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10.12.2016 - 12:54
Foto: thinkstockphotos.de

Mit dem Schiff durch Russlands unbekannte Weiten

18.01.2014, 17:00
Die Flusskreuzfahrt von Astrachan bis Wolgograd und Rostov am Don führt nicht nur in Städte, die bisher kaum jemand kennt, sie ist auch eine Reise in die Vergangenheit.

Kaum zu glauben, wie viele Leute schon eine Kreuzfahrt in Russland gemacht haben. Und alle schwärmen von Moskau und St. Petersburg. Aber Astrachan? Kennt kaum jemand. Wolgograd schon eher – aber ich kenne niemanden, der schon dort war. Kein Wunder, war es doch die Premierenfahrt auf der "MS Igor Strawinsky", mit der ich auf Wolga (und Don) in den unendlichen Weiten Russlands dahinschaukelte. Und lernte, dass man Wasser trinken kann, Wodka aber muss!

Die "Igor Strawinsky" ist das erste russische Kreuzfahrtschiff mit vier Sternen. Ein DDR- Relikt, das 2011 generalsaniert wurde und mit zwei Bars, einem Sonnendeck und Bordprogramm beinahe rund um die Uhr auch die Seetage durchaus vergnüglich verbringen lässt. Überraschend geräumig die Kabine, zumindest die Junior- Suite mit zwei Fenstern, die sich sogar öffnen lassen.

Sonnenschein und Wolkenbruch

Bei der Ankunft in Astrachan brennt die Sonne derart vom Himmel, dass die meisten Passagiere fürchten, die falsche Garderobe mitgenommen zu haben. Am Wasser allerdings gibt sich das wieder, und am Ziel der Reise in Rostov am Don erleben wir sogar einen Wolkenbruch, wie ihn auch die erfahrene Crew selten sieht - die dennoch kreativ dafür sorgt, dass man halbwegs trockenen Fußes von Bord zum jeweiligen Abendprogramm starten kann.

Astrachan entpuppt sich als entzückendes Städtchen mit dem "Kreml" und der berühmten Mariä- Entschlafenskirche als imposantem Zentrum. Auffallend: In ihr sieht man nicht nur alte Einheimische ins Gebet versunken da knien, sondern überraschend viele Junge. Ja, die Russen sind sehr fromm, vielleicht, weil das lange Zeit vom Regime nicht gerne gesehen war. Die 90 Kilometer lange und nur zwei bis neun Kilometer breite Eine- Million- Einwohner- Stadt Wolgograd hingegen ist eine Reise in die Vergangenheit und ein einziges Mahnmal.

Reise in die Vergangenheit

Nicht nur der Versöhnungsplatz und der Platz der gefallenen Helden, auf dem laut Legende ein einziges, mickriges Bäumchen überlebte, das noch heute aus dem Beton ragt. Es ist vor allem der Mamajew- Hügel zur Erinnerung an die Schlacht von Stalingrad. Nach dem Haupttor führen 200 Stufen – gesäumt von Statuen – zur Halle des Ruhms und schließlich zur 85 Meter hohen Mutter Heimat, die ein 29 Meter langes und 14 Tonnen schweres Schwert schwingt. Ursprünglich aus Titan, wurde es fünf Jahre nach der Eröffnung gegen eines aus Stahl getauscht, denn im heftigen Wind hatte es sich zu bedrohlich bewegt.

Eine Busstunde außerhalb von Wolgograd liegt der Friedhof Rossoschka, die deutsche (und österreichische) Kriegsgräberstätte. Eine unwirtliche Gegend, der Wind bläst unfreundlich. Die meisten, die hierherkommen, tun es aus persönlichen Gründen. Auch ich, und tatsächlich finde ich auf einem der 126 großen Granitwürfel mit fast 120.000 Namen der vermissten Soldaten den meines Onkels, der seit August 1943 in Stalingrad vermisst wird. Er war der Bruder meines Vaters und erst 23 Jahre alt. In den Erinnerungen seiner Familie lebte er weiter, daher auch in meiner. Ich bin die Erste, die ihn hier besucht hat. Dann steige ich wieder in den Bus.

13 Schleusen im Zuckerbäcker- Stil

Auf der Weiterreise bis Rostov am Don durch die Steppe gibt's mehr zu sehen als die endlosen russischen Weiten: Im 101 Kilometer langen Wolga- Don- Kanal sind 13 Schleusen zu passieren – in oft spannender, präziser Millimeterarbeit der Besatzung und unter den riesigen Triumphbögen der Schleusentore, die im Zuckerbäcker- Stil wie steinerne Zeugen an die ehemalige Stalinzeit erinnern – und die Kameras im Sekundentakt klicken lassen.

Die Ankunft in Rostov ist ein richtiges Volksfest. Beim Anlegen ist die Reling mit bunten Luftballons geschmückt, Musik schallt aus den Lautsprechern, am Kai warten die Angehörigen der Crew mit den Kindern im Arm und Blumensträußen in der Hand. Die rührenden Wiedersehensszenen noch vor Augen, stürmen wir zum nahen Supermarkt. Jetzt wird geshoppt! Mitbringsel, aber vor allem Wodka. Und zwar den Büffelwodka, den angeblich Breschnew am liebsten trank und der auch unsere Verkostung haushoch gewonnen hat. Nasdarowje!

18.01.2014, 17:00
Hedwig Savoy, Kronen Zeitung
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