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08.12.2016 - 09:52
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Kalifornien einmal anders: Feuerwerk im Goldgräberland

16.02.2013, 17:00
Die USA gelten 2013 als Trend-Destination. Graeagle ist selbst für die Kalifornier ein Geheimtipp. Ganz oben, im Norden des "Goldenen Staates", findet man ein stilles Naturparadies mit bewegter Geschichte, das ein Dorado für Wanderer und Mountainbiker ist.

Wer weiß, wie es heute hier ausschauen würde, wenn Stoddards Story gestimmt hätte. Der Mann hatte sich im Jahre 1849 in der unwirtlichen Berggegend, der Sierra, verirrt und später - als er sich, von unfreundlichen Maidu- Indianern verfolgt, wieder in die damalige Zivilisation durchgekämpft hatte - felsenfest behauptet, er hätte dort einen See entdeckt, dessen Ufer mit Gold übersät gewesen sei. Zum Beweis griff er in seine Tasche und legte eine Handvoll Nuggets auf den Tisch. An die tausend Glücksritter sollen ihm bald darauf in die Sierra gefolgt sein. An jenem idyllischen Gewässer, das bis heute "Gold Lake" heißt, glitzerte es aber ebenso wenig wie anderswo.

Stoddard wurde von der goldhungrigen Meute als verrückt erklärt. Bevor man ihn am nächsten Baum aufknüpfen konnte, gelang ihm aber zum Glück die Flucht. Die Wildwest- Geschichte endete für die meisten dennoch positiv. Man begann in der Erde nach Gold zu graben, legte tiefe Minen an und buddelte bis 1880 Gold im Wert von 22 Millionen Dollar aus der Tiefe.

Goldrausch- Feeling in Johnsville

Im Dörfchen Johnsville bekommt man jetzt noch was vom damaligen kalifornischen Goldrausch mit. Vor dem verfallenden Minen- Hauptgebäude verrosten die Gerätschaften der Gräber in der Sonne, in einem kleinen Museum darf man in die Geschichte eintauchen. Und in einem mit Wasser und Sand gefüllten Bottich kann man sich für vier Dollar selbst als Goldwäscher betätigen.

Hier erfährt man auch Kurioses: Die lokalen Goldgräber waren die ersten Skifahrer Amerikas, bei Johnsville fand auch das erste Skirennen am Kontinent statt. Und zwar bereits im Jahr 1863. Norwegische Einwanderer schnallten sich etwa drei Meter lange Holzbretter an die Füße, um sich so besser auf tiefem Schnee fortbewegen zu können. Irgendwann weckte das in der eintönigen Natur- Einsamkeit den Wettkampfgeist der Mineure. Die Tapfersten von ihnen stellten sich oben auf die Bretter und donnerten mit Geschwindigkeiten bis 140 Stundenkilometer zu Tal. Unglaublich, aber – wie die Geschichtsschreiber behaupten – wirklich wahr.

Der bedeutendste Verdienst der damaligen Pioniere besteht jedoch darin, dass sie auch für Nicht- Goldgräber eine Gegend erschlossen, die heute ein Paradies für Naturliebhaber ist. Selbst für Kalifornier ist die Sierra noch immer ein Urlaubs- Geheimtipp. So abgelegen und so hinterwäldlerisch, dass man nur dann dorthin findet, wenn man von jemandem, der schon dort war, darauf aufmerksam gemacht wird.

Ein Trip nach Graeagle

Europäische Urlauber, denen Kalifornien ja so viel wesentlich Aufregenderes, wie die berühmte Surfer- Küste, die großen Städte, Disneyland und andere Besucher- Highlights bietet, sind, wenn sie hier auftauchen, Exoten. Aber auch Graeagle ist Kalifornien. Graeagle? Also: Man fährt von San Francisco nach Westen, schaut sich en route die Hauptstadt Sacramento an, nächtigt vielleicht irgendwo am Lake Tahoe (das Spielerparadies Reno ist von hier nur 45 Kilometer weit weg) und fährt dann auf einer Landstraße in Richtung Norden. Dabei passiert man das urige Dörfchen Sierraville (im einzigen Restaurant des Ortes, das Dos Hermanos heißt, gibt's übrigens das beste mexikanische Essen der ganzen Gegend) und muss dann bremsbereit sein, um nicht durch Graeagle durchzufahren. Viele Häuser sind's nicht, die die Straße säumen. Die meisten davon aus Holz und in Rot gehalten.

Mitten im Ort begegnet man einem stolzen Indianerhäuptling, der eine Statue ist und einen per darunter stehendem Text begrüßt: "Chief Grayeagle welcomes you!" Danke, alter grauer Adler! Am besten nistet man sich hier in einer der vielen bequemen und auch preisgünstigen Lodges ein. Diese heißen Graeagle Meadows, Whitehawk Ranch oder Sierra Sky Lodge. Viele Amis, die irgendwer auf den Reiz dieser Gegend aufmerksam gemacht hat, reisen im RV (Recreation Vehicle) an. Das sind gewaltige Wohnungen auf Rädern, hinter denen sie oft auch kleine Privat- Pkw herschleppen, um damit vor Ort mobiler zu sein. RV- Parks gibt's in Graeagle zur Genüge.

Naturparadies hat viel zu bieten

Na ja, jetzt ist man hier. Was tun? Vor allem wandern oder mountainbiken. Die Geräte kann man ausleihen und Ortskundige erklären einem die attraktivsten Routen. Oder man setzt sich einfach in das Leihauto und streift durch die Gegend. Dutzende kleine Seen, die mit kristallklarem Wasser gefüllt sind, laden zum Picknicken ein. Man kann's auch neben der Gischt herabdonnernder Wasserfälle tun. Oder im Schatten der Ruinen, die von der Goldgräberei übrig geblieben sind. Wer Golfspieler ist, befindet sich hier überhaupt im Paradies – allein in Graeagle stehen einem fünf Top- Plätze zum Abschlagen zur Verfügung.

Ein bissl einkaufen kann man in den originellen Dorfläden auch – und fürs Kulinarische stehen sehr gute Restaurants wie etwa jenes am 45 Fahrminuten entfernten Sardine Lake zur Verfügung. Sardinen? Klar, die gibt's hier nicht, im See ist ja Süßwasser. Man hat dem idyllischen Gewässer kurioserweise den Namen eines Maultiers gegeben, das einst einem Goldsucher gehörte. Das Viech – der Mann hatte es Sardine getauft – ist abgestürzt, im See ertrunken und der trauernde Besitzer wurde damit getröstet, dass man das Muli mit der See- Namensgebung unsterblich mache. Sie hatten eben ein großes Herz, die Wildwest- Pioniere.

Buntes Treiben am 4. Juli

An einem Tag im Jahr ist's in Graeagle allerdings mit der Ruhe vorbei. Nirgendwo in der Gegend feiert man den amerikanischen Unabhängigkeitstag, den 4. Juli, bunter und ausgelassener als hier. Die Mitfeierer und Zaungäste kommen dafür aus allen Himmelsrichtungen angereist, campieren, übernachten in den Wohnwägen und überfüllen die Lodges. Auf einer Wiese am Ortsrand wird an diesem Tag von Truppen in historischer Kleidung der amerikanische Bürgerkrieg nachgekämpft, da gibt's eine Straßenparade, an der alles, was herzeigenswert ist, vorbeirollt, und wenn es Nacht wird und genug getrunken und gegessen worden ist, legt man sich im Gras auf den Rücken und bewundert mit lauten "Ahs" und "Ohs" das gewaltige Feuerwerk, für das die Graeagler das ganze Jahr über gespart haben und das sie nun mit dem gebührenden Nationalstolz für alle in den Himmel feuern.

Kalifornien ist nicht nur Los Angeles, San Diego oder San Francisco. Es ist auch Graeagle. "Hugh", würde der alte Chief nach dieser Feststellung wohl sagen – "ich habe gesprochen!"

16.02.2013, 17:00
Werner Kopacka, Kronen Zeitung
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