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07.12.2016 - 11:57
Foto: thinkstockphotos.de

Kambodscha: Das Land, das wieder lächeln kann

20.09.2014, 17:00
Kambodscha hat eine grausame Vergangenheit – zwei Millionen Menschen wurden vom Pol-Pot-Regime ermordet. Doch das Land und seine Bewohner haben die Vergangenheit großteils bewältigt und man freut sich über Touristen. Die kommen hauptsächlich wegen Angkor Wat. Aber da gibt's noch so viel mehr zu erleben.

Kambodscha. Der wissende Europäer verbindet es hauptsächlich mit zwei Themen: dem archäologischen Weltwunder Angkor Wat und dem Horror des Pol- Pot- Regimes.

Wir haben unser Kambodscha- Abenteuer mit Letzterem begonnen und sind zunächst dem unbeschreiblichen Horror begegnet. Geschätzte zwei Millionen Kambodschaner sind zwischen 1975 und 1979 den Wahnvorstellungen des irren Extrem- Kommunisten Pol Pot zum Opfer gefallen. Intellektuelle (und dazu wurde man schon gezählt, wenn man Brillen trug) hatten in seinem Arbeiter- und Bauernstaat keinen Platz. Wer selbstständig denken konnte, wurde auf den "Killing Fields" gnadenlos zu Tode geprügelt. Dorthin führte uns auch der erste Weg nach der Landung in der Hauptstadt Phnom Penh. Gänsehaut und Grauen, so viel sinnloser Tod, ein kaum begreifbares Übermaß an menschlicher Grausamkeit. Man nimmt es im Kopf mit und versucht, es irgendwie zu verarbeiten, wenn man dann in das heutige Kambodscha eintaucht.

Kambodschaner können wieder lächeln

Sie reden zwar oft von damals, und fast jeder hat Familienmitglieder verloren, aber sie leben jetzt, und das Jetzt ist anders. Das Land ist zwar arm, aber sie können wieder lächeln. Wirtschaftlich geht's heute so einigermaßen bergauf, viele können sich sogar ein Moped leisten, damit zu ihrem Arbeitsplatz fahren und – wenn's sein muss – auch eine fünfköpfige Familie von A nach B bewegen. Per Moped (meist made in China) werden auch die Läden mit Waren versorgt, die fast jeder Hausbesitzer in Kambodscha betreibt. Verkauft wird alles. Vom chinesischen Ramsch über Handarbeit bis zum Obst aus den eigenen Gärten.

Die meisten Kambodschaner, die man auf der Straße sieht, gehören der jüngeren Generation an. Eine Vielzahl der Älteren fiel ja einst dem Pol- Pot- Terror zum Opfer. Bei diesen Begegnungen spürt man die neue Aufbruchsstimmung des Landes. Fröhliche Kinderstimmen und viel Lachen. Schön – und ansteckend.

Phnom Penh ist eine schöne Stadt mit viel Sehenswertem. Einst war sie das Zentrum des alten Königreiches und der ehemalige Regierungssitz der Franzosen, die das Land als Kolonie benutzt hatten. Den König gibt's noch immer, aber der ist heute politisch bedeutungslos. Er ist ein Nachkomme des einst mächtigen Herrschers Sihanouk und darf in seinem Palast – ein Highlight jeder Phnom- Penh- Besichtigung – dann und wann ausländische Staatsoberhäupter empfangen.

Angkor Wat: Ein Muss für Kambodscha- Touristen

Der irre Pol Pot hat auch fast alle Maschinen vernichten lassen, weil in seinem Staat nur menschliche Arbeits- Roboter Platz hatten. Das historisch Wertvolle des Landes wurde aber zum Glück kaum angetastet. Dazu gehört auch das Weltwunder Angkor Wat, jene gewaltige Ansammlung von Tempeln, die von den Herrschern des Khmer- Reiches im 12. Jahrhundert zu Ehren der damals verehrten Hindu- Götter geschaffen wurde.

Man kann von Phnom Penh aus natürlich auch nach Siem Reap, der Ortschaft, die am Fuße der Welt- Tempel liegt, fliegen. Wir haben den mühsameren, aber viel interessanteren Weg gewählt und sind zunächst über Land nach Battambang, die zweitgrößte Stadt des Landes, gefahren. Fast alle Häuser am Straßenrand stehen auf Stelzen. Teils wegen der Regenzeit, die das Land überflutet und die Basis für die Reisfelder liefert, teils aus Tradition. Oben wohnen die Menschen, unten die Tiere.

Ohne Reis geht hier gar nichts. Wenn es ein gutes Jahr ist, hat man genug zu essen und kann sich vielleicht sogar ein paar Extras kaufen. Wenn es ein schlechtes Jahr ist, muss man Schulden machen und den Gürtel ganz eng schnallen. Angesichts der ärmlichen Pfahlbauten und ihrer Bewohner muten die goldstrahlenden Pagoden, die man für das Seelenheil errichtet hat, fast wie höhnische Protzbauten an. Wir haben in Phnom Udong haltgemacht. 300 Nonnen und 50 Mönche bevölkern die Prunkanlage. Es war gerade die Zeit, in der die Mönche die Nonnen, die in einem abgetrennten Gebiet leben, besucht haben, um von diesen mit Essen versorgt zu werden. Einige ältere Nonnen beherrschen ein paar Brocken Französisch, die Sprache aus vergangenen Kolonialzeiten, und geben gern Auskunft über ihr Klosterleben.

Den ersten Vorgeschmack auf das mächtige Angkor Wat gibt's bei einem Stopp in Phnom Banan. Da geht's gezählte 346 sehr steile Stufen hoch zu einem verfallenen Tempel. "Unsere Vorfahren haben den Weg zu den Göttern schwierig gemacht und die Kultstätten so gebaut, dass man sich den Weg dorthin hart erarbeiten muss", lächelt unser Guide Neath.

Nur etwas für Mutige: der "Bamboo- Train"

Battambang ist eine nette Provinzstadt, die gern von Rucksacktouristen besucht wird. Viele nette Lokale offerieren heimische Speisen, aber auch Hamburger & Co. Architektonisch findet man hier ein bissl was vom kolonialen Frankreich. Kulinarisch hat dieses vor allem die knusprigen Baguettes hinterlassen, die's in Kambodscha an allen Straßenecken gibt.

Ein touristisches Highlight von Battambang heißt "Bamboo- Train". Früher hat man auf den wackeligen Schienen, die man durch das Agrarland gelegt hat, Reis und wohl auch Bambusstauden von den Feldern abtransportiert. Heute ist der "Bamboo- Train" auch eine Attraktion für mutige Touristen.

Die Lokführer legen eine Plattform auf zwei Eisenachsen, auf dieser befindet sich ein knatternder und stinkender Motor, der das Gefährt mit schrillem Quietschen holprig und im Affenzahntempo fortbewegt. Man klammert sich an alles Verfügbare und versucht, die vorbeihuschende Landschaft optisch irgendwie zu erfassen. Es ist ein Abenteuer, vergleichbar mit dem in einer Hochschaubahn. Und wenn hinter den Reisfeldern die Sonne untergeht, dann wird die Rumpelfahrt fast romantisch.

Reisen mit dem Boot- Bus

Wir haben wieder den harten Weg gewählt. Von Battambang nach Siem Reap sind's drei Autostunden – mit dem Boot- Bus sind's allerdings acht. Das Gefährt ist lang und schmal und legt überall dort an, wo jemand zusteigen will oder Sachen aller Art mitgenommen werden sollen. Das Leben am Fluss: schwimmende Wohnhäuser, schwimmende Läden, schwimmende Tankstellen, ja sogar schwimmende Schulen. Die Menschen paddeln sich in kleinen, schmalen Booten zu ihren Zielen. Der Fluss ist ihr Lebensraum, und wenn in der Regenzeit an Land der Wasserspiegel bedrohlich steigt, ist man hier, in ihrer schwimmenden Welt, sicher.

Siem Reap ist eine laute und lärmende Stadt. Es wäre wohl nur ein Dorf, wenn es das nahe Angkor Wat nicht gäbe. Jenes Weltwunder, das man – wie etwa das indische Taj Mahal – einmal im Leben gesehen haben muss. "Von Südkorea aus gibt es täglich Flüge, die am Morgen hier landen. Die Passagiere werden sofort nach Angkor Wat gekarrt, besichtigen alles im Eiltempo, und am Abend fliegen sie wieder heim", sagt unser Guide Bun Sam, der übrigens (fast) perfekt Deutsch spricht.

Die gewaltige Dschungeltempel- Anlage, die aus allen Blickwinkeln heraus ein tolles Fotomotiv ist, ist ein Mega- Erlebnis, für das man sich Zeit nehmen sollte. Man durchstreift die alten Gemäuer im Sog Tausender anderer und ist überwältigt. Kaum ist man aus dem ersten Staunen heraus, wartet schon das nächste. Der mächtige benachbarte Tempelkomplex Preah Khan etwa, den man, nach der "Wiederentdeckung" Angkor Wats durch französische Forscher im 19. Jahrhundert, teilweise noch der Natur und den skurril auswuchernden Wurzeln gewaltiger Bäume überlassen hat.

Wenn man nach mehr oder weniger erfolgreicher Abwehr der Heerscharen hartnäckiger Souvenir- Verkäufer mit gefüllter Kamera- Speicherkarte und einem Kopf voller Eindrücke wieder von hier abzieht, tun einem die Südkoreaner irgendwie leid. Die haben zwar Großartiges, aber eben doch nur Angkor Wat gesehen. Das wahre Kambodscha ist ihnen verborgen geblieben. Das findet man in den Straßen Phnom Penhs, vor allem aber draußen, auf dem Land, wo die Menschen nach dem Grauen der Vergangenheit wieder das Lächeln gelernt haben.

20.09.2014, 17:00
Werner Kopacka, Kronen Zeitung
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