sollte ohne Kanelbullar, die köstlichen Zimtschnecken, über die Bühne gehen.

Trotz der etwas umständlichen Anreise ist Umea den Besuch wert, denn langweilig wird es einem hier auch abseits des Kulturhauptstadtjahres ganz sicher nicht.

22.02.2014, 17:00
Michaela Reichart, Kronen Zeitung
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