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10.12.2016 - 11:39

Mit dem Private Guide von Nord bis Süd durch Vietnam

09.02.2013, 17:10
Zehntausende Mopeds, und sie kommen von allen Seiten. Sie zeigen, wer der Herr auf den Straßen ist. Als Tourist, der im Kleinbus sitzt, erwartet man jeden Moment einen Unfall und denkt sich, dass jeder Ausländer, der hier mit dem Auto fährt, mehr riskiert als ein Seiltänzer hoch über dem New Yorker Times Square. Willkommen, geschätztes Leserpublikum, in Vietnam, das sich langsam von unzähligen alten Wunden erholt und sich dem Reisenden öffnet. Ein Land voller kulinarischer Genüsse, voller Kultur und hilfsbereiter Menschen – nur eben nicht zum Autofahren.

Sicher ist es möglich, Vietnam von Norden nach Süden, von Hanoi bis Ho- Chi- Minh- City (das früher Saigon hieß) individuell zu bereisen, empfehlenswert ist es aber, eine Tour zu buchen. Wer es besonders komfortabel haben, besonders viel sehen und auf niemand Fremden Rücksicht nehmen möchte, nimmt sich einen Private Guide. Dieser holt einen am Flughafen ab, sorgt persönlich für die Hotelunterkunft und das Einchecken beim Weiterflug und spult ein Programm herunter, wie es informativer und präziser nicht sein kann.

Quan hieß unser Guide in Hanoi. 45 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, ausgebildet in der einstigen DDR. In der vietnamesischen Hauptstadt zeigt er uns seine Lieblingsplätze. Die 1049 auf einem Baumstamm errichtete Pagode, den 700 Meter langen Schwertsee und ein weltweites Unikum, das Wasserpuppentheater. Da sitzt der Besucher vor einem großen Wasserbecken, in dem Puppenspieler ihre bis zu einen Meter hohen und fünf Kilo schweren Figuren alte Sagen darstellen lassen. Immer dabei sind auch die vier heiligen Tiere Vietnams, die einem auf der gesamten Rundreise begegnen – Phönix, Einhorn, Drache, Schildkröte.

Zum Drüberstreuen gibt es noch einen Besuch im Literaturtempel, der nie ein Tempel war und nie zu religiösen Zwecken verwendet wurde. Er besteht aus fünf ummauerten Innenhöfen und war, wenn man so will, die Kaderschmiede der Leitenden, kaiserlichen Beamten, die im Geist des großen Konfuzius ausgebildet wurden. Mehr als 1.300 Namen von Absolventen wurden in Steine gemeißelt, die seit 2010 zum UNESCO- Weltkulturerbe gehören.

Der Aufforderung nach Trinkgeld entkommt man nicht

Am Tag darauf wartet auf jeden Besucher ein unvergesslicher Eindruck – die Halong- Bucht im Golf von Tonkin. Sie umfasst 1.500 Quadratkilometer und besteht aus knapp 2.000 Felsen, die malerisch aus dem Wasser ragen. Wer einen Private Guide gebucht hat, fährt mit der Dschunke allein aufs Meer hinaus. Und hat dann aber kaum eine Chance, dem bootseigenen Laden oder gar der Aufforderung nach Trinkgeld zu entkommen. Apropos Trinkgeld: Das sollte man auch beim Besuch einer vietnamesischen Folklore- Darbietung in der Stadt Bac Ninh bei sich haben. Und nicht nur dort. Die Leute sind freundlich, geben ihr Bestes. Wenn man weiß, was sie verdienen, sollte es einem nicht schwerfallen, zwei bis fünf Dollar springen zu lassen.

Per Flug geht's weiter nach Da Nang und von dort in die (ebenfalls zum Weltkulturerbe zählende) Stadt der Tausenden Laternen, Hoi An. Wahrzeichen ist die aus dem 17. Jahrhundert stammende japanische Brücke, die einst das japanische mit dem chinesischen Viertel verband. In der Stadt wimmelt es nur so von Touristen. Und weil das so ist, sind Einheimische auf die tolle Idee gekommen, sie mit dem Boot zu einem kleinen Dorf zu bringen, wo sie unter fachlicher Anleitung eine Laterne basteln können. Für die Anleitung ist – erraten – ein Trinkgeld willkommen.

Der Weg führt von Hoi An über den knapp 500 Meter hohen Wolkenpass nach Hue, das von 1802 bis 1945 die Hauptstadt Vietnams war. Übrigens: Wenn man entlang der Strecke, wie auch im gesamten Land, inmitten von Reisfeldern oder Kuhweiden Gräber entdeckt, ist das für die Bevölkerung nichts Besonderes. Friedhöfe, wie wir sie kennen, gibt es nicht. Besitzt jemand Land, wird er darauf seine Vorfahren begraben. Das war schon immer so und wird vermutlich auch für immer so bleiben.

Hue beherbergt das Museum der Cham – eines Volkes, von dem heute nur noch 150.000 Menschen leben. Jahrhundertelang waren die Cham sehr mächtig, ehe sie von den Vietnamesen unterworfen wurden. Ihr Skulpturen deuten darauf hin, dass sie aus Indien gekommen sind. In Hue steht auch das Grab des Kaisers Tu Doc, der von 1829 bis 1883 gelebt und Vietnam von der Außenwelt abgeschottet hat. Er hasste die Franzosen und soll sie einer Legende zufolge auf dem Sterbebett verflucht haben. Wie jeder Kaiser verfügte auch Tu Doc über einen großen Harem. Trotzdem wurde er nie Vater, weil ihn die Pocken früh impotent gemacht hatten.

"Eine der köstlichsten Suppen, die ich je gegessen habe"

Hue liegt am Fluss der Wohlgerüche, auch Parfümfluss genannt. Die Bootsfahrt gehört bei jeder Tour dazu, bringt aber keine aufregenden Fotomotive. Abends erwartet die Touristen ein vietnamesisches Essen, das ein wenig an den Chinesen ums Eck erinnert: Rind- und Schweinefleisch süß- sauer, Frühlingsrollen, gebackene Bananen. Na ja, Vietnam stand immerhin 1.000 Jahre unter chinesischer Herrschaft. Da bleibt schon das eine oder andere hängen.

Man gestatte mir noch ein paar Worte zum Essen: Das typisch Vietnamesische heißt Pho Bo. Damit ist eine Suppe gemeint, die rasch und mit allen möglichen Zutaten – Fisch, Fleisch, Gemüse, Nudeln – zubereitet wird. Egal, was sie beinhaltet – sie ist eine der köstlichsten Suppen, die ich jemals gegessen haben. Bitte unbedingt probieren!

Die Endstation der Reise ist Saigon, das nun Ho- Chi- Minh- City heißt. Eine mondäne Großstadt, in der es scheinbar alles gibt und alles möglich ist. Sie zu besichtigen, würde wohl eine Woche dauern – mindestens. Aber der Private Guide hat etwas anderes vor – die Fahrt zum 39.000 Quadratkilometer großen Mekong- Delta, in dem jährlich unter anderem in drei Etappen an die 16 Millionen Tonnen Reis geerntet werden. Mein Eindruck war eher ein unspannender: Da und dort ein paar Boote und ärmliche Pfahlbauten (allerdings mit eingeschalteten Farbfernsehern) – ansonsten nur Wasser, so weit das Auge reicht. Die Tour, bei der die lokale Führerin mit Trinkgeld rechnet (Überraschung...), führt zur Obstinsel, auf der gesungen und getanzt und der lokale, sehr dünnflüssige Honig angeboten wird. Zum Mittagessen gibt es für jeden Touristen den in dieser Gegend einzigarten Elefantenohrfisch. Ganz ehrlich – den muss ich nicht unbedingt haben.

Ich könnte noch über viele Ausflüge berichten, aber ich glaube, jetzt ist es an der Zeit, dass sich jeder Vietnam- interessierte Reisende schlaumacht, was ihm nun gefallen würde.

Entspannungsurlaub nach der anstrengenden Tour

Ein paar Sätze noch zum Entspannungsurlaub nach der anstrengenden Tour. Meine Frau und mich hat's in den Südosten nach Mui Ne, 200 Kilometer von Saigon entfernt, verschlagen. Was soll ich sagen? Traumhaftes Hotel, traumhafter Strand – und ein etwas gewöhnungsbedürftiger Ort. Es reiht sich zwar ein Lokal ans andere, wirklich gut essen kann man aber nur in einigen wenigen. Vielleicht liegt es auch daran, dass Krokodil oder Schlange nicht gerade meinen Gaumen reizen, sondern eher die vielen – im übrigen sehr netten – russischen Gäste erfreuen.

Auch in Mui Ne gilt meine Empfehlung: Bitte nicht selber mit dem Auto, Motorrad, Moped oder Fahrrad fahren. Der Verkehr gehorcht auch hier eigenen Gesetzen, die wir als Chaos bezeichnen würden. Aber das weiß man ja schon seit Anfang der Geschichte.

09.02.2013, 17:10
Manfred Niederl, Kronen Zeitung
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