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20.09.2017 - 23:28

Mexiko zeigt sich bunter und aufregender denn je

15.11.2014, 17:00
Für die Azteken und Maya ging von der Landschaft eine magische Kraft aus. Bis heute hat diese Kulisse nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Im Gegenteil, Mexiko präsentiert sich bunter und aufregender denn je.

Sagenhafte Legenden ranken sich um die längst versunkenen Hochkulturen des amerikanischen Kontinents. Um die Geheimnisse zu lüften, wühlen Forscher fieberhaft im Staub der Jahrhunderte. Keine Ahnung haben wir, welche archäologische Sensation sich direkt unter unseren Füßen anbahnt, als wir in Teotihuacán 40 Kilometer nordöstlich von Mexiko City die – falls uns beim Zählen kein Fehler unterlaufen ist – 236 steilen Stufen der gewaltigen Sonnenpyramide keuchend emporstapfen. Unbedarft genießen wir in mehr als 60 Meter Höhe die atem(be)raubende Aussicht auf die "Straße der Toten", die Ciudadela sowie die Mondpyramide.

Foto: Karl Grammer

Zwei Tage nach der Erkundungstour durch die archaische Ruinenstadt erfahren wir von aufsehenerregenden Funden. Wissenschaftler waren auf einen Tunnel in die "Unterwelt" samt Schatzkammer mit Opfergaben und rituellen Relikten gestoßen. Dank der entdeckten Statuen, Edelsteine & Co. hoffen sie auf neue Erkenntnisse über die Gepflogenheiten jenes Volkes, das eines der bedeutendsten prähistorischen Zentren erschuf und von 100 bis 650 nach Christus Mesoamerika dominierte. Völlig verlassen fanden die Azteken im 14. Jahrhundert das nunmehrige UNESCO- Weltkulturerbe vor. Den mystischen Ort tauften sie Teotihuacán – "Wo man zu einem Gott wird".

"Chicken- Pizza" statt Chichén Itzá

Mehr ist über die Maya bekannt, obwohl vieles noch im Verborgenen liegt. "Sie waren fantastische Astronomen und Architekten", schwärmt Reisebegleiter Guillermo. Eindrucksvolles Zeugnis ihrer Künste legt Chichén Itzá auf der Halbinsel Yucatán ab. Herzstück der präkolumbischen Anlage ist El Castillo, die alles überragende Pyramide des Kukulcán.

Die gefiederte Schlangengottheit wird zweimal im Jahr, pünktlich zur Tagundnachtgleiche, scheinbar zum Leben erweckt. Wenn die untergehende Sonne ein gezacktes dunkles Band auf die Treppe zeichnet und dieser Schatten am Ende mit einem steinernen Reptilienkopf verschmilzt, wirkt es, als ob sich Kukulcán von seinem Tempel erhebt und herabwindet. Aber auch ohne das seltene Schauspiel steckt die Kultstätte voller rätselhafter Symbolik. Unseres Guides amüsante Anmerkung am Rande: "Für fastfoodverwöhnte Gringos, die sich den Namen Chichén Itzá nicht merken können, ließen sich schnippische Touristenführer eine Eselsbrücke einfallen. Chicken- Pizza!"

Ganz in der Nähe im Straßendorf Pisté bietet sich die Gelegenheit, heute lebende Maya zu besuchen. "Hola!" Hernán empfängt uns mit einem freundlichen "Hallo". Seine 77 Jahre sieht man ihm nicht an. Ohne Umschweife führt der Gastgeber durch seinen Garten mit tropischen Früchten, zeigt stolz Erdnuss- und Tabakpflänzchen, die er anbaut. Im Nu wird ein Baumstamm zur Werkbank. Hernán legt das dicke Blatt einer speziellen Algarve darauf und schabt so lange mit einem Holzprügel das Grün ab, bis farblose robuste Naturfasern übrig bleiben. Daraus dreht er einen Strang. "Damit lassen sich leicht 30 Kilo heben", lässt Hernán übersetzen. So reißfest, wie sich diese dünne Schnur  anfühlt, glauben wir ihm aufs Wort.

Seine Frau (71) mit dem blumigen Namen Azalea treffen wir, als wir eine der bescheidenen Hütten ringsum betreten. Gelassen hockt sie neben der Feuerstelle im lehmigen Boden, aus Teig formt sie geschickt Tortillas – mit oder ohne köstliche Fülle ist das Fladenbrot aus Mais eine beliebte Speise. "Seit 52 Jahren sind Azalea  und ich verheiratet", erzählt der Hausherr nebenbei. Vier Töchter und zwei Söhne haben die beiden. "Alle in der Hängematte gemacht und daheim zur Welt gebracht." Letzteres können wir nachvollziehen.

Nur einen Katzensprung von der Familie entfernt erwartet uns eine willkommene Abkühlung. Die Cenote Ik Kil ist eines von unzähligen runden Löchern im eingebrochenen Kalksteinuntergrund Yucatáns, die – mit Süßwasser gefüllt – sich meist in unterirdische Höhlen verzweigen. Den Maya waren die Cenoten heilig. Entsprechend ehrfurchtsvoll nehmen wir dort, wo sich Tage zuvor Red- Bull- Cliffdiver bei ihrem Finale kopfüber in die Tiefe stürzten, ein Bad.

"Yuk ak katán" – "Ich verstehe dich nicht"

Die Bezeichnung Yucatán soll übrigens, so die Legende, auf ein simples Missverständnis zurückgehen. Demnach wähnten sich die Spanier im Sog von Konquistador Francisco de Montejo, die Anfang des 16. Jahrhunderts im üppigen unbekannten Regenwald landeten, auf einer Insel. Neugierig fragten sie die Maya, wie dieses vermeintliche Eiland wohl heiße. Stets bekamen die Fremden dieselbe Antwort: "Yuk ak katán", was so viel bedeutet wie "Ich verstehe dich nicht". "Das passt zu Mexiko. Denn diese große Nation, die unterschiedlichste Einflüsse prägen, ist nur schwer zu verstehen. Allein ihre Geschichte ist ein Paradoxon. Die Eroberung erfolgte durch Indianer, die Unabhängigkeit durch Spanier", merkt Jaime Antonio Hernandez, ein Kenner, mit einem Augenzwinkern an.

Widersprüchlichkeiten zeigen sich genauso im Umgang mit der Religion. So tief verwurzelt die meisten der mehr als 120 Millionen Einwohner im katholischen Glauben sind, so sehr hängen sie an alten Traditionen und Vorstellungen. Über den Hausaltären prangen Jesu- Kreuze, daneben stehen Skulpturen von Gottheiten aus der Vorzeit. Die enge Verbundenheit mit den Verstorbenen wird besonders zu Allerheiligen und Allerseelen, den "Días de los Muertos", augenscheinlich. Totenköpfe aus Zucker oder hirseähnlichem Amaranth mit den Namen der Verblichenen auf der Stirn und kunstvoll gestaltete Skelette zieren vielerorts Vorzimmer, Schaufenster, sogar Innenhöfe von Amtsgebäuden.

"Das Gedenken an die Toten empfanden Mexikaner nie als Trauerzeremonie, vielmehr soll gemeinsam das Leben gefeiert werden. Und das mit Hingabe", lassen wir uns erklären. Bei den Gräbern wird gespeist und getrunken, eigens ein Altar errichtet – mit Dingen, die die Verstorbenen gerne hatten: Pulque, einem Nationalgetränk, Tequila, Lieblingsgerichten oder Erinnerungsstücken. Scherze sind erlaubt.

Von den "Schwimmenden Gärten" ins Museum

Die ausgeprägte Lebensfreude der Einheimischen lernen wir aus nächster Nähe sonntags bei den "Schwimmenden Gärten" von  Xochimilco, einem der 16 Stadtbezirke in Mexico City, kennen. Ganze Familien und Freunde lassen sich zum Picknick in teils aneinandergedrängten Booten von einem "Gondoliere" übers Wasser treiben. Begleitet von Mariachi- Musikern, die den Ton angeben, wenngleich oft nicht den richtigen. Das tut der Geselligkeit aber keinen Abbruch.

Auch sollte sich jeder das höchst interessante Anthropologische Museum nicht entgehen lassen, ebenso wenig die Wallfahrtskirche Guadalupe mit dem wichtigsten Marien- Heiligtum des Kontinents und das Blaue Haus im beschaulichen Viertel Coyoacán, wo Frida Kahlo und Diego Rivera, Ikonen der mexikanischen Kunst, wohnten. Die Urne mit ihrer Asche steht noch dort. An die schiefe Optik beim Rundgang durch das Zentrum der pulsierenden Metropole (die Zahl der Einwohner im Großraum wird bereits auf 35 Millionen geschätzt) muss man sich allerdings erst gewöhnen. "Mexico City, um die 2.250 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, wurde nämlich auf einer See- und Sumpflandschaft errichtet. In den vergangenen Jahrzehnten sank die Altstadt im Schnitt um knapp acht Meter ab, der Palast der schönen Künste sogar um zwölf Meter", versetzt uns Jaime in Staunen. Er beruhigt hingegen, was das aufgrund aktueller Schlagzeilen schlechte Image Mexikos betrifft: "Wer den von Drogenkartellen kontrollierten Norden meidet, hat nichts zu befürchten."

Mit dem Las Vegas des Badetourismus

Ob Palenque, Uxmal, Tulum, Cholula mit der umfangmäßig größten Pyramide der Welt samt Kirche auf der Spitze oder Puebla im stattlichen Kolonialstil – Mexikos Geschichte fasziniert. Im krassen Gegensatz dazu: Cancún. Hotelburgen säumen den Traumstrand. Ein Las Vegas des Badetourismus! Doch der Kulturschock lässt rasch nach angesichts der Annehmlichkeiten an der Riviera Maya. Um entspannt auf das türkisblau leuchtende Wasser des Karibischen Meeres zu blicken und die Fülle an Eindrücken einer spannenden Reise mit einem Cocktail – einer Margarita, versteht sich – Revue passieren zu lassen. Salut!

15.11.2014, 17:00
Karl Grammer, Kronen Zeitung
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