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09.12.2016 - 02:37
Foto: thinkstockphotos.de

Sosopol in Bulgarien: Auf den Spuren des Apollo

28.09.2013, 17:00
"Es soll unsere Freiheitsstatue werden, unser Eifelturm." Bürgermeister Panajot Rejsi gerät ins Schwärmen, wenn er von der monumentalen Apollo-Statue spricht, die er seinem Sosopol als Wahrzeichen verpassen will. Denn die Stadt gehört ja Apollo, wurde nach ihm benannt – das alte Apollonia, vor über 2.600 Jahren, um 610 vor Christus, von griechischen Siedlern aus dem kleinasiatischen Milet gegründet.

Die Bulgaren sind sich ihres antiken Erbes bewusst, und sie wissen es auch zu vermarkten. Und wer heute an der Schwarzmeerküste Gold- und Sonnenstrände sucht, der kann dort auch in die Geschichte eintauchen und die Spuren einer großen und bewegten Vergangenheit aufspüren.

Alte Reliquien und mysteriöse Vampirgräber

Der Bürgermeister aber wandert weiter in byzantinische Zeiten und preist die Reliquie Johannes des Täufers an, die 2010 in einer Klosterruine auf einer nahen Insel entdeckt worden ist.

Als jüngste Attraktion nennt er zwei Leichenfunde als Zeugnisse mittelalterlicher Vampirängste – den Skeletten eines Mannes und einer Frau sind im Grab Pfähle in die Brust gestoßen worden, damit sie nicht als Untote zurückkehren könnten. Von dieser Sensation hatten sogar internationale TV- Sender berichtet.

Bulgariens Hotels wissen zu überzeugen

Dass die bulgarische Hotellerie im 21. Jahrhundert angekommen ist, davon konnten wir uns eine Woche lang genüsslich im Neptun Beach am Sonnenstrand, nicht weit von Burgas, überzeugen – und von der fantastischen Organisation, die da in der Vorsaison Scharen von Pensionisten einen sorgenfreien Urlaub bereitet.

Da wird einem der Koffer in Schwechat aus der Hand genommen, und im Hotelzimmer findet man ihn wieder. Die Ausflugsprogramme bringen uns Land und Leuten näher, in malerischen Bergdörfern mit ihrem traditionellen Handwerk oder durch die tollen Tänzer und Musiker der einzigartigen Folkloreschule Kotel.

Griechische Wurzeln bleiben unübersehbar

In unmittelbarer Nachbarschaft der Hotels liegt, über einen Damm erreichbar, die romantische Inselstadt Nessebar, mit ihren Kirchen, Ikonen und Fresken Weltkulturerbe und für die Touristen schon seit jeher ein unverzichtbares Muss. Im Museum und wo immer gegraben wird, sind auch hier die griechischen Wurzeln sichtbar, bleibt das einstige Mesambria lebendig.

Doch die bedeutendste und wehrhafteste Stadt der Hellenen an der westlichen Schwarzmeerküste war Apollonia, eben das heutige Sosopol, ein gutes Stück südlich von Burgas. Ihr Wappen ist einer jener antiken Anker wie auf den hier geprägten Münzen oder wie sie Taucher aus dem Schlamm des Hafens geholt haben.

Österreichische Spione im Osmanenreich

"Eine der wichtigsten Quellen für unsere Stadtgeschichte unter der Türkenherrschaft im 18. Jahrhundert sind Berichte österreichischer Diplomaten", verrät uns Frau Maria, als sie uns durch das Privatmuseum der Sozopol Foundation führt.

Sie waren wohl als Reisende getarnte Kundschafter, die sich im Osmanischen Reich umsahen. Einer Wienerin verdankt die Dame ihr weiches, fast akzentfreies Deutsch: "Sie war hier hängen geblieben und hat mir Sprachstunden gegeben."

Antike Ruinen unter dem noblen Ruhesitz

Dann erzählt uns Frau Maria von einem reichen Bulgaren, der sich eines der pittoresken alten Häuser aus Holz und Stein über den byzantinischen Mauern am Meer als bequemen Ruhesitz herrichten lassen wollte. Bei Beginn der Arbeiten stießen Archäologen auf die Fundamente eines Wehrturmes, Reste der griechischen Festung, ein Nympheum und einen tiefen Süßwasserbrunnen aus dem vierten Jahrhundert vor Christus.

Da gründete der Bauherr eine Stiftung und beschloss, sein Haus samt restaurierten Ausgrabungen und, was man dabei ausgebuddelt hat, in einen musterhaften Schaukasten der so reichen und stürmischen Historie Sosopols zu verwandeln – sogar mit behindertengerechten Pfaden.

Apollo soll in alter Größe zurückkehren

Ein Lift mit Blick auf die See lässt uns sanft in ein anderes Jahrtausend hinunterschweben – und dort erwartet uns Apollo als Gott der Heilkunst, als der er hier verehrt worden ist. Seine fast 15 Meter hohe Bronzeskulptur bekrönte Apollonia, bis sie Marcus Lucullus 72 vor Christus nach Rom verschleppte.

Heute soll die wesentlich kleinere Kopie hier an den Stadtgott erinnern. Bürgermeister Rejsi aber will die Figur in alter Größe auferstehen lassen - damit die Besucher gleich beim ersten Anblick wissen, wem Sosopol wirklich gehört.

28.09.2013, 17:00
Ernst Trost, Kronen Zeitung
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